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Tücken der Kriminalitätsstatistik: Warum manche Viertel gefährlicher wirken als sie sind

Tücken der Kriminalitätsstatistik: Warum manche Viertel gefährlicher wirken als sie sind

Man muss nicht erst Dorfteichtiefen und Kühe erwähnen, um klar zu stellen, dass Statistiken auch zu falschen Schlussfolgerungen führen können.

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Quelle: LKA Sachsen

Auch der Kriminalitätsatlas, zu dem die Polizeidirektionen des Freistaats ihre Zahlen beisteuern und den das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen führt, kann in die Irre führen. So ist die Albertstadt mitnichten ein Viertel der langen Messer, wie die Kartendarstellung der Straftatenzahlen (siehe oben) suggeriert. Mehr als 20 000 Straftaten pro 100 000 Einwohner stehen dort in dem Zahlenwerk der Kriminalisten.

Dieses Ergebnis ist aber „nur“ Basis einer Statistikrechnung, die die Polizei nutzt, um Kriminalitätszahlen unabhängig von der Einwohnerzahl vergleichbar zu machen. Dabei wird immer von der Zahl der Taten pro 100 000 Einwohner ausgegangen. Die Zahlen für Viertel, in denen mehr Menschen leben, werden mittels bundesweit gültigen mathematischen Gleichungen heruntergerechnet. Und für Viertel, in denen wenig Menschen leben, werden sie „aufgeblasen“. Das betrifft in besonderem Maße die Albertstadt mit knapp 3000 Einwohnern. Für dieses Gebiet am Rand der „Heide“ stehen im Kriminalitätsatlas 2013 insgesamt 865 Straftaten. Zum Vergleich: In der angrenzenden Äußeren Neustadt mit reichlich 17 000 Einwohnern sind es fast 3200 Straftaten.

Auch die Südvorstadt-West ist laut Kriminalitätsatlas 2013 ein extrem gefährliches Viertel. Dort schlagen vor allem so genannte Vermögens- und Fälschungsdelikte kräftig zu Buche. Ursache dafür ist laut Polizei die Tatsache, dass sich in diesem Viertel die Arbeitsagentur befindet. Eine Institution, die immer dann bei der Polizei eine Rolle spielt, wenn es um Sozialleistungsbetrug geht. Solche Straftaten gehören zu den „Vermögens- und Fälschungsdelikten.

Dass die Zahl der Straftaten in Dresden in den vergangenen Jahren insgesamt kontinuierlich zugenommen hat (siehe Grafik oben, Quelle: Polizei), ist aber nicht auf einen Statistikfehler zurückzuführen. Sie ist allein zwischen 2009 – dem Jahr, in dem es erstmals einen Dresdner Krimnalitätsatlas gab – bis 2013 um 35 Prozent geklettert. Zur Begründung verweist Polizeisprecher Thomas Geithner auf die einzelnen Jahresergebnisse. Zwar habe sich das „Anzeigeverhalten“ mit der Einführung der so genannten Online-Wache im Jahr 2009, bei der Hinweise zu Straftaten von zu Hause aus via Internet gegeben werden können, geändert, so Geithner.

Dennoch habe die Zahl der Taten auch real zugenommen. Dazu haben nach Auskunft des Polizeisprechers unter anderem Banden beigetragen, die die Polizei oft monatelang beschäftigt haben. Beispiele: 2012 und 2013 ist die „Balkonbande“ regelmäßig in Erdgeschosswohnungen eingestiegen. Mehr als 70 Wohnungseinbrüche binnen drei Wochen gingen allein im Frühjahr 2012 auf das Konto der Serientäter. Parallel dazu hatten es die Ermittler mit einer bis dahin beispiellosen Autoklau-Serie zu tun. Die Täter waren vor allem auf Pkws der Marke Skoda aus. „Die Tendenz ist aber eindeutig“, lässt Geithner keinen Zweifel an der Auslegung der Statistik. „Die Zahl der Straftaten steigt.“

cs

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