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Tragische Reise in den Tod - Der schlimmste Unfall seit Jahrzehnten in Dresden

Tragische Reise in den Tod - Der schlimmste Unfall seit Jahrzehnten in Dresden

Regina Tannhorst schildert immer noch aufgeregt, wie sie in der Nacht zum Sonnabend plötzlich aus dem Schlaf gerissen wurde. "Überall heulten Sirenen auf und von allen Seiten kamen Hubschrauber geflogen.

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Das Busunglück ereignete sich auf der A4 zwischen Elbe und Flutrinne in Höhe des Kaditzer Klärwerks.

Quelle: Grafik: Google Maps

Ich wusste sofort, dass etwas Furchtbares passiert sein muss, dachte zunächst an eine Explosion in der Kläranlage auf der gegenüberliegenden Elbseite", erzählt die 76-jährige Briesnitzerin.

Es war keine Explosion, wegen der Regina Tannhorst wach wurde, sondern der schlimmste Unfall in Dresden seit Jahrzehnten. Zehn Menschen starben, 69 wurden verletzt, neun Personen schweben noch immer in Lebensgefahr. "Etwas derart Schlimmes habe ich in meiner 36-jährigen Laufbahn als Feuerwehrmann noch nicht erlebt", sagt Andreas Rümpel, der Chef des Dresdner Brand- und Katastrophenschutzamtes, der emotional ergriffen an der Unfallstelle Interviews geben musste.

Das Unglück ereignete sich kurz vor 2 Uhr. Ein polnischer Doppeldecker-Bus war auf dem Weg vom schlesischen Katowice nach Leverkusen, als er auf der Autobahn 4 zwischen den Anschluss- stellen Dresden-Neustadt und Dresden-Altstadt plötzlich in einen vorausfahrenden ukrainischen Reisebus krachte. Während der Fahrer des ukrainischen Busses sein Fahrzeug unter Kontrolle bringen konnte und sicher am rechten Fahrbahnrand zum Stehen kam, geriet der polnische Bus ins Schleudern, durchbrach die Mittelleitplanke, stieß frontal mit einem entgegenkommenden polnischen Kleinbus zusammen und stürzte schließlich durch die Seitenleitplanke hindurch eine zehn Meter hohe Böschung hinab, wo sich der fast 14 Meter lange Bus überschlug und im Graben vor dem Klärwerk Dresden-Kaditz liegen blieb.

Nach dem Horrorcrash brach an der Unfallstelle das Chaos aus. Rund 150 Mitarbeiter von Rettungsdienst und Feuerwehr eilten innerhalb von Minuten zur Unglücksstelle. Vor Ort bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Insbesondere der zerfetzte Kleinbus zeugt von der Wucht des Aufpralls und dem Ausmaß der Tragödie. "Überall waren blutüberströmte Menschen. So etwas möchte man nie erleben", beschrieb einer der Ersthelfer gegenüber den DNN.

Die meisten Todesopfer gab es in dem Kleinbus, gegen den der außer Kontrolle geratene Reisebus auf der Gegenfahrbahn raste. Von den insgesamt neun Insassen starben laut Polizei acht, in dem großen Reisebus kamen zwei Menschen ums Leben. Sechs Leichname wurden bereits zweifelsfrei identifiziert. Es handelt sich um vier Männer und zwei Frauen aus Polen. Die zahlreichen Verletzten kamen in die Dresdner Uniklinik sowie in die Krankenhäuser Friedrichstadt, Neustadt, St. Joseph-Stift und Diakonissenkrankenhaus, aber auch in die umliegenden Kliniken nach Pirna und Radebeul. "Zwar passiert es nicht allzu oft, dass so viele Patienten innerhalb kurzer Zeit bei uns eingeliefert werden, aber dadurch dass die Verletzten auf mehrere Krankenhäuser verteilt wurden, ist die Situation gut handhabbar", erklärte der Sprecher der Uniklinik, Holger Ostermeyer. Viele der Reisenden hatten Schürfwunden, Prellungen, Brüche oder einen Schock - die Schwerverletzten wurden am Wochenende auf den Intensivstationen behandelt.

Unmittelbar nach dem Unglück hat einer der Fahrer des polnischen Reisebusses noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte verletzte Passagiere aus dem Wrack gezogen. "Der Bus stürzte um, ich stürzte, ich weiß nicht wie es passiert ist", beschrieb eine Überlebende dem polnischen Nachrichtensender TVN 24. "Alles ging so schnell." Sie habe in einer der hinteren Reihen gesessen und sei von einem Fahrer aus dem umgekippten Bus regelrecht herausgezerrt worden. "Er hat mir das Leben gerettet", sagte die Frau dankbar.

Die A4 blieb nach dem Unfall stundenlang voll gesperrt. Erst gegen 10.30 Uhr gab die Autobahnpolizei zunächst die Spuren in Richtung Erfurt wieder frei, drei Stunden später auch die andere Fahrbahn. Allein bis Wilsdruff bildete sich ein acht Kilometer langer Rückstau. Darüber hinaus brach der Verkehr im Dresdner Westen bis in die frühen Nachmittagsstunden zusammen. Vor allem in Höhe der Flügelwegbrücke stauten sich die Blechlawinen in der Mittagshitze, weil dutzende Lkw die Unfallstelle so zu umfahren versuchten. Straßenbahnen und Busse kamen ebenfalls nicht weiter. Auf den Raststätten und Tankstellen rund um den Elbepark herrschte wegen der Lkw-Kolonnen Hochbetrieb.

Der Reisebus, der die Unglückskette auf der Autobahn ausgelöst hat, gehört dem polnischen Fuhrparkunternehmen "Sindbad". "Wir teilen den Schmerz der Familien der Opfer und sind in tiefer Trauer", ließ die Firma mitteilen. Der Bus selbst vom Typ Setra 431DT sei erst am 8. Juli technisch durchgecheckt worden und galt als Fahrzeug der gehobenen Klasse. Die Ermittlungen zur Unfallursache konzentrieren sich deshalb weniger auf einen technischen Defekt, sondern auf den 44-jährigen Fahrer. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung beantragt, den das Amtsgericht jedoch ablehnte. "Wir gehen davon aus, dass er zum Unfallzeitpunkt nicht in der Lage war, das Fahrzeug zu führen - wegen Übermüdung", erklärte Lorenz Haase von der Staatsanwaltschaft. (mit dpa)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.07.2014

Christoph Stephan

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