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Razzia bei Dresdner Finanzdienstleister Infinus: Verdacht des Anlegerbetrugs - Vorstand wehrt sich gegen Vorwürfe

Razzia bei Dresdner Finanzdienstleister Infinus: Verdacht des Anlegerbetrugs - Vorstand wehrt sich gegen Vorwürfe

Als am Dienstag in den Morgenstunden rund 50 Polizeibeamte in Uniform und Zivil mit mehreren Mannschaftswagen und zahlreichen Zivilfahrzeugen die Ruhe im Blasewitzer Villenviertel mit dem malerischen Blick auf den Elbhang störten, sprach sich das in Dresden schnell herum.

Das Ausmaß der Razzia beim Dresdner Finanzdienstleister Infinus deutet darauf hin, dass es bei den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft um etwas Größeres geht. Bei Infinus selbst zeigte man sich ratlos und bezeichnete die Aktion als durch nichts zu begründen.

„Wir ermitteln wegen des Verdachts des Betruges“, sagte Lorenz Haase, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, den DNN. Die Durchsuchung finde im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen mehrere Beschuldigte statt. Beim Vertrieb von Finanzprodukten sei es zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Konkretere Angaben zu den Vorwürfen oder zu einer Schadenssumme lehnte Haase mit dem Verweis auf die noch laufende Polizeiaktion ab.

Unbestätigten Angaben zufolge soll es in Frankfurt am Main, wo die zur Infinus-Gruppe gehörende Capital Business GmbH ihren Sitz hat, ebenfalls Durchsuchungen gegeben haben. Eine Person soll in Untersuchungshaft sitzen. „Wir stehen diesen angeblichen Vorwürfen mehr als ratlos gegenüber“, teilte Prof. Dr. Kewan Kadkhodai, Vorstandsmitglied der Infinus-Gruppe, am Abend mit. „Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe haltlos und durch nichts zu begründen“, so Kadkhodai weiter. „Gerade in einem so sensiblen Bereich wie dem unseren ist es unausweichlich, nicht nur absolut auf dem Boden der Gesetze, sondern auch aufs Engste mit den zuständigen Behörden wie beispielsweise auch der BaFin zusammenzuarbeiten.“ Das habe man zum Wohle der Kunden für jedermann transparent getan. Umso unverständlicher sei die Polizeiaktion, die in ihrer Dramatik kaum noch zu steigern sei.

Kadkhodai kündigte an, „umfassend und ergebnisorientiert“ mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten und unmissverständlich auf eine schnelle Aufklärung des Vorwurfs „des Betruges und der Schädigung von Anlegern und Investoren“ zu dringen, damit man sobald wie möglich wieder die normale Geschäftstätigkeit aufnehmen könne.

Die Infinus-Gruppe ist ein Verbund von Firmen, die aus Gründungen von ehemaligen Versicherungsmaklern aus dem Raum Dresden hervorgegangen sind, die bis Ende der 80-er Jahre zurückreichen. Als Emissionshaus, Haftungsdach für mehr als 2500 freie Anlagevermittler und Allfinanzvertrieb mit konzerneigenen und fremden Produkten hat sich das schnell wachsende Unternehmen bundesweit einen Namen gemacht. Infinus erwirbt außerdem Firmenbeteiligungen und Immobilien. Die in Dresden ansässige Infinus Hausverwaltungs GmbH hat nach eigenen Angaben mehr als 1500 Wohnungen und große Wohnanlagen, diverse Wohneigentümergemeinschaften und große Gewerbeliegenschaften in Verwaltung und bietet dafür eine Hausverwaltung mit Rundum-Service an.

Obwohl einige der Infinus-Produkte, wie Genussscheine und Orderschuldverschreibungen, mit denen das Unternehmen unter anderem den Aufkauf und die Verwertung von Lebens- und Rentenversicherungen finanziert, in der Branche als riskant kritisiert werden, konnte das Unternehmen bislang seinen Zahlungsverpflichtungen offenbar immer nachkommen. Falls an den Vorwürfen gegen Infinus doch etwas dran sein sollte, würde das auch einen Schatten auf eine Erfolgsgeschichte werfen, die im Osten Deutschlands ihres Gleichen sucht.

Hinter Infinus steht die Future Business KG aA (FuBus), die im Februar 2000 in Dresden mit einem Grundkapital von umgerechnet 250 000 Euro gegründet wurde und in den Geschäftsbereichen Versicherungspolicen, Beteiligungen, Immobilien und Edelmetalle tätig ist. Durch regelmäßige Kapitalerhöhungen – seit 2008 jährlich um mehrere Millionen – hat die FuBus ihr Grundkapital inzwischen auf 25,4 Millionen Euro mehr als verhundertfacht. Ende 2012 betrug die Bilanzsumme 810 Millionen Euro bei einem Eigenkapital von knapp 107 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wies die FuBus einen Bilanzgewinn von 43,12 Millionen Euro aus.

Sachsens Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hatte vor drei Jahren in einem Grußwort zum zehnjährigen Bestehen die FuBus als Vorzeige-Finanzdienstleister in einem wichtigen Bereich wirtschaftlicher Wertschöpfung bezeichnet, der mit seiner Ausrichtung auf den persönlichen Unternehmer und seine Verantwortung einen Beitrag dazu leisten könne, Vertrauen wieder zu stärken, das „durch das Fehlverhalten vieler mächtiger Finanzinstitute so schwer beschädigt wurde“.

Holger Grigutsch / Werner Peters

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