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Neugeborenes in Decke gewickelt ausgesetzt - Findelkind lag im Diakonissenkrankenhaus

Neugeborenes in Decke gewickelt ausgesetzt - Findelkind lag im Diakonissenkrankenhaus

Einen nur wenige Stunden alten Säugling hat am Mittwochmorgen ein Pfleger im Diakonissenkrankenhaus gefunden. Das Kind war in ein Handtuch und eine Decke gewickelt, sagte gestern Polizeisprecher Thomas Geithner.

Von christoph springer

Dem Jungen gehe es den Umständen entsprechend gut, so Geithner weiter.

Um 5.15 Uhr entdeckte der Pfleger den Neugeborenen. Er lag im Haupthaus nahe dem Personaleingang und war in ein Handtuch mit einem Spongebob-Motiv und eine orangefarbene Decke eingewickelt. Der Junge war "warm eingepackt", sagte gestern Beate Mutzek, die Öffentlichkeitsreferentin des Diakonissenkrankenhauses. "Er wurde bei uns erst einmal untersucht", so Mutzek weiter. Dabei stellten die Ärzte fest, dass der Junge bei bester Gesundheit ist. "Es fehlt ihm nichts", so Mutzek.

Nur seine Eltern, auch wenn er das jetzt vielleicht noch nicht bewusst merkt. "Wir hoffen, dass sie zur Besinnung kommen und sich melden", sagte Geithner. Ob die Aussetzung des Neugeborenen eine Straftat sei, "ist für uns erst mal nachrangig", so der Polizeisprecher. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Lorenz Haase stellte gestern klar, den Eltern könne womöglich eine Aussetzung vorgeworfen werden. Davon ist im Strafgesetzbuch die Rede, wenn eine Person in einer hilflosen Lage im Stich gelassen wird und dabei in Todesgefahr gerät oder schwere Gesundheitsschäden davon trägt. "Die Frage ist, ob das vorliegt", so Haase. Die Eltern hätten das Kind offenbar "vernünftig eingewickelt", und an "einen warmen Platz im Krankenhaus" gebracht. "Die Frage ist, ob das eine hilflose Lage war oder nicht", sagte Haase.

Der Krankenhaussprecherin zufolge lag der Säugling an einer Stelle, an der morgens "normalerweise viel Betrieb ist". Durch die von einer Mauer abgeschirmte Tür einige Meter rechts neben dem Haupteingang der Klinik kommt morgens das Personal zur Arbeit, "zwar nicht 5.15 Uhr, aber etwas später". Der Neugeborene sei sicher "relativ schnell entdeckt" worden.

Der Säugling befindet sich noch in dem Krankenhaus. Die Obhut über den ausgesetzten Jungen hat derzeit das Jugendamt, berichtete Anke Hoffmann, Mitarbeiterin in der Pressestelle des Rathauses. Das Amt vermittelt den Säugling nach dem drei- bis viertägigen Krankenhausaufenthalt in eine Adoptivfamilie. Die Mutter des Jungen habe nun acht Wochen Zeit, ihren Sohn zurückzunehmen, so Hoffmann weiter. Den Kontakt könnten unter anderem die Mitarbeiter des Vereins Kaleb herstellen, der nur wenige hundert Meter entfernt von dem Krankenhaus auch eine sogenannte Babyklappe betreibt. Dort wurden seit 2001 insgesamt 18 Kinder abgelegt. Darüber hinaus erfuhr das Jugendamt in dieser Zeit von elf anonymen Geburten. Einen vergleichbaren Fall einer Kindesaussetzung habe es bisher aber nur ein einziges Mal in Dresden gegeben - Anfang der 1990er Jahre.

Der Verein Kaleb, Bautzner Straße 54, ist über die Rufnummer 0351/801 44 32 zu erreichen. Für Mütter in Notlagen steht die Telefonnummer 01804/23 23 23 zur Verfügung (20 Cent pro Festnetzanruf).

www.kaleb-dresden.de

Die Polizei bittet unter Ruf 483 22 33 um Hinweise zur Mutter des Jungen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.11.2012

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