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Rechter "Kinderkram"? - Algerier fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen

Rechter "Kinderkram"? - Algerier fühlt sich von der Polizei im Stich gelassen

Chico ist ein Mann, der viel und gern lacht. Und man kann ihm kaum widerstehen, wenn er hinterm Tresen steht und Döner anbietet oder Eierkuchen zubereitet. Doch das Lachen ist ihm vergangen, seit er keine Ruhe mehr hat vor einem Bühlauer, der ihn regelmäßig bedroht.

"Ja, ich habe Angst", gibt der 40-Jährige zu, "das klingt vielleicht ein bisschen kindisch, aber ich habe Angst".

Aissa Rabiai, so der bürgerliche Name des gebürtigen Algeriers, lebt seit 19 Jahren in Deutschland. Sein Deutsch nicht fehlerfrei, seine Herkunft kann und will er nicht verleugnen. Doch sie passt zwei Brüdern aus Bühlau nicht, die ihn regelmäßig bedrohen. Wenigstens einer davon ist der Polizei bereits einschlägig bekannt. Es handelt sich um Robert H., einen kräftigen kahlköpfigen Mann, der Chico zuletzt am 10. Januar bedroht hat. Drei Schüler vom nahen Gymnasium mussten damals mit zusehen, als sich H. vor dem großen Schaufenster von Chico's Mediterrana, dem Dönerimbiss des Algeriers am Ullersdorfer Platz, aufgebaut hat, sich ein Messer an den Hals hielt und dabei unmissverständlich auf den 40-Jährigen deutete. Auch Pistolenschüsse auf Aissa Rabiai hat H. schon angedeutet, Scheiben wurden zerkratzt und H. hat gegen die Scheiben gespuckt.

"Wer macht so etwas", zuckt der 40-Jährige mit den Schultern, "das ist doch krank." Und wer so etwas tut, sei "eine Gefahr für alle", meint Rabiai, "das ist, wie besoffen zu fahren". Zu seiner Angst kommt deshalb noch ein zweites Gefühl hinzu, das dem Algerier Probleme bereitet. Er fühlt sich allein gelassen mit diesem Problem. "Die Polizei sagt, sie kann nichts tun", berichtet Rabiai. Wenigstens eine Hand voll Ermittlungsverfahren läuft gegen H., immer wieder mussten die Beamten seit Januar vergangenen Jahres anrücken, weil der Bühlauer wieder einmal auffällig geworden war vor dem Dönerladen des Algeriers. Am 10. Januar, nach der Messer-Geste, wurde H. schließlich festgenommen. Die Polizei erwischte ihn einen knappen Kilometer entfernt, mehrere Beamte waren damals nötig, um den kräftigen Glatzkopf zu überwältigen.

Rabiai fürchtet nun die nächste Attacke. Eine echte Hilfe ist ihm die Polizei nicht, sagt der 40-Jährige, H. habe ein Hausverbot und die Polizei habe ihm geraten, einfach die Tür zu schließen, wenn der Bühlauer mal wieder auftaucht. Und er solle sich Pfefferspray zulegen, zitiert er die Beamten.

Die Polizei weist dies zurück. "Diese Aussagen sind uns nicht bekannt. Sie sind nirgends dokumentiert. Wir können es uns auch nicht vorstellen, dass unsere Beamten dies gesagt haben könnten", antwortete Polizeisprecher Thomas Geithner auf DNN-Anfrage. Rabiai dagegen setzt noch eins drauf: Als "Kinderkram" habe einer der Beamten seine Probleme bezeichnet, sagt der Algerier, dem solche Worte schon wegen seiner eingeschränkten Deutsch-Kenntnisse eher nicht von selbst einfallen.

Nun kümmert sich die Opferhilfe RAA Sachsen um seine Sorgen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.02.2013

Christoph Springer

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