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Kriminelle rauben Friedhöfe aus - mehrere Figuren gestohlen

Kriminelle rauben Friedhöfe aus - mehrere Figuren gestohlen

Gräber geschändet, die Totenruhe gestört, Trauer verletzt: Drei Tage nach dem Diebstahl von Statuen und Gedenktafeln von 13 Dresdner Gräbern finden die Verantwortlichen für die Dresdner Friedhöfe Worte für ihre Gedanken und Gefühle angesichts der Taten.

"Das ist erschreckend, pietätlos und leider eine neue Zuspitzung dieses Phänomens", sagte gestern Mira Körlin, Sprecherin der evangelisch-lutherischen Kirche in Dresden. "Man hört häufig von Metalldiebstahl, in dieser Form gab es das aber noch nie", stellte sie fest. "Dass das auf Friedhöfen stattfindet, ist eine neue Qualität".

Paul Friedrich Pfund gehört zu den Dresdnern, deren Familiengräber betroffen sind. Vom Grab seiner Familie auf dem Trinitatisfriedhof wurde eine 30 bis 40 Kilo schwere Kupferplatte mit den Namen der verstorbenen Vorfahren gestohlen - keine Geringeren als die Gründer des berühmten Milchladens an der Bautzner Straße. "Das ist eine Schande, wo führt das noch hin?", fragt sich Pfund. "Ich habe meine Befürchtungen bestätigt bekommen." Schon vor Monaten hat er überlegt, die Originalgrabplatte durch eine Kopie zu ersetzen. "Ich glaube nicht, dass wir die finanziellen Möglichkeiten haben, die Grabplatte zu ersetzen", bedauert Pfund und denkt auch an die Friedhofsbesucher, die sich aus historischen Gründen für das Grab interessieren. "Da finden Führungen statt", weiß der Nachfahre der Milchladen-Gründer, "vielleicht lassen wir eine einfache Erinnerungstafel anfertigen". Auf einer zusätzlichen Platte am Fuß des Familiengrabs stand der Name des berühmten Vorfahren Paul Gustav Leander Pfund. Auch diese Platte ist weg.

Friedhofsverwalterin Beatrice Teichmann ist davon überzeugt, dass die Täter vorher ausspioniert haben, welche Figuren und Platten sie stehlen. "Das kann jeder machen, auf jedem Friedhof oder auch bei jedem anderen Kunstgut, das in einer Stadt steht", bedauert die Friedhofschefin. Auf dem Trinitatisfriedhof sind die Diebe mit einem Brecheisen zu Werke gegangen, glaubt Teichmann. So gelang es ihnen, mehrere große, fest mit dem Steinsockel verdübelte Figuren loszubekommen. Weit über 100 Kilo könnten die schwer sein, schätzt sie, je nach Beschaffenheit. "Mit genug Leuten ist es möglich, die wegzutragen."

Den bisherigen Ermittlungen der Polizei zufolge haben die Diebe die Figuren wohl wirklich mit Muskelkraft von den Friedhöfen geschleppt oder Transportkarren der Friedhofsverwaltung genutzt. Auf dem Trinitatisfriedhof sei ein Wagen der Verwaltung entladen und nicht wieder am Abstellort geparkt worden, berichtete gestern Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Einbruchsspuren an den Friedhofstoren haben die Ermittler aber vergeblich gesucht.

Die Polizei geht davon aus, dass auf dem Johannstädter und dem Loschwitzer Friedhof dieselben Täter aktiv waren. Eine Sonderkommission wird allerdings nicht für die Untersuchung der Fälle gegründet. "Die Verfahren werden im Einbruchskommissariat der Kriminalpolizei bearbeitet", sagte Ulbricht. Normaler Dienst also trotz der außergewöhlichen Taten. Auch zusätzliche Überwachungsmaßnahmen seien nicht geplant.

Friedhofsverwalterin Teichmann rät indes wie ihr Kollege Robert Arnrich vom städtischen Bestattungswesen zu guten Befestigungen von Grabschmuck. "Man kann einen Fachmann prüfen lassen, wie eine Figur befestigt ist und ob man das vielleicht noch sicherer machen kann", sagte Teichmann. Keine Lösung sei aber, Figuren nun vorsorglich zu demontieren. "Es ist traurig, wenn dieses Kulturgut verschwindet."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2013

Christoph Springer

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