Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Google+
Hofewiese in Langebrück durch Vandalen halb zerstört

Hofewiese in Langebrück durch Vandalen halb zerstört

Der Verein "Erster Sachsenbund" muss den früheren Landgasthof Hofewiese in der Heide räumen. Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Vereins gegen das im Juli 2012 vom Landgericht verfügte Räumungsurteil abgewiesen.

Nach jahrelangem Rechtsstreit sieht sich die Stadt Dresden als Eigentümerin nun als Siegerin. Aber ist sie das wirklich?

Wer die Hofewiese noch als gut gehende Gaststätte kennt und das Gebäudeinnere heute sieht, bekommt Zweifel: Das Haupthaus ist das reinste Trümmerfeld. Seit Ende November 2012 haben sich unbekannte nächtliche Besucher anscheinend das Ziel gesetzt, keinen Raum unzerstört zu lassen.

Der Polizei und dem Liegenschaftsamt ist die Situation bekannt. Dafür hat Norbert Koch, Vorsitzender des "Ersten Sachsenbundes", mit mehreren Anzeigen gesorgt. Doch bisher ohne Erfolg. Weil er sich um den dortigen Container-Imbiss des Verein kümmert, ist er fast täglich auf der Hofewiese. Und fast täglich stößt er auf neue Spuren der Vandalen. Für ihn ein Alptraum.

Verein mühte sich um Haus

2006 hatte der bayrische Unternehmer Georg Kirchberger die Hofewiese von der Stadt Dresden gekauft. Für 22000 Euro, behauptet Koch. Ein Jahr später vereinbarten Kirchberger und Koch, dass sich der Sachsenbund in der Hofewiese einmieten kann. Seitdem habe er sich, so Koch, mit Vereinsmitgliedern und anderen Helfern bemüht, die Hofewiese wieder auf Vordermann zu bringen. "Täglich waren hier bis zu 50 Leute am Arbeiten", erinnert er sich. Der Sachsenbund wollte die Hofewiese zum Alterssitz des kürzlich verstorbenen Wettiner-Prinzen Albert machen.

Doch so hatte sich die Stadt das nicht vorgestellt. Vor Gericht machte sie erfolgreich geltend, dass es entgegen dem Kaufvertrag nicht Kirchberger war, der die Hofewiese renovierte. So fiel der Gasthof an die Stadt zurück.

"Wir hatten das Hauptgebäude gerade instand gesetzt, im Obergeschoss war der Innenausbau abgeschlossen. Im Januar 2008 kam die Bauaufsicht. Sie stoppte den Weiterbau, versiegelte das Gebäude. Der Strom wurde abgestellt. Seit die Stadt wieder Eigentümer ist, wurde nichts mehr kontrolliert, aber verhindert, dass wir etwas instand setzen. Vielmehr hat sie versucht, uns mit allen Mitteln vom Grundstück zu bekommen", schimpft Koch.

Langebrücks Ortsvorsteher Christian Hartmann (CDU), sieht das anders. "Es gab weder ein Sanierungs- noch ein Finanzkonzept. Auf der Hofewiese wurde nur herumgedoktert", sagt er. Koch und Sachsenbund seien als Mieter in der Verantwortung gewesen, für die Sicherheit des Hauses zu sorgen. Von der Polizei könne niemand verlangen, die Hofewiese rund um die Uhr zu bewachen.

Koch sieht Stadt in der Pflicht

Das Ergebnis ist ein Scherbenhaufen, an dem die Stadt Dresden, davon ist Koch überzeugt, Mitschuld trägt. Als Eigentümerin war sie für die Sicherung zuständig, die es nicht gab, sagt er. Auch dafür, dass ein seiner Ansicht nach von Unbekannten gezielt zum Einsturz gebrachtes Anbau-Dach nicht repariert wurde, wodurch das Gebäude problemlos betreten werden kann. Die 2011 bei einer Vorortbesichtigung getroffene Festlegung, dass in den Kellerräumen aller zwei Wochen Grundwasser abzupumpen ist, blieb unerfüllt. Längst steht der Hofewiese das Wasser deshalb buchstäblich bis zum Halse. Koch fürchtet, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Hofewiese einem Brand zum Opfer fällt. Eine Badewanne voller Asche im Obergeschoss zeugt davon, dass es die nächtlichen Besucher gern auch etwas warm haben. "So viel zum Grundsatz ,Eigentum verpflichtet'", sagt der Vereinsvorsitzende.

Der Zettel mit dem vor fünf Jahren von der Bauaufsicht verfügten Umbau-Verbot klebt noch immer an der Wand im Erdgeschoss. Der Maschendrahtzaun des Grundstückes wurde an mehreren Stellen niedergerissen.

Verein will für 1 Euro kaufen

Koch schätzt den bisher von den Vandalen verursachten Schaden am Vereinseigentum auf 100000 Euro. Viele Vereinsmitglieder haben inzwischen resigniert. Koch nicht. Im Gegenteil. Vom Kampf um die Hofewiese könne ihn auch das jüngste Gerichtsurteil nicht abbringen, sagt er und kündigt den Gang zum Bundesgerichtshof an. Außerdem wolle der Sachsenbund selbst Eigentümer der Hofewiese werden. Für einen Euro, denn mehr ist die Hofewiese in ihrem jetzigen Zustand nicht mehr wert, ist Koch überzeugt.

Hartmann hat andere Pläne. "Eine Beschwerde vor dem Bundesgerichtshof hat keine aufschiebende Wirkung. Sobald die Stadt das Gerichtsurteil in den Händen hat, werden wir uns vor Ort ein Bild machen." Ein Wertgutachten soll Klarheit für eine Neuausschreibung des Gebäudekomplexes schaffen. Illusionen hat allerdings auch der Ortsvorsteher nicht. Er kennt das Grundwasserproblem und befürchtet beträchtliche Schäden am Mauerwerk. Er plädiert für eine Neuausschreibung ohne Auflagen. Kein Wort mehr von Gastronomie in der Hofewiese. "Es geht hier nicht um Wünsch-Dir-Was, sondern darum, das historische Gebäudeensemble überhaupt zu erhalten." Hartmann kennt zwei Interessenten - beide seien seriös und finanziell potent. Namen will er nicht nennen. Zumal die Investionskosten darüber entscheiden werden, ob beide ihr Interesse aufrecht erhalten. Koch und seinen Sachsenbund meint Hartmann damit nicht.

Idee: Prinzessin zieht ein

Aber der Vereinsvorsitzende hat die Idee vom Altersitz für die Wettiner noch nicht aufgegeben. Jetzt ist Elmira Prinzessin von Sachsen seine Kandidatin für die Hofewiese. Kochs Plan: Er möchte nun einen Förderverein gründen und unter dem Dach der "Deutschen Denkmalstiftung" eine "Stiftung Hofewiese" ins Leben rufen.

Am Eigenkapital werde es nicht fehlen, ist er mit Verweis auf gut betuchte Vereinsmitglieder zuversichtlich. "Wenn wir zum Zuge kommen, kriegen wir das hin. In einem Jahr haben wir alles wieder in Schuss", fügt Koch hinzu. Deshalb will er nun auch politisch aktiv werden, die Dresdner Stadträte über die aktuelle Situation informieren und den Petitionsausschuss des Sächsischen Landtages einschalten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.01.2013

Bernd Lichtenberger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Dresden
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Dresdner Ordnungsamt. mehr

Die Polizei gibt Tipps, wie sich Mieter und Hausbesitzer besser gegen Einbrecher wappnen können.mehr