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Zwischen Latein und modernen Sünden - Katholiken im Bistum Dresden-Meißen bekommen am Sonntag ihr neues "Gotteslob"

Zwischen Latein und modernen Sünden - Katholiken im Bistum Dresden-Meißen bekommen am Sonntag ihr neues "Gotteslob"

In den meisten deutschen Bistümern ist das "Gotteslob" am 1. Advent 2013 eingeführt worden - so wie ursprünglich geplant. Die Katholiken im Bistum Dresden-Meißen mussten wie im gesamten Osten Deutschlands etwas länger warten.

An diesem Sonntag nun halten auch sie zum ersten Mal das neue katholische Gesangbuch in Händen.

Warum brauchen die deutschen Katholiken ein neues "Gotteslob"?

Das alte "Gotteslob" stammt von 1975. "In dieser Zeitspanne haben sich die Sprache, das ästhetische Empfinden, die Lebenswirklichkeit und die Ausdrucksgestalt des Glaubens verändert", sagt Heiner Koch, Bischof des Bistums Dresden-Meißen. Viele neue Lieder sind entstanden. Manch ältere, dort nicht enthaltene werden wieder gesungen. Die wurden dann in Anhängen in das Buch eingeklebt. Zudem haben die evangelische Kirche in Deutschland, evangelische Freikirchen und die katholische Kirche in der Schweiz in den letzten zehn Jahren neue Gesangbücher herausgebracht.

Wer hat es zusammengestellt?

Herausgeber sind die Bischöfe Deutschlands und Österreichs sowie der Bischof von Bozen-Brixen. Diese hatten mehr als hundert Experten beauftragt. Aus etwa 2900 Liedern haben sie 280 ausgewählt. Dabei haben sie auch in evangelisch-lutherische, evangelisch-reformierte und freikirchliche Gesangbücher geschaut, sogar in alt-katholische, wie der katholische Theologe und Literaturwissenschaftler Hermann Kurzke (Mainz) zu berichten weiß. Entstanden sind 24 verschiedene Ausgaben für 38 Bistümer. Die Gesamtauflage liegt bei mehr als dreieinhalb Millionen.

Wie lange hat das gedauert?

2001 haben die Herausgeber begonnen. Länger als geplant, fast ein Jahr, dauerte es, bis der Vatikan zustimmte. Um einige Lieder des ehemaligen holländischen Jesuiten Huub Oosterhuis gab es Diskussionen. Der Vatikan soll gefordert haben, sie zu entfernen. Der Zustimmung Roms bedürfen aber nur liturgische Gesänge. Die deutschen Bischöfe sprachen den Oosterhuis-Liedern den liturgischen Charakter ab und sie konnten drin bleiben. Katholische Geschmeidigkeit.

Warum gab es unter anderem im Bistum Dresden-Meißen Verzögerungen?

Damit das "Gotteslob" mit seinen rund 1200 Seiten nicht zu dick gerät, hat man es auf sehr dünnem Spezialpapier gedruckt. Die beauftragte Druckerei C.H. Beck in Nördlingen verwendete für ein knappes Drittel der Seiten anderes Dünndruckpapier. Auf dem schien die Schrift von der Rückseite durch. Die Bistümer forderten, auf besserem Papier neu zu drucken. Das brauchte Zeit.

Was ist anders in der neuen Ausgabe?

Im Format ist es etwas breiter und höher; erstmals gibt es Bilder und Grafiken. Von den 280 Liedern im allgemeinen Teil sind 136 neu. Der Mainzer Liturgiewissenschaftler Ansgar Franz, Berater bei der Konzeption, hält das für einen "relativ großen Innovationsschub". Alte Gesänge, Marienlieder etwa, waren in der Ausgabe 1975 nach den Veränderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils entfernt worden oder wurden umgeschrieben. Ansgar Franz bezeichnet das neue "Gotteslob" deshalb als "weitherziger". Es ist auch etwas populärer. Man findet Volkslieder darin wie "Maria durch ein Dornwald ging", "Der Mond ist aufgegangen" oder "Ihr Kinderlein kommet". Hinzugekommen sind sehr viele Lieder aus der evangelischen Tradition. Fast 200 der insgesamt 286 Lieder des Stammteils sind ökumenisch, also in verschiedenen Konfessionen gebräuchlich. Die Eigenheiten der Regionen haben größeres Gewicht mit eigenen Liedern.

Welche regionalen Besonderheiten gibt es für das Bistum Dresden-Meißen?

Es gibt einen Regionalteil für den Osten Deutschlands, also für das Erzbistum Berlin, die Bistümer Magdeburg, Erfurt, Dresden-Meißen und Görlitz - etwa 200 Seiten mit rund 160 Liedern, Gesängen und Gebeten.

Darunter finden sich Lieder für regionale Heilige, so für Elisabeth von Thüringen, Gertrud von Helfta, die in Berlin verehrte Hedwig und auch zwei Lieder für St. Benno, den Bistumspatron von Dresden-Meißen.

Wo soll das "Gotteslob" benutzt werden?

Bezeichnet wird es als "Gebet- und Gesangbuch". Aber es ist noch mehr. Hermann Kurzke nennt es "ein Haus- und Lebensbuch für das Katholischsein überhaupt". Gegliedert ist es in drei große Teile: 1. Das persönliche Gebet und das Beten in der Familie, 2. Gesänge, Psalmen, Rufe, 3. liturgische Feiern. Es enthält nicht nur die Grundgebete und Bekenntnisse, sondern auch Riten für die Familie, zum Beispiel für den Weihnachtsabend. Die katholische Kirche erkennt damit an, dass