Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Polizisten bestehlen Reisende am Dresdner Hauptbahnhof – Aktion soll Fahrgäste sensibilisieren

Polizisten bestehlen Reisende am Dresdner Hauptbahnhof – Aktion soll Fahrgäste sensibilisieren

Am Dresdner Hauptbahnhof haben zwei Polizisten am Donnerstagmorgen für einige Stunden die Seiten gewechselt. Im Rahmen einer Aufklärungsaktion für Reisende schlüpften die Beamten in die Rolle von Langfingern und versuchten, Reisenden ihre Koffer zu stehlen.

Voriger Artikel
100 Dresdner demonstrieren gegen NPD-Kundgebung - Abend bleibt laut Polizei friedlich
Nächster Artikel
Aufmerksamer Zeuge führt Polizisten zu mutmaßlichem Gasflaschendieb

So einfach ist es, einen Koffer zu stehlen, demonstriert die Polizei. Ein Beamter lenkte den Reisenden ab, der andere griff zu.

Quelle: Stephan Lohse

Und dies ging noch einfacher als gedacht.

Die beiden Zivilbeamten Jörg Almeroth und Tina Göpel brauchen nur wenige Minuten, dann gehört der erste Koffer ihnen. Ein älteres Paar aus Thüringen, das mit seinen Enkeln in Dresden zu Besuch war, ist mit dem Fahrkartenkauf beschäftigt. Die Enkeltöchter sind im Zeitschriftenladen, die Koffer stehen unbeaufsichtigt auf dem Querbahnsteig. Blitzschnell greift Almeroth zu und geht mit seiner „Beute“ um die Ecke. Erst Minuten später bemerken die Reisenden den Verlust.

php3ab964a4c1201303281135.jpg

Polizisten als Diebe: Die Beamten der Bundespolizei demosntrierten auf dem Dresdner Hauptbahnhof, wie wichtig es ist, auf sein Gepäck aufzupassen.

Zur Bildergalerie

„Wir waren am Anfang selber überrascht“, sagt Bundespolizist Jens König, der zusammen mit seinem Kollegen Karl-Heinz Nicht in Uniform dabei ist, die Situation am Ende auflöst, den Menschen ihr Gepäck zurück bringt und wertvolle Tipps gibt, um das Gepäck zu schützen. „Das ist wie ein kalter Schauer über den Rücken“, beschreibt der 74-jährige Karlheinz Prade seine Gedanken, als er merkte, dass der Koffer weg ist. „Gott sei Dank ist alles gut gegangen.“ Ziel der Aktion ist es, die Reisenden zu sensibilisieren. Denn zu oft werden Koffer unbeaufsichtigt stehen gelassen und werden eine einfache Beute der Diebe. Und auch die Aufmerksamkeit der Zeugen soll geschärft werden, sagt Jens König.

Almeroth und Göpel sind beileibe keine Profis, wenn es darum geht, andere zu bestehlen. Lediglich in den unregelmäßigen Aktionen wie am Donnerstag in Dresden, testen die beiden ihr „Können“. „Es fällt schon schwer“, so der 45-Jährige Almeroth. Beide würden auch mal Fehler machen, zum Beispiel, wenn man das Gepäck dem falschen Reisenden zuordnet und der eigentliche Besitzer doch aufpasst. Erfolgreich sind sie meist trotzdem.

So zum Beispiel bei der 21 Jahre alten Studentin Ann-Charlotte Gerlach. Auf dem Heimweg nach Annaberg-Buchholz wollte die junge Frau im Bahnhofssupermarkt noch schnell eine Flasche Wasser kaufen, den Beamten reichte das und schon war die Tasche samt Hasenkostüm weg.

Dresden sei zwar bundesweit betrachtet kein Schwerpunkt, trotzdem gebe es im Durchschnitt pro Woche mindestens einen Fall von Gepäckdiebstahl, berichtet die Bundespolizei. Vor allem rund um Feiertage und besonders zu Weihnachten gehe die Kurve nach oben. Schwerpunkt sind vor allem die Eurocity-Fernzüge. In Regional- und S-Bahnen würden Fahrgäste ihr Gepäck enger bei sich behalten oder keins dabei haben.

Ein Problem: Die meisten Anzeigen richten sich gegen Unbekannt. Vor allem beim Diebstahl im Zug sei oft nicht mehr zu ermitteln, wann der Täter überhaupt zuschlug. Und wie Polizistin Tina Göpel berichtet, sind die Aktionen im Zug teilweise noch einfacher. Selbst mit einer weiteren Reisenden, die extra auf die Tasche achten sollte, gelang einmal der „Diebstahl“.

Und die Profis arbeiten mit Tricks, von denen auch die Polizei einige zeigte. So lenkt einer den Reisenden ab, zum Beispiel indem er um Wechselgeld oder Hilfe beim Fahrkartenkauf bittet. In dem Moment, in dem die Tasche unbeaufsichtigt bleibt, schlägt ein Komplize dann zu. „Dabei habe ich das vorhin noch gesehen“, berichtet ein 60-jähriger Berliner, der auf Geschäftsreise nach Leipzig war und auf diesem Weg um seine Tasche mit Handy und Portmonee erleichtert wurde.

Am Donnerstagvormittag gab es nur einen Fall, in dem die Opfer zumindest noch merkten, was passiert. „Halt, der hat meinen Koffer“, stürmte Friederike Mühle in Richtung Polizei. Kurz zuvor hatte Polizist Almeroth einmal mehr zugegriffen. Mühles Ehemann Wolfgram hatte eigentlich beide Koffer in der Hand, zum Bezahlen am Kiosk ließ er jedoch einen los, das reichte. „Ich habe das gar nicht gemerkt“, gestand Friederike Mühle. „Wir haben nur ein Mal nicht genau aufgepasst.“

sl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Dresden
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Dresdner Ordnungsamt. mehr

Die Polizei gibt Tipps, wie sich Mieter und Hausbesitzer besser gegen Einbrecher wappnen können.mehr