Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Rücksichtslose Autofahrer: Dresdner Feuerwehr schlägt Alarm

Keine Ahnung von Rettungsgasse und Falschparken Rücksichtslose Autofahrer: Dresdner Feuerwehr schlägt Alarm

Immer häufiger behindern rücksichtslose Autofahrer die Rettungskräfte, so dass Hilfsfristen nicht eingehalten werden können. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass das auch in Dresden Menschenleben fordert. Die Dresdner Feuerwehr und auch die Johanniter machen jetzt mobil.

Im vergangenen August brauchte die Berufsfeuerwehr 35 Minuten, um zu einem Pkw-Brand auf die A4 am Dreieck Dresden-West zu gelangen. Die Autobahn war zu.
 

Quelle: Roland Halkasch

Dresden.  Bei Bränden und Unfällen können Minuten über Leben und Tod entscheiden. Doch Rettungskräften wird es zunehmend schwer gemacht, an den Einsatzort zu gelangen. „Wir können immer häufiger Hilfsfristen nicht einhalten, weil Ausfahrten von Feuerwachen und Rettungswege zugeparkt sind oder auf mehrspurigen Straßen keine Rettungsgassen gebildet werden“, so Frieder Hofmann, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes Dresden.

 „Es gibt unzählige Beispiele, wo wir uns mit aufwändigen und zeitraubenden Fahrmanövern einen Weg zum Unfallort bahnen müssen oder nur über große Umwege hinkommen.“ Im August 2015 habe diese Rücksichtslosigkeit in Deutschland sogar einem Menschen das Leben gekostet. „Auf der A2 bei Potsdam waren zwei Lkw ineinander gefahren. Als sich die Rettungskräfte endlich zum Unfallort durchgekämpft hatten, kam für einen Lkw-Fahrer jede Hilfe zu spät. Ihm hätte nachweislich noch geholfen werden können, wenn die Hilfsfrist eingehalten worden wäre“, weiß Hofmann. „Es ist nur eine Frage der Zeit, dass diese Rücksichtslosigkeit unter den Menschen auch in Dresden Tote fordert.“

In einem Fall brauchte die Berufsfeuerwehr 35 Minuten, um zu einem Pkw-Brand auf die A4 am Dreieck Dresden-West zu gelangen. Die Autobahn war zu. Als die Rettungskräfte es über einen Umweg endlich bis zum brennenden Auto geschafft hatten, war das Feuer aus. „Zum Glück gab es nur Materialschaden. Wäre eine Person eingeklemmt gewesen – sie wäre verbrannt“, so Hofmann.

Die Freiwillige Feuerwehr, die die Autobahn wählte, hatte auch große Probleme, vorwärts zu kommen. „Der Brabschützer Gruppenführer ist dann aus dem Einsatzfahrzeug ausgestiegen und auf der Autobahn zu Fuß von Fahrzeug zu Fahrzeug gelaufen, um die Autofahrer zu bitten, Platz zu machen“, berichtet Frank Aubrecht aus der Feuerwehrpressestelle.

Doch dass die Einsatzkräfte in solchen Fällen die Fahrer überhaupt in ihren Autos antreffen ist keine Selbstverständlichkeit. „Nicht selten sind die ausgestiegen, haben sich in der Umgebung einen erhöhten Punkt gesucht und machen mit dem Handy Fotos“, hat der Foto- und Filmreporter Roland Halkasch beobachtet. Er weiß auch vom Fahrer eines Abschleppautos zu berichten, der aufgrund der fehlenden Rettungsgasse partout nicht durchkam. Demzufolge konnte auch der Unfallort nicht beräumt und die Sperrung aufgehoben werden. „Am Ende musste die Polizei das Abschleppauto durchbringen.“

Auch der 18. Februar 2016 wird Dresdner Feuerwehrleuten wohl im Gedächtnis bleiben. Sie wollten einen Mann, er auf der A4 bei Wilsdruff mit seinem Lkw auf einen Schilderanhänger der Autobahnmeisterei aufgefahren war, aus dem zerdrückten Fahrerhaus schneiden. Die Kameraden hätten dafür dringend eine Rettungsplattform gebraucht, um oben im Lkw-Fahrerhaus besser arbeiten zu können. „Doch die Autofahrer hatten die Rettungsgasse geschlossen, als zwei Löschzüge durch waren. Und so kam die nachgeforderte Technik ewig nicht durch und verspätet am Unfallort an“, so Feuerwehrsprecher Ralf Schröder.

