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Amtsgericht Dresden: Verhandlung und Entschuldigung nach 22 Jahren

Überfall auf Lederwarengeschäft Amtsgericht Dresden: Verhandlung und Entschuldigung nach 22 Jahren

„Ich war wie versteinert. Da standen drei maskierte Männer im Laden, ich konnte nur die Augen sehen, und die hielten mir eine Pistole an den Kopf“, erzählt Rita W. Die 77-Jährige ist noch heute, über 22 Jahre nach der Tat, psychisch angeschlagen.

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Said B. räumte den Überfall am Mittwoch im Amtsgericht ein.

Quelle: dpa

Dresden. „Ich war wie versteinert. Da standen drei maskierte Männer im Laden, ich konnte nur die Augen sehen, und die hielten mir eine Pistole an den Kopf“, erzählt Rita W. Die 77-Jährige ist noch heute, über 22 Jahre nach der Tat, psychisch angeschlagen. Am 13. Januar 1994 half die Freiberger Verkäuferin in einer Filiale der Sächsischen Lederhandels-GmbH auf der St. Petersburger Straße aus. Sie war allein im Geschäft als kurz vor Ladenschluss gegen 17.40 Uhr drei Männer das Geschäft stürmten, sie mit einer Pistole bedrohten, fesselten, ihr den Mund verklebten und die damals 58-Jährige in einem Büro einschlossen. Sie nahmen ihr 100 DM aus der Geldbörse, plünderten die Geschäftskasse, stahlen Lederwaren für 6500 DM und verschwanden von der Bildfläche. Zurück blieb eine traumatisierte Verkäuferin. „Ich war völlig fertig. 14 Tage nach der Tat fuhr in einer dunklen Straße ein Radfahrer hinter mir her. Er hatte einen verbundenen Kopf und kam sicher vom Arzt. Aber ich habe laut geschrien: , Nein , nicht schon wieder!“

Die Täter waren wie vom Erdboden verschwunden, die Polizei verfügte damals noch nicht über die heutigen Möglichkeiten der Spurensicherung. 2013 gab es dann bei einer DNA-Auswertung einen Treffer. Die Spur führte zu Said B., der einer der Täter gewesen sein soll. Der Algerier lebte inzwischen in Frankreich, wo der 45-Jährige ein Lebensmittelgeschäft betreibt. Die Staatsanwaltschaft erließ einen Haftbefehl und klagte den Mann wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes an. Gerade noch rechtzeitig. 14 Tage später wäre die Tat verjährt gewesen. Die Verjährungszeit beträgt 20 Jahre Durch den Haftbefehl und die Anklage wurde die Verjährungszeit allerdings unterbrochen.

Said B. räumte den Überfall am Mittwoch im Amtsgericht ein. Er sei noch sehr jung gewesen und habe mit den beiden älteren Männern einfach mitgemacht. Er entschuldigte sich bei Rita W. und zahlt ihr 500 Euro Schmerzensgeld. Zudem nannte er den Namen eines Mittäters, der bisher unbekannt war. Für den ist die Sache allerdings verjährt. Der dritte Täter wird per internationalem Haftbefehl gesucht.

Said B. kam übrigens freiwillig aus Frankreich angereist. Kein Kunststück, sein Verteidiger Endrik Wilhelm und die Staatsanwaltschaft hatten sich schon im Vorfeld auf einer Strafe von zwei Jahren geeinigt, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Dem folgte auch Richter Thomas Hassel. Er rechnete dem Angeklagten die lange Zeit, dessen Geständnis, die freiwillige Anreise und den Täter-Opfer-Ausgleich positiv an. Der 45-Jährige fuhr nach der Verhandlung zurück nach Frankreich, Rita W. wieder nach Freiberg. „Ich habe noch immer Angst Ich kann es nicht ertragen, wenn jemand hinter mir läuft. Ich bleibe stehen und lasse ihn vorbei.“

 

Von Monika Löffler

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