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Phantombilderstellerin Ina König im Gespräch: 60 bis 100 Phantombilder werden pro Jahr angefertigt

Phantombilderstellerin Ina König im Gespräch: 60 bis 100 Phantombilder werden pro Jahr angefertigt

Zwischen 60 und 100 Phantombilder pro Jahr werden in der Polizeidirektion (PD) Dresden, Außenstelle Stauffenbergallee, angefertigt und 70 bis 80 Prozent von ihnen veröffentlicht.

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"Zeichnet" das Phantombild nach der Beschreibung des Opfers oder eines Zeugen am Computer: Phantombilderstellerin Ina König.

Quelle: Dietrich Flechtner

In 10 bis 15 Prozent der Fälle erkennen Zeugen Personen wieder. Zu den fünf Mitarbeitern in der PD, die solche Bilder anfertigen, gehört Phantombilderstellerin Ina König (41).

Frage: Warum nennen Sie sich nicht Phantombildzeichnerin wie früher?

Ina König: Weil ich nicht mehr mit Bleistift und Radiergummi zeichne. Ich habe zwar auch einen Handzeichnenkurs mitgemacht, aber ich "erstelle" das Phantomgesicht des mutmaßlichen Täters nach der Beschreibung des Opfers oder eines Zeugen am Computer. Handzeichnungen dauern wesentlich länger.

Was ist aber, wenn sich der Zeuge an andere wichtige Dinge wie Tatoos und Bekleidung des Täters oder an sein Auto erinnern kann?

Dann haben wir noch einen Phantombildzeichner, der tatsächlich eine Handzeichnung nach der Beschreibung anfertigt.

Wieviele Phantombilder "erstellen" Sie so pro Woche?

Das ist ganz verschieden. Mal zwei Wochen lang gar keine. Ich habe aber auch schon an einem Tag gleich vier Bilder abliefern müssen.

In welchen Fällen macht man ein Phantombild, und wann lohnt es sich nicht?

Wir werden vor allem bei schwereren Straftaten angefordert - bei sexuellem Missbrauch zum Beispiel. Und natürlich muss ein Zeuge da sein, der sagt: Ich habe den Mann genau gesehen. Ich kann den beschreiben. Ich lese mir immer die Zeugenaussagen vorher durch und entscheide dann, ob es etwas werden könnte oder nicht. Neulich hat eine ältere Dame gemeint, sie habe den Mann mal kurz vom dritten Stock aus auf dem Hof gesehen. In solchen Fällen muss ich sagen: Ich würde Sie zwar gern mal kennenlernen, aber... Das bringt es nicht.

Wieviel Prozent der Phantombilder werden tatsächlich veröffentlicht?

70 bis 80 Prozent - erst nur intern bei der Polizei, bei Erfolgsaussichten auch öffentlich in der Presse und im Fernsehen zum Beispiel bei "Kripo live" und "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Dazu muss aber eine Verfügung des Staatsanwalts, ein Beschluss des Gerichts vorliegen.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Phantombild "zeichnen"?

Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder ich zeige dem Zeugen sogenannte "Startbilder" am Computer und nehme dann einzelne "Elemente" wie Augenbrauen oder Mund aus den Gesichtern heraus und ersetze sie durch andere. Wir nehmen dann also beispielsweise die Gesichtsform von Startbild Nummer 27, von Nummer 54 die Ohren und von Nummer 105 die Nase - und wechseln so lange, bis der Zeuge sich zu mindestens 80 Prozent sicher ist, dass der mutmaßliche Täter so aussieht wie auf dem Phantombild. Wenn ich merke, dass das nicht funktioniert, gibt es eine zweite Möglichkeit, dann "bauen" wir das Gesicht nach der Tippeltappeltour. Dann frage ich Gesichtsform, Augen, Nase, Mund einzeln ab. Der Computer spuckt uns daraufhin viele Phantombilder aus, die alle auf die Beschreibung passen und aus denen der Zeuge wieder wählen kann.

Handelt es sich bei den Computerbildern um Fotos oder Zeichnungen?

Manchmal sind es Fotos, manchmal auch Zeichnungen. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie, dass hier (deutet auf ein Phantombild) die Nase ein Foto, die Ohren aber gezeichnet sind. Wenn der Zeuge sagt, der Bart müsste noch ein bisschen stärker werden, kann ich den auch noch übers Pad von Hand nachzeichnen.

Wie lange brauchen Sie, bis ein Phantombild fertig ist?

Im Schnitt eine dreiviertel Stunde.

Wie schwer ist es, ein gutes Phantombild hinzubekommen?

Sehr schwer, finde ich. Oft hat der Zeuge den Täter nur sekundenlang gesehen. Außerdem weiß man ja meist erst im Nachhinein, dass der Mann oder auch die Frau etwas Böses getan hat. Anders ist es natürlich, wenn der Täter das Opfer angesprochen oder sogar angefasst hat. Was ein Phantombildersteller braucht, ist vor allem Geduld. Man muss dem Zeugen immer wieder andere Varianten anbieten, darf ihn aber auch nicht beeinflussen. Manchmal guckt mich der Zeuge fragend an. Aber ich weiß ja nicht, wie der Täter ausgesehen hat. Manchmal müssen wir auch abbrechen, das ist auch nicht weiter schlimm.

Was prägt sich den Opfern am ehesten ein?

Die Augen und die Haare. Manchmal der Mund. Oder markante Dinge wie ein kantiges Kinn, Piercings.

Ist es wie beim Memory-Spiel? Erinnern sich Kinder besser als Erwachsene?

Ja, ganz klar. Kinder haben eine Auffassungsgabe, das ist Wahnsinn. Erst neulich hatte ich eine Schulklasse hier. Das Phantombild, das ich nach den Beschreibungen der Kinder von der Klassenlehrerin gemacht habe, sah dem Original verblüffend ähnlich. Und vor kurzem hatte ich einen siebenjährigen Jungen hier, der ist angesprochen worden von einem Mann. Nach einer halben Stunde hatten wir das Bild. Da merkt man, dass Kinder den Kopf noch frei haben.

Was war Ihr interessantester Fall?

Es ging um eine Reihe von Diebstählen in Pirnaer Bekleidungsläden. Als die Geschädigten die Täter beschrieben, fiel mir auf, dass die Beschreibung haargenau auf Personen passen, die in eine andere Sache verwickelt waren. Auch vom zeitlichen Ablauf her. Das fand ich schon mal recht spannend.

Wie sind Sie eigentlich Phantombilderstellerin geworden?

Ich bin gelernte Industriekauffrau, habe viele Jahre bei der Polizei in der Datenstation gearbeitet und mich dann mit der Verkehrsunfallstatistik beschäftigt. Vor zwei Jahren bin ich in die Geschäftsstelle der Kriminaltechnik gewechselt. Seit einem halben Jahr "zeichne" ich Phantombilder.

...aber nicht nur, oder?

Ach wo. Ich muss zum Beispiel Spureneingänge, Gutachten und Untersuchungsberichte vom Landeskriminalamt erfassen, mutmaßliche Täter und Zeugen fotografieren und ihnen Fingerabdrücke abnehmen. Das Phantombildzeichnen ist dann das "Schmeckerchen".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.12.2013

Katrin Richter

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