 Für Rücksichtslosigkeit gibt es weitere Beispiele: Brummifahrer, die mehrere Spuren blockieren, weil sie sich Elefantenrennen liefern. Autofahrer, die Rettungsfahrzeugen unmittelbar hinterher fahren, um so schneller vorwärts zu kommen. – „Es gibt Leute, die ignorieren sogar die Absperrung an der Unfallstelle, mit der Begründung, sie hätten Termine und könnten nicht so lange warten“, erzählt Rainer Jonas von der Dresdner Berufsfeuerwehr. „Besonders schlimm ist es früh, wenn die Leute auf Arbeit wollen. Da gibt es keine Freunde, nur Feinde und Hindernisse. Da hat man bei einem Einsatz zu tun, dass man nicht selber noch über den Haufen gefahren wird“, weiß Jonas aus eigener Erfahrung.

Frieder Hofmann beobachtet, dass vor allem morgens regelmäßig die Ausfahrt der Feuerwache in Kaitz zugeparkt wird, wenn Eltern ihre Kinder zur Schule bringen. „Auch in der Neustadt ist die Ausfahrt der Rettungswache permanent zugeparkt“, ergänzt Schröder.

Man habe schon Autos mit Muskelkraft zur Seite gehoben, damit die Feuerwehr durchkam. Doch das geht nur bei leichteren Modellen. Und die Feuerwehrleute begeben sich damit auf Glatteis. „Wenn wir zum Einsatz fahren und machen an ein Auto einen Kratzer, weil wir kaum durchkommen, dann muss zum einen der Fahrer das Bußgeld privat bezahlen. Zum anderen müssen wir den Einsatz abbrechen, die Leitstelle informieren und auf die Polizei warten“, so Rainer Jonas. Ob das die Kameraden am Ende wirklich tun würden, wenn wenige Meter weiter Menschen um ihr Leben kämpfen, sei mal dahingestellt. „Es ist gesetzlich eine Grauzone“, sagt Rainer Jonas.

Der Stadtfeuerwehrverband sieht seitens der Politik erheblichen Handlungsbedarf. „Die Bußgelder für Autofahrer, die Einsatzkräfte behindern, sind viel zu gering“, meint der Chef des Stadtfeuerwehrverbandes. Zudem hält dieser eine Aufklärungskampagne in Sachen Rettungsgasse für angezeigt. „Viele wissen gar nicht, wie diese gebildet wird“, so Hofmann. Der Stadtfeuerwehrverband hat sich deshalb jetzt mit einer Resolution an den Landesfeuerwehrverband gewandt. Die Kreisfeuerwehrverbände Sächsische Schweiz Osterzgebirge und Meißen schlossen sich dieser bereits an.

 Auch die Johanniter schlagen jetzt Alarm. „Laut einer aktuellen repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag der Johanniter-Unfall-Hilfe wissen 64 Prozent aller Führerscheinbesitzer in Deutschland nicht was zu tun ist, wenn sich auf einer dreispurigen Straße ein Rettungswagen von hinten nähert“, teilt der Regionalverband Dresden der Johanniter-Unfall-Hilfe mit. Deshalb wollen die Johanniter mit der Aufkleber-Aktion „Rettungs(G)asse sind wir alle!“ auf das Problem aufmerksam machen. „Die Aktionsaufkleber fürs Auto können vom 4. April an kostenfrei bei den Johannitern in Dresden, Stephensonstraße 12-14, abgeholt werden“, heißt es in einer Mitteilung.

So wirds gemacht

So wirds gemacht. Quelle: ADAC e.V.

Quelle:

Wie man eine Rettungsgasse bildet

Stockt der Verkehr auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung, so müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte der Richtungsfahrbahn, bei Fahrbahnen mit drei Fahrstreifen für eine Richtung zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen, eine freie Gasse bilden (§ 11 Abs. 2 StVO). Auf vierspurigen Autobahnen in Deutschland ist die Rettungsgasse in der Mitte zu bilden. Befahren werden darf die Rettungsgasse ausschließlich mit Polizei- und Hilfsfahrzeugen. Dazu zählen: Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Krankenwagen, Arzt- und Abschleppfahrzeuge (§ 11 Abs. 2 StVO). Allen anderen Kraftfahrern ist die Durchfahrt untersagt und wird bei Nichtbeachtung mit einem Bußgeld geahndet.

Von Catrin Steinbach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Dresden
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Dresdner Ordnungsamt. mehr

Die Polizei gibt Tipps, wie sich Mieter und Hausbesitzer besser gegen Einbrecher wappnen können.mehr