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Getöteter Asylbewerber in Dresden starb durch mehrere Messerstiche - 200 Menschen bei Mahnwache

Getöteter Asylbewerber in Dresden starb durch mehrere Messerstiche - 200 Menschen bei Mahnwache

Im Fall des am Dienstagmorgen tot aufgefundenen Flüchtlings Khaled I. geht die Dresdner Polizei inzwischen von einem Verbrechen aus. „Unsere Ermittlungsrichtung ist ein Tötungsdelikt“, bestätigte Polizeipräsident Dieter Kroll am Mittwoch.

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Quelle: Stephan Lohse

Der 20-Jährige war tot im Hinterhof seines Wohnhauses in Dresden-Neuostra aufgefunden worden. Unfall oder Selbstmord würden inzwischen ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft sprach am Abend von mehreren Messerstichen in Hals und Brust.

Die Mordkommission der Dresdner Polizei wurde auf 25 Beamte aufgestockt. Die Ermittlungen konzentrieren sich laut Staatsanwaltschaft auf Befragungen der Mitbewohner des 20-Jährigen. Kriminaltechniker haben die Spurensuche und –sicherung in der Wohnung, am Fundort und in dessen Umfeld aufgenommen. Eine mögliche Tatwaffe konnte bislang nicht sichergestellt werden. Zum Einsatz kommen auch Spezialhunde. Sie werden zur Absuche nach Spuren eingesetzt, um ein Bewegungsbild des 20-Jährigen zu erstellen.

Hinweise zu dem Fall nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Telefonnummer (0351) 483 22 33 entgegen.

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Mit einer Mahnwache und einer anschließenden Demo zum Neujahrsempfang des Ministerpräsienten gedachten am Mittwoch rund 200 Dresdner und Flüchtlinge dem ermordeten Khaled Idris Bahray.

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Am Nachmittag gedachten rund 200 Dresdner und Flüchtlinge mit einer kurzfristig anberaumten Mahnwache dem Toten. Sie versammelten sich zunächst auf dem Jorge-Gomondai-Platz und zogen anschließend gemeinsam zum Albertinum, wo Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) seinen Neujahrsempfang feierte.

Integrationsministerin Köpping im Gespräch mit Teilnehmern der Mahnwache

Statt dem Ministerpräsidenten stellte sich Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) den vor der Tür wartenden Menschen. Köpping sprach den Menschen ihr Beileid und Mitgefühl aus und versprach, dass die Landesregierung alles tun werde, um den Fall aufzuklären. „Wir müssen miteinander reden“, machte sie den anwesenden Flüchtlingen ein Gesprächsangebot. „Ich möchte, dass sie angstfrei in Sachsen leben.“ Genau das ist im Moment nicht der Fall. Mehrere in Dresden lebende Flüchtlinge berichteten von Angst. Vor allem montags traue sich kaum noch einer aus dem Haus. Von manchen Dresdnern schlage ihnen blanker Hass entgegen. Andere Teilnehmer der Mahnwache forderten mehr Schutz für Flüchtlinge. Statt diejenigen einzukesseln, die gegen Pegida demonstrieren, solle die Polizei die Unterkünfte der Asylsuchenden schützen.

Bei der Versammlung am Jorge-Gomondai-Platz sprach unter anderem Ali Moradi vom Sächsischen Flüchtlingsrat. Er forderte die Dresdner dazu auf, am Montag verstärkt Gesicht zu zeigen für ein weltoffenes und buntes Dresden. Victor Vincze, Vorsitzender des Ausländerbeirates der Landeshauptstadt Dresden, forderte ein konsequentes Handeln der Politik. Zugleich rief auch er die Dresdner auf, sich für eine offene Stadt einzusetzen und Flüchtlingen ein angstfreies Leben in Dresden zu ermöglichen.

Dresdens Oberbürgermeisterin und Politiker fordern transparente Aufklärung des Falls

Auch Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) bekundete am Abend ihr Beileid und zeigte sich geschockt. "Die Nachricht, dass gestern ein junger Mann, durch Messerstiche getötet, in Dresden gefunden wurde, hat mich sehr geschockt. Ich glaube, mir geht es wie vielen, dass diese Tat an einem Asylbewerber aus Eritrea, der in unserer Stadt gelebt hat, viele Fragen aufwirft. Ich hoffe sehr, dass Polizei und Staatsanwaltschaft schnell diese Fragen klären können. Wichtig ist es mir auch, dass wir keine Spekulationen in die eine oder andere Richtung abgeben." Aufgabe der Stadt sei es jetzt, sich um die weiteren Asylbewerber, die mit dem Opfer zusammenlebten, zu kümmern. Das Sozialamt sei bereits informiert.

Albrecht Pallas, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, sagte vor Ort: „Wir gehen davon aus, dass die Polizei alles daran setzt, die Umstände des Todes schnell und umfassend aufzuklären. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden des jungen Mannes.“ Er rief gleichzeitig eindringlich zur Besonnenheit auf. „So lange die Todesumstände nicht geklärt sind, sollte es keinerlei Schuldzuweisungen geben. Spekulationen – in welche Richtung auch immer – helfen nicht weiter.“

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In Dresden wurde am Dienstag ein Asylbewerber tot aufgefunden. Die Todesursache ist noch unklar. Am Mittwoch versammelten sich Menschen zu einer Mahnwache.

Quelle: Stephan Lohse

Juliane Nagel, Sprecherin für Flüchtlings- und Migrationspolitik der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, teilte mit: "Den Freunden und Verwandten von Khaled gilt meine tiefste Anteilnahme. Der junge Mann kam nach Deutschland, um hier Zuflucht und Schutz zu finden. Diese Suche endete im Tod. Ich appelliere an die Polizei, den Tod von Khaled zügig aufzuklären und dabei eine mögliche rassistische Tatmotivation sorgfältig zu prüfen", so die Politikerin.

Auch die Grünen äußerten sich zu dem Tod des Asylbewerbers: "Ich bin bestürzt über seinen Tod", so der Dresdner Landtagsabgeordnete Valentin Lippmann, der auch innenpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion ist. "Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und seinen Freunden." Er forderte, dass der Innenminister im Donnerstag tagenden Innenausschuss ausführlich über die bisherigen Erkenntnisse der Polizei berichtet.

dbr/sl

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