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Zwischenspurt vorm Zielanflug für Elbe-Flugzeugwerke Dresden

Zwischenspurt vorm Zielanflug für Elbe-Flugzeugwerke Dresden

Mit 60 Metern sind sie so lang wie ihre Flügel breit sind, und mit fast 18 Metern erreichen sie auch eine stolze Höhe: Die seit Anfang der 1990er Jahre gebauten Langstreckenflugzeuge der Airbusgruppe A330 nehmen sich neben den Vorgängern A300 und A320 recht majestätisch aus.

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Auf ihrer Website werben die Elbe Flugzeugwerke (EFW) Dresden mit ihrer Kompetenz als Umrüster von Passagier-Flugzeugen zu Frachtern. Doch die A300, die bis zum vergangenen Jahr umgerüstet wurden, verschwinden allmählich vom Himmel. Das neue Projekt, der Umbau der Langstreckenflieger A330, soll 2016 anlaufen. Die Vorbereitung stemmen die EFW gemeinsam mit dem neuen Gesellschafter ST Aerospace aus Singapur - ein weltweit agierender Konzern, der vor allem bei der Wartung von Flugzeugen einen Namen

Quelle: EFW

Zumal in engen Hallen aus den 1950er Jahren, umgeben von Leitern und Gerüsten. Die Elbe Flugzeugwerke im Dresdner Norden - wo bis zum vergangenen Jahr noch Airbusse der A300-Gruppe zu Frachtmaschinen umgebaut wurden - haben derzeit lediglich zwei Stellplätze, an denen sie die größeren Maschinen parken und warten können. Das wird sich in naher Zukunft ändern. Denn Ende 2016 soll das neue Umrüstprogramm anlaufen, um aus den tausendfach verkauften A330-Passagiermaschinen Frachtflieger zu machen. Dann muss eine Halle her, in der an drei A330 gleichzeitig gearbeitet werden kann. Und dieses Millionenprojekt ist gerade in Planung.

Das A330-Projekt: Bei der jüngsten Airshow in Singapur haben sie sich mal wieder alle zum Rapport getroffen. Ergebnis: Wir sind im Zeitplan. "Das ist nicht selbstverständlich für so ein millionenschweres Projekt", sagt EFW-Chef Andreas Sperl. Vor zwei Jahren war mit ST Aerospace aus Singapur einer der Großen im weltweiten Wartungsgeschäft bei den EFW eingestiegen. Für die 35 Prozent der Anteile stemmen die Singapuri die Entwicklungsarbeit für das Umrüstprojekt A330. Das soll an der Elbe Arbeit für Jahrzehnte sichern, denn immerhin hat die Umrüstung von Passagiermaschinen zu Frachtern allein bei der ausgelaufenen A300-Reihe fast 35 Jahre getragen.

Inzwischen seien alle notwendigen Daten über Dresden nach Fernost gegangen. "Die wesentlichen Meilensteine sind fertig", sagt Sperl zum Stand der Entwicklungsarbeit. Wenn die dereinst abgeschlossen und das Frachtflugzeug zertifiziert ist, sollen alle Rechte auf die EFW übergehen. Dann wird die Vermarktungsmaschine angeworfen.

Doch eigentlich läuft sie längst. Im August dieses Jahres nämlich entscheidet sich schon, welcher Kunde den Prototyp erhalten wird. Drei Airlines konkurrieren um den Zuschlag. Desinteresse sieht anders aus.

Die Komponentenfertigung: Allerdings: Der Prototyp rollt nicht vor Ende 2016 aus der Halle. Und bis dahin muss EFW für seine gut 1100 Fachkräfte Arbeit beschaffen. Andreas Sperl ist zuversichtlich, dass das gelingt. Denn vorgebaut wurde kräftig. Schon seit ein paar Jahren reüssieren die Dresdner in der Airbus-Familie als Zulieferer von Fußboden- und Kabinenteilen. Für das neue Flaggschiff, den A350, wurden die Fußböden sogar in Dresden entwickelt. "Das wollen wir ausbauen", sagt Sperl, und kündigt an, dass die dafür geplante Fabrik im Sommer startet. Fünf Millionen Euro fließen in VAP-Anlagen (VAP=vacuum assisted process), auf denen ultraleichte dreidimensionale Flugzeugkomponenten entstehen sollen.

