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Zahl der Unfallopfer erhöht sich auf elf - Dresdens Feuerwehrchef spricht von "schrecklichen Bildern"

Zahl der Unfallopfer erhöht sich auf elf - Dresdens Feuerwehrchef spricht von "schrecklichen Bildern"

Die Zahl der Todesopfer beim schwersten Busunglück seit Jahren in Deutschland hat sich auf elf erhöht. Wie die Polizei am Montag mitteilte, erlag ein weiterer Insasse des polnischen Kleintransporters seinen schweren Verletzungen.

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Rettungskräfte an der Unfallstelle des schweren Busunglücks.

Quelle: Roland Halkasch

Dresden. Dresden. Die Zahl der Todesopfer beim schwersten Busunglück seit Jahren in Deutschland hat sich auf elf erhöht. Wie die Polizei am Montag mitteilte, erlag ein weiterer Insasse des polnischen Kleintransporters seinen schweren Verletzungen. 69 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Acht Opfer konnten bisher zweifelsfrei identifiziert werden. Es handelt sich dabei um drei polnische Frauen im Alter von 38, 49 und 75 Jahren sowie fünf polnische Männer im Alter von 32, 36, 38, 39 und 56 Jahren.

Rund 150 Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr waren am Sonnabendmorgen an den Unglücksort geeilt. Dresdens Feuerwehrchef Andreas Rümpel erklärt, wie er und seine Kollegen mit einer Tragödie diesen Ausmaßes umgehen.

Herr Rümpel, wie haben Sie als Chef der Dresdner Feuerwehr den Einsatz nach dem schweren Busunglück erlebt?

Das waren natürlich schreckliche Bilder, als wir an der Einsatzstelle ankamen. Unser Stichwort für den Notruf war „Massenanfall von Verletzten“. Darauf bereiten wir uns vor, darauf sind wir eingestellt, hoffen aber, dass dieser Fall nie eintritt. Und eine Katastrophe in einem solchen Ausmaß habe ich in meiner 36-jährigen Dienstzeit noch nicht erlebt. In der Nacht zum Sonnabend haben wir vier Wachen der Berufsfeuerwehr, vier Freiwillige Feuerwehren sowie 23 Rettungswagen und vier Notarzteinsatzfahrzeuge zur Unfallstelle geordert. Was wir sahen, war dramatisch. Auf der Fahrbahn stand ein vollkommen zertrümmerter Kleinbus und aus dem Reisebus, der den Hang hinuntergerutscht war, krabbelten zahlreiche Verletzte unseren Einsatzkräften schon entgegen.

Wie verhält man sich als Feuerwehrmann in einer solchen Situation?

Sie müssen sich konzentrieren und dürfen keine Gefühle aufkommen lassen. Dass, was man gelernt, geübt und immer wieder trainiert hat, muss man automatisch abrufen. Es geht darum, Menschenleben zu retten. Was für eine Tragweite dieser Unfall hat, wird einem aber meistens erst Stunden nach solch einem Einsatz bewusst.

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Von dem Kleinbus, der ebenfalls in den Unfall verwickelt war, blieb nur noch ein Blechknäuel. Foto: Roland Halkasch

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Sie waren auch mit ihrem Krisen-Interventionsteam und Notfallseelsorgern vor Ort?

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Ein schweres Busunglück auf der A4 bei Dresden hat in der Nacht zum Samstag mindestens neun Tote gefordert. Ein polnischer Reisebus hatte kurz vor 2 Uhr die Mittelleitplanke durchbrochen und auf der Gegenfahrbahn einen Kleinbus erfasst.

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Es war unheimlich wichtig, dass unser entsprechender Verein sofort an die Einsatzstelle kam, als wir ihn brauchten und den Patienten in die Krankenhäuser hinterhergefahren ist. Diese speziell geschulten Mitarbeiter betreuten auch die Leichtverletzten im nicht weit von der Unfallstelle entfernten Brand- und Katastrophenschutzamt psychologisch. Ebenso werden unsere Einsatzkräfte einige Zeit brauchen, um diese Katastrophe mental aufzuarbeiten.

Haben Sie aus Sicht der Feuerwehr eine Vermutung hinsichtlich der Unfallursache?

Dazu kann ich nichts sagen, denn zunächst muss die Polizei Zeugen befragen und auch die Fahrzeugwracks untersuchen. Aber natürlich ist ganz klar, dass bei einer solchen Tragödie die Ursache genau ermittelt werden muss. Dafür wurden die Unfallfahrzeuge beschlagnahmt.

Wer hat Schuld am schlimmsten Busunglück der vergangenen Jahre - der Fahrer des beteiligten polnischen Reisebusses?

Nach dem verheerenden Busunglück mit zehn Toten auf der Autobahn 4 in Dresden laufen die Ermittlungen zur Ursache. Für die Staatsanwaltschaft steht der 44-jährige Fahrer des verunglückten polnischen Doppeldecker-Busses im Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung - er soll übermüdet gewesen sein. Das Amtsgericht Dresden lehnte eine Untersuchungshaft am Sonntagabend ab. Der Haftrichter sah bei dem im Krankenhaus liegenden Mann keine Fluchtgefahr.

Bei dem verheerenden Unfall fuhr der polnische Dopppeldecker, der nach Westen unterwegs war, auf einen Reisebus aus der Ukraine auf. Durch die Wucht des Aufpralls schleuderte er über die Autobahn und raste durch die Leitplanke auf die Gegenfahrbahn. Dort krachte er in einen polnischen Kleinbus, stürzte eine Böschung hinunter und überschlug sich. Die Staatsanwaltschaft vermutet Übermüdung als Ursache für das Unglück und beantragte den Haftbefehl wegen Fluchtgefahr.

„Wir hatten es so gesehen, dass er sich auf Grund der hohen Straferwartung einem Gerichtsverfahren in Deutschland nicht stellen würde“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Lorenz Haase. Gegen den Mann werde weiter ermittelt. Verletzte liegen weiter in Krankenhäusern in Dresden, Pirna und Radebeul. Viele Reisende hatten Brüche, Schürfwunden, Prellungen oder einen Schock erlitten.

Christoph Stephan/dpa

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