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Misshandlungsvorwürfe gegen Wachleute in Dresdner Flüchtlingsunterkunft

offenbar Streit vorausgegangen Misshandlungsvorwürfe gegen Wachleute in Dresdner Flüchtlingsunterkunft

Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes sollen am 23. Oktober in einer Flüchtlingsunterkunft in Dresden laut Medieberichten einen Asylbewerber gejagt, getreten und geschlagen haben.

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Quelle: Archiv

Dresden. Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes sollen in einer Flüchtlingsunterkunft an der Hamburger Straße laut Medienberichten einen Asylbewerber gejagt, getreten und geschlagen haben. Die Polizei hatte damals von einem Handgemenge zwischen Flüchtlingen und dem Wachpersonal berichtet, bei dem ein Bewohner und ein Wachmann verletzt worden seien. Nach wie vor liefen dazu Ermittlungen, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner am Mittwoch auf DNN-Anfrage. "Wir haben die Sicherheitsfirma zu einem Personaltausch aufgefordert, der auch sofort vollzogen wurde", so Geithner.

Es lägen zwei wechselseitige Anzeigen wegen Körperverletzung vor. Der Chef der Security-Firma schloss gegenüber der Sächsischen Zeitung aus, dass seine Leute Flüchtlinge schlecht behandeln würden. Der Geschäftsführer der Sicherheitsfirma räumte ein, dass „diese Jagd“ nicht hätte stattfinden dürfen. „Das ist schiefgelaufen und ich distanziere mich davon“, sagte Martin Linnemann auf DNN-Anfrage. Deshalb habe er sich von dem damals eingesetzten Personal getrennt. Allerdings seien Provokationen und eine Morddrohung eines Bewohners sowie ein Angriff des 23 Jahre alten Flüchtlings vorausgegangen, bei dem ein Wachmann mit einem Stein verletzt worden sei.

Lars Werthmann, Krisenmanager beim Deutschen Roten Kreuz, das die Flüchtlinge in der Unterkunft betreut, bezeichnete den Wachdienst nach Medieninformationen als „sehr forsch auftretend“. Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes dürfen seit dem Vorfall nicht mehr allein in die Zimmer der Flüchtlinge. "Insgesamt ist zu konstatieren, dass wir in den mittlerweile 31, durch uns betreuten, Erstaufnahmeeinrichtungen, gut und zumeist in einer verlässlichen Art und Weise mit den Mitarbeitern der Security-Unternehmen zusammenarbeiten. Sollte es zu Verhaltensweisen kommen, die nicht unseren Grundsätzen entsprechen, suchen unsere Mitarbeiter vor Ort das direkte Gespräch. Wenn sich dahingehend keine Besserung einstellt, erstatten wir Meldung an den Betreiber", so DRK-Sprecher Torsten Wieland auf DNN-Anfrage.

Auch die Landesdirektion bestätigt auf DNN-Anfrage den Vorfall. "Der Vorgang wird gegenwärtig durch die Polizei untersucht. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Nach unserem Kenntnisstand wurde ein Wachmann irakischer Nationalität von einem Asylbewerber mit einem Stein angegriffen, niedergestreckt und dabei schwer verletzt. Daraufhin versuchten seine Kollegen den Angreifer zu stellen. Dabei kam es zu Rangeleien zwischen Asylbewerbern und Wachschutz, in dessen Ergebnis auch ein Asylbewerber verletzt wurde", so LDS-Sprecher Ingolf Ulrich. Im Ergebnis hat das im Objekt Hamburger Straße tätige Wachschutzunternehmen die in den Konflikt involvierten 5 Mitarbeiter aus der Erstaufnahmeeinrichtung und aus der Bewachung von Asylbewerbern zurückgezogen, so Ulrich. Dies gelte solange fort, bis der Vorfall restlos aufgeklärt ist.

„Die geschilderten Zustände sind ein handfester Skandal. Wir fordern eine zügige und lückenlose Aufklärung des Vorfalls. Die Landesdirektion und in letzter Instanz der Innenminister müssen ihrer Verantwortung nachkommen. Es kann nicht sein, dass in einer Erstaufnahmeeinrichtung in der Obhut des Freistaates geflüchtete Menschen misshandelt werden“, so Eric Hattke, Sprecher des Netzwerkes „Dresden für Alle“.

Innenministerium und Landesdirektion in der Pflicht sieht Linken-Politikerin Juliane Nagel. "Leider ist dies nicht der erste in letzter Zeit in Sachsen bekannt gewordene Fall. Solche schweren Verstöße gegen die Menschenwürde sind nicht tolerabel. Besonders erschütternd sind gerade derartige Übergriffe deshalb, weil sie sich gegen Menschen richten, die oftmals selbst vor Unmenschlichkeiten geflüchtet sind, die sie traumatisiert haben", so Nagel. Sie fordert Innenministerium und Landesdirektion auf, in diesem Sinne von sich aus stärker aktiv zu werden und darauf hinzuwirken, dass die Rekrutierung von Sicherheitspersonal so erfolgt, dass das Personal nicht selbst zum Sicherheitsproblem wird.

Grünen-Abgeordnete Petra Zais fordert ein Sicherheitskonzept. "Eine Zertifizierung der Firmen ist dringend geboten. Auch der Berufsverband befürwortet dies. Die Sicherheit und der Schutz der Asylsuchenden muss gewährleistet werden. Das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit gilt auch für Asylsuchende."

Albrecht Pallas, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag fordert eine Prüfung der Eignung des Sicherheitspersonal. "Wachleute sind keine Sheriffs! Die jetzt öffentlich gewordenen Vorgänge sind erschütternd. So etwas darf eigentlich nicht passieren“, erklärte Pallas.  „Gut, dass das Sicherheitsunternehmen reagiert hat und sich von den aggressiven Mitarbeitern getrennt hat – das werte ich im Übrigen als Schuldeingeständnis. Ich erwarte eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle. Der Innenminister muss in der nächsten Sitzung des Innenausschusses dazu umfassend berichten.“

Im Innenministerium wird bereits an einer Verschärfung der Anforderungen für den Einsatz von Wachdiensten gearbeitet. Es gehe darum, die in Asylbewerberunterkünften geltenden Maßstäbe weiter zu erhöhen, teilte ein Sprecher mit. Zu den Misshandlungsvorwürfen wollte er sich wegen der noch laufenden polizeilichen Ermittlungen nicht äußern.

jv mit dpa

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