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Drei Jahre „Soko KFZ“: Weniger Autodiebstähle in Dresden

Eine Bilanz Drei Jahre „Soko KFZ“: Weniger Autodiebstähle in Dresden

Seit November 2013 bündelt das Landeskriminalamt Kräfte und Ermittler in der sogenannten „Soko KFZ“. Gemeinsam mit den DNN zog Kriminalhauptkommissarin Heike Göhler nach drei Jahren Arbeit der Einsatzgruppe eine Bilanz und gab Einblick in aktuelle Zahlen, Diebstahlmethoden und Erkenntnisse.

Anfang April 2014 fanden die Ermittler in einem Steinbruch nahe Usti nad Labem eine Vielzahl geklauter Autoteile.
 

Quelle: LKA

Dresden.  Im Sommer 2013 entschieden sich die fünf sächsischen Polizeipräsidenten gemeinsam mit dem Präsidenten des LKA für eine Gründung der neuen Sonderkommission für geklaute Fahrzeuge, da dieser Tatbestand seit langem einen Schwerpunkt in der Kriminalität des Freistaates ausmacht. Ziel der Soko ist es, die seit der wegfallenden Grenzkontrollen zu Tschechien und Polen 2007 gestiegenen Autodiebstähle einzudämmen und gezielt gegen Banden und organisierte Kriminalität vorzugehen.

Insgesamt arbeiten 47 Ermittler bei der „Soko KFZ“. Auch grenzübergreifend wird mit Kollegen aus Polen und Tschechien zusammengearbeitet. Seit dem die Sondereinheit im November 2013 die Arbeit aufnahm, sank die Zahl der gestohlenen KFZ auch in der Landeshauptstadt deutlich und die Aufklärungsquote der Verbrechen steigt stetig.

Wie viele KFZ werden in Dresden gestohlen?

Als KFZ bezeichnen die Kriminalisten Autos, LKW, Transporter und Arbeitsmaschinen, wobei die Zahl der letzteren vergleichsweise gering ausfällt. Das LKA zählt sowohl die tatsächlichen Diebstähle als auch die Diebstahlversuche und fasst sie unter dem Begriff „Gesamtangriffe“ zusammen. Die Zahl dieser Gesamtangriffe sank von 2012 bis 2015 von 1120 auf 600. Für 2016 stehen bis einschließlich Oktober 425 Gesamtangriffe zu Buche. Die Anzahl der tatsächlich geklauten Fahrzeuge sank von 719 (2012) auf 411 (2015). Aktuell meldet das LKA 301 Diebstähle für dieses Jahr bis einschließlich Oktober.

Nelli Rühle (l) leitet die Soko Kfz

Nelli Rühle (l.) leitet die Soko Kfz. Trotz der verbesserten Zahlen in Sachen Autodiebstahl, liegt Dresden nach Angaben von Kriminalhauptkommissarin Heike Göhler im bundesweiten Vergleich im oberen Drittel – wegen der Grenzlage zu Tschechien und Polen.

Quelle: Anja Schneider

„Sowohl die Zahl der Gesamtangriffe als auch die Zahl der Diebstähle haben sich seit 2012 halbiert“, fasst Heike Göhler zusammen. Im bundesweiten Vergleich ist Dresden dennoch im oberen Drittel anzusiedeln. Das liege laut Göhler vor allem an der Grenzlage zu Tschechien und Polen und den entsprechend kurzen Transportwegen für geklaute Fahrzeuge.

Die Zahlen in Leipzig (358 Diebstähle 2016 bis einschließlich Oktober) sind ähnlich hoch wie in Dresden. Zum Vergleich: In Chemnitz wurden im gleichen Zeitraum nur 78 Fahrzeuge als gestohlen gemeldet. Die Quote der wiedergefundenen Autos beziehungsweise aufgeklärten Fälle stieg sachsenweit von 21 Prozent im Jahr 2012 auf 29 Prozent im Jahr 2015.

Welche Marken und Autos sind besonders beliebt?

Volkswagen und Skoda führen die Rangliste seit Jahren an. In Dresden ist aktuell jedes zweite geklaute Auto ein VW, das am häufigsten geklaute Modell ist aber der Skoda Octavia. Auch hier sehen die LKA-Ermittler den Grund in der Nähe zur Tschechei, da Autoteile von Skoda und VW untereinander kompatibel sind und beide Marken auch im Nachbarland zu den meist gefahrenen gehören. Doch auch Marken wie Audi, BMW, Seat, Ford und Toyota stehen in Dresden stark im Fokus der Diebe.