Parallel dazu fährt die Montage in Kodersdorf hoch. Dort haben die EFW in unmittelbarer Autobahnnähe eine moderne Halle gemietet, eine Tochter namens CCI-Assembly gegründet und inzwischen 20 Leute eingestellt - allesamt aus der strukturschwachen Lausitz. Im Sommer sollen es 70 sein. Sie geben den Komponenten für die A330, A380 und die A350 den letzten Schliff, entgraten, isolieren, setzten Dichtungen, ehe alles zur Kontrolle zurück nach Dresden und dann weiter zur Endmontage nach Hamburg oder Toulouse oder Saint-Nazaire geht.

Das Wartungsgeschäft: Das Hauptaugenmerk aber legen die Dresdner zur Zeit auf das Wartungsgeschäft. Das entpuppt sich für den Neuling als Herausforderung. Denn während bisher Umrüstung oder Komponenten-Fertigung absolut planbar waren, stehen nun von jetzt auf gleich Kunden in der Tür, die ihre Flugzeuge abgeben und so schnell wie möglich in Bestform wiederhaben wollen. "Wir sind ein Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und ST Aerospace - das ist schon fast wie ein Gütesiegel", so Sperl. Doch natürlich müssen die Dresdner auch halten, was die großen Namen versprechen. "Flexibilität, Schnelligkeit und Qualität" - heißen die Schlagworte, mit denen das Geschäft vorangetrieben wird. Das ist auch für die Belegschaft eine riesige Umstellung. Denn plötzlich müssen mal Wochenenden durchgearbeitet werden, sind drei statt zwei Schichten nötig. Sperl will nd muss seine Mannschaft motivieren für das neue Standbein, bei dem alle noch in der Lernphase sind. Doch schon im nächsten Jahr soll es 50 Prozent des Umsatzes bringen und EFW langfristig unabhängiger machen von Großinvestitionen, wie es millionenschwere Umrüstaufträge nun mal sind.

Namhafte Kunden fliegen inzwischen auf Dresden - darunter Finnair, Qatar, Air Berlin. Auch DHL hat neun Aufträge zur Wartung seiner Frachtflieger nach Dresden vergeben. Die reichen bis September dieses Jahres. Dann kommt auch der letzte von neun A380 in Dresden an, um seine Flügel von Haarrissen befreien zu lassen. "Wir haben uns im Konzern um Restaufträge bemüht", sagt Sperl, doch die Garantieleistungen sind wohl inzwischen alle vergeben.

Schützenhilfe aus China? Noch ein Eisen aber hat Sperl im Feuer, um die Zeit bis zum A330-Projekt ohne Umsatzeinbrüche zu überstehen: "Wenn alles gut läuft, unterschreibt Ende März eine chinesische Airline einen Auftrag für vier A300-Maschinen, die wir zu Frachtern umbauen". Damit würden die EFW zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie könnten die alte Umrüststrecke noch einmal für gut ein Jahr hochfahren und dann allmählich hinübergleiten in den neuen A330-Umbau.

Die Millionen-Halle: Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Seit die Elbe Flugzeugwerke (EFW) zu 35 Prozent auch ST Aerospace gehören, werden die Gewinne in Dresden versteuert - bei einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro könnte das sowohl den Dresdner Kämmerer als auch den sächsischen Finanzminister freuen und vielleicht ein Grund sein, die Investitionspläne wohlwollend zu befördern. Derzeit liegen die Bauanträge für die neue Halle auf dem Werftgelände bei der Stadt. Die Kosten für das mindestens 80 Meter lange und gut 280 Meter breite Bauwerk haben es in sich - Sperl wird wohl alles an Förderung ausschöpfen müssen, was er bekommen kann, um die Millioneninvestition zu stemmen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.03.2014

Barbara Stock

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