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Zivilfahnder jagen die "tanzenden Diebe"

Zivilfahnder jagen die "tanzenden Diebe"

Die Täter sind abgetaucht, die Verun- sicherung ist groß und Wachleute lassen die Muskeln spielen. In der Neustadt hat es die Polizei mit einem neuen Phänomen zu tun.

Von christoph Springer

Die Beamten sprechen von "tanzenden Dieben".

Dabei handelt es sich um eine lose Gruppe, zu der bis zu 30 verschiedene Täter gehören. Von all diesen Tätern hat die Polizei Fotos, sie liegen im Revier Neustadt in einem dicken Klemmordner. Gefasst wurden bisher drei Verdächtige. Dabei handelt es sich um zwei Tunesier, die mehrfach im "Metronom" aufgefallen waren, einem Club an der Louisenstraße. Sie wurden Ende Januar gestellt. Mitte Februar nahm die Polizei den dritten Verdächtigen fest, allerdings nicht in der Neustadt. Der Mann, ein Algerier, wurde auf dem Weißen Hirsch in der Kakadu-Bar erwischt. Er hatte mehreren Gästen Geld und Funktelefone gestohlen. Der 25-Jährige kam hinter Gitter.

Täter umtanzen ihre Opfer

Die Täterbeschreibung "tanzende Diebe" rührt her von der Vorgehensweise der Gruppe. Thomas Wurche, Leiter des Polizeireviers Neustadt: "Wir haben das seit Oktober beobachtet. Mehrere Täter tun sich zusammen, wahrscheinlich hat sich das als erfolgversprechende Masche herumgesprochen." Gesehen hat diese Masche noch kein Polizist, nur Zeugenaussagen liegen bisher vor. Und die beschreiben alle dieselbe Vorgehensweise. Die Taschendiebe langen in der Regel vor Neustadtkneipen zu. Sie tanzen ihre Opfer an, dann greift sich einer der Männer die Beute. Blitzschnell werde sie an einen zweiten und dann vielleicht noch einen dritten Täter weitergereicht. So könne dem "Antänzer" nichts nachgewiesen werden, berichtet die Polizei.

Diebe wollen Geld und Handys

Handys, Geld und Abofahrscheine sind die bevorzugte Beute der "Antänzer", die geplünderten Portmonees der Opfer wurden häufig in Tatortnähe gefunden, berichtet Wurche. Außerdem langen die Verdächtigen in Bars, Clubs und Diskotheken zu und holen sich Wertsachen aus Jacken und Taschen.

Die gestohlenen Handys und die SIM-Karten aus den Telefonen nutzen die Täter selbst, vermuten der Revierleiter und seine Kollegen. Das Geld geben die Diebe aus. Für Geldkarten interessieren sie sich nicht. Die Tatsache aber, dass sie Abofahrscheine stehlen, führte die Polizei auf die Fährte einer potenziellen Tätergruppe, die die Beamten nun besonders im Blick hat. Wurche zufolge könnten die Langfinger Asylbewerber sein, die in Unterkünften außerhalb von Dresden untergebracht sind und gemeinsam auf Beutetour gehen.

Die Täterbeschreibungen sind Beleg für diese Annahme: "Männlich, südländisches Aussehen/Nordafrikaner, gebrochenes Deutsch, teilweise englische und französische Sprache", berichtete die Polizei. Ein weiterer Beleg: Alle bisher gefassten Verdächtigen stammten laut Polizei-Angaben aus Nordafrika.

Neustadtwirte rüsten auf

Doch die Serie konnte damit nicht beendet werden. 50 Taten hat die Polizei seit Anfang Oktober registriert, mittlerweile warnen die Kneipenbesitzer in der Neustadt ihre Kunden selbst vor den Tätern. "Liebe Gäste ..., aufgrund der sich in letzter Zeit häufenden Taschendiebstähle in einigen Bars der Neustadt möchten wir Sie bitten noch aufmerksamer auf ihre Jacken und Taschen zu achten", steht zum Beispiel auf einem Zettel, der an der Tür des Jazzclubs "Blue Note" an der Görlitzer Straße hängt.

Mehrere der im Gewerbe- und Kulturverein Dresden Neustadt organisierten Wirte haben mittlerweile aufgerüstet. Sie lassen die Eingänge ihrer Lokale von Wachleuten kontrollieren, das Personal wurde verstärkt, berichtete Sprecher Jan Frintert. Außerdem soll die Zusammenarbeit mit der Polizei verbessert werden. "Durch den Austausch von Erfahrungen und Informationen hoffen wir, die Ermittlungen unterstützen zu können", betonte Frintert.

Polizei warnt vor Prangeraktionen

Die Beamten warnen allerdings davor, das Recht selbst in die Hand zu nehmen, seit bei Facebook ein Foto veröffentlicht wurde, das zwei mutmaßliche Taschendiebe zeigen soll. "Die gehören sicher nicht dazu", ist der Leiter des Neustädter Polizeireviers Thomas Wurche überzeugt und warnt vor solchen Pranger-Aktionen. Wachleute sollen dieses Foto online gestellt haben.

Die Polizeibeamten sind derzeit vor allem in Zivil in der Neustadt unterwegs. Sie wollen "tanzende Diebe" in flagranti erwischen. Doch die Täter sind abgetaucht, zuletzt wurde am 25. Februar eine solche Tat auf der Sebnitzer Straße gemeldet. Wurche bleibt dennoch beim Einsatzkonzept. Vorerst wird weiter verdeckt kontrolliert, später sollen auch wieder mehr Beamte in Uniform unterwegs sein, um die Langfinger zu stellen. Denn dass die "tanzenden Diebe" zur Zeit nicht aktiv sind, könnte auch ganz simple Gründe haben, vermutet Wurche. Vielleicht war es ihnen zuletzt nur zu nass und zu kalt für ihre "Arbeit".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.03.2012

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