Das LKA geht bei geklauten höherwertigen Fahrzeugen in der Landeshauptstadt fast ausschließlich von sogenannter „Internationaler KFZ-Verschiebung“, also organisierter Kriminalität aus. „Es handelt sich dabei größtenteils um Auftragsdiebstähle“, so Kriminalistin Göhler. Es gäbe sogar regelrechte „Bestellungs-Wellen“. So würden beispielsweise innerhalb weniger Tage gezielt einzelne Modelle geklaut. Eine Besonderheit stellt zudem Mercedes dar. Hier werden in Dresden fast ausschließlich Sprinter gestohlen, schon 13 Fahrzeuge in diesem Jahr.

Wie werden die Autos geklaut?

In der Regel werden die Fahrzeuge nachts gestohlen. Der Diebstahl selbst sei laut Göhler immer von zwei Fragestellungen abhängig. „Wie komme ich in das Fahrzeug rein und wie kann ich es starten?“. Der Zugang zum Fahrzeug erfolgt meistens noch mechanisch, also durch das Einschlagen von Seitenscheiben, Türstechen, Schlossstechen oder das Heraushebeln von Heckklappenschlössern. Doch die Diebe setzen auch moderne, digitale Methoden ein. So gibt es beispielsweise Funkblocker, sogenannte „Jammer“. Dabei sitzt der Dieb in unmittelbarer Nähe zum Auto und verhindert mit dem Gerät das Schließen des Fahrzeuges über die Funkfernbedienung. Später steigen die Kriminellen dann einfach in das Fahrzeug ein.

Viele Luxuswagen und moderne Autos verfügen seit einigen Jahren auch über das sogenannte „Keyless Go“, also Öffnen und Starten des Fahrzeuges, während der Schlüssel nur am Mann getragen wird. Spezielle Funkwellen lassen das Auto erkennen, wenn sich der Besitzer nähert. „Funkwellen-Verlängerer erlauben es den Dieben, die Autos zu öffnen, während der Schlüssel beispielsweise im Haus des Besitzers auf der Kommode liegt oder im Schlüsselkasten hängt“, so Göhler. Die Frequenzen der großen Hersteller seien längst bekannt und entsprechende Geräte gäbe es in jedem Elektronik-Geschäft.

Sind die Diebe einmal im Auto, können sie meist unbehelligt versuchen, mit spezieller Technik die Fahrzeugelektronik zu manipulieren und das Auto anzulassen. Haben die Diebe das Auto erfolgreich gestohlen, bringen sie es in der Regel nur wenige Kilometer weit weg zu einem Treffpunkt und warten auf einen Kurierfahrer.

Wie sind die Banden organisiert?

Das LKA hat laut Göhler in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass die international tätigen Banden meist aus Auftraggeber, Fahrzeugdieb, Fahrzeugkurier, Zerleger und Hehler bestehen. Über die Auftraggeber ist nur wenig bekannt. Vermutlich sitzen sie vorwiegend im osteuropäischen Ausland. Nur in den seltensten Fällen gelingt es den Polizeikräften vor Ort, einen der Hintermänner zu schnappen.

Direkt vor Ort verrichten die Fahrezugdiebe ihr Werk. Es kommt sogar vor, dass sie in Deutschland leben, entweder unter falschem Namen oder in Wohnungen, die von Strohmännern angemietet werden. Auch sie sind in der Regel unauffällig und werden nur selten geschnappt. „Das größte Risiko tragen die Kurierfahrer, die sind meist am schlechtesten dran und werden häufiger erwischt“, so Göhler. Die Kurierfahrer werden teilweise mit dem Zug über die Grenze gebracht und holen die Autos am Treffpunkt ab.

Sie bringen die Fahrzeuge dann entweder direkt zum Auftraggeber oder in eine Zerlegewerkstatt. Die Hehler sind für den Vertrieb der Autos beziehungsweise der Autoteile zuständig und besitzen in der regel ein ausgefeiltes Netzwerk, um das Diebesgut zügig zu verkaufen.

Was passiert mit den geklauten Autos?

 „Wir gehen davon aus, das der größte Teil der Autos zerlegt wird“, so Göhler. In den Werkstätten würden die Zerleger meist nicht länger als 24 Stunden für ein Fahrzeug benötigen, um es in alle Einzelteile zu zerlegen. „Bleiben die Fahrzeuge ganz, werden sie meist weiter nach Osten gebracht und dort verkauft.“

Auch das sogenannte „Schrottfrisieren“ sei eine gängige Methode. Dabei werden die Fahrzeugbriefe von längst verschrotteten Unfallwagen benutzt und die geklauten Autos an die Identität der Schrottautos angepasst. Diese Fahrzeuge könnten dann sogar wieder in Deutschland verkauft werden, ohne dass Polizisten oder Autohändler etwas davon mitbekommen.

Von Sebastian Burkhardt

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