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Ermittlungen zum Tod von Khaled I. in Dresden laufen auf Hochtouren - Angst unter Flüchtlingen

Ermittlungen zum Tod von Khaled I. in Dresden laufen auf Hochtouren - Angst unter Flüchtlingen

Knapp drei Tage nach dem gewaltsamen Tod des Asylbewerbers Khaled I. in Dresden Leubnitz laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. „Die ganze Maschinerie, die Staatsanwaltschaft und Polizei zur Verfügung haben, wird aufgeboten“, sagte Staatsanwalt Lorenz Haase am Donnerstag in Dresden.

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Die Plattenbauten an der Johannes-Paul-Thilman-Straße im Stadtteil Dresden-Leubnitz-Neuostra.

Quelle: dpa

Dazu gehöre unter anderem die Auswertung von Videomaterial aus Bussen und Bahnen sowie die Befragung von Zeugen.

Dabei konzentrieren sich die Ermittler derzeit auf die Mitbewohner und Nachbarn des Toten. Hinweise auf Täter, Hintergründe und Umstände des Verbrechens gebe es aber noch nicht, sagte Haase.

Der Asylbewerber aus Eritrea wurde am Dienstagmorgen tot vor seinem Wohnhaus in einer Plattenbausiedlung in Leubnitz-Neuostra gefunden. Laut Staatsanwaltschaft starb der 20-Jährige durch Messerstiche in Hals und Brust. Die Behörde ermittelt wegen Totschlags.

Mahnwache für Khaled I.: Mehr als 200 Dresdner ziehen bis zum Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten:

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Mit einer Mahnwache und einer anschließenden Demo zum Neujahrsempfang des Ministerpräsienten gedachten am Mittwoch rund 200 Dresdner und Flüchtlinge dem ermordeten Khaled Idris Bahray.

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Das Vorgehen der Polizei wirft allerdings Fragen auf: Am Dienstag hatten die Beamten noch mitgeteilt, es gebe keine Anzeichen für eine Straftat. Erst die Obduktion ergab, dass Khaled I. durch Stiche in den Hals- und Brustbereich starb. Stiche, die die Beamten am Dienstagmorgen übersehen hatten? Wie die Grünen-Fraktion im Landtag mitteilte, räumte die Dresdner Polizei am Donnerstag im Innenausschuss des Landtages Fehler ein. Grund dafür sei die Auffindesituation des Toten gewesen.

Bundestagsabgeordneter stellt Strafanzeige

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck erstattete daraufhin Strafanzeige gegen Unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt. Der innenpolitische Sprecher seiner Fraktion kritisiert darin unter anderem, dass die Spurensicherung erst 30 Stunden nach dem Auffinden der Leiche anrückte. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten damit die Strafverfolgung verzögert, wenn nicht gar vereitelt.

„Erst nach der Obduktion des Opfers räumt die Polizei ein Fremdverschulden ein und schickt erst 30 Stunden nach der Tat die Spurensicherung an den vermeintlichen Tatort“, sagte Beck. „Dies wirkt dilettantisch.“ Ihm fehle jedes Verständnis für das nachlässige Vorgehen der Ermittlungsbehörden. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) kritisierte das Vorgehen des Grünen-Politikers: „Strafanzeigen aus der Politik helfen keinen Deut bei der Aufklärung, Zurückhaltung und Respekt vor der Ermittlungsarbeit aber schon.“

Trauer und Angst bei Flüchtlingen

Bereits vor der Tat soll es Vorfälle rund um die Plattenbau-Wohnung gegeben haben, in der Khaled I. mit anderen Flüchtlingen lebte. In der vergangenen Woche habe ein Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt Sachsen (Awo), die für die Betreuung der Männer verantwortlich ist, von Tritten gegen die Wohnungstür der Asylbewerber sowie von Hakenkreuz-Schmierereien im Hausflur berichtet. „Flüchtlinge in dieser Stadt haben Angst“, erklärte eine Awo-Sprecherin.

Andrea Hübler von der Opferberatungsstelle Dresden der Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen e.V. (RAA) hat den Eindruck, dass rassistische Angriffe in Dresden in den vergangenen Monaten zugenommen haben. Ihre Wahrnehmung speist sich aus Berichten von Opfern, die in die Beratungsstelle kommen oder an anderen Orten davon erzählen. „Alle sagen zur Zeit, dass sie auf der Straße aggressiv angeschaut, angepöbelt, bespuckt oder bedroht werden, und dass sie das Gefühl haben, dass das in den vergangenen Monaten mehr geworden ist – und das bringen sie sehr wohl mit Pegida in Verbindung“, so Hübler.

Von solchen Angriffen seien sowohl Asylbewerber betroffen als auch Migranten, die schon jahrelang in Dresden leben. Nicht alle Opfer würden die Straftat bei der Polizei anzeigen, von einigen Taten erführen die Opferberater auch erst mit deutlichem Zeitverzug. Allerdings könne der Verein seinen Eindruck noch nicht mit Zahlen belegen, weil die entsprechende Statistik erst Ende des Monats fertig werde. In dieser Zusammenstellung erfasst der RAA Sachsen ausschließlich Gewaltdelikte, also beispielsweise Körperverletzung, Nötigung und Mord.

Trauer in Berlin – Demo-Ankündigung in Dresden

In Berlin haben am Donnerstag mehrere Menschen des getöteten Asylbewerbers aus Dresden gedacht. Bis zum Nachmittag legten etwa 40 Menschen an der sächsischen Landesvertretung Blumen nieder und stellten Kerzen auf, wie eine Sprecherin mitteilte. In Dresden ist nach einer spontanen Mahnwache am Dienstagnachmittag mit mehr als 200 Teilnehmern nun für Samstagnachmittag eine Demonstration in Gedenken an den Ermordeten angekündigt.

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dpa / sl / ttr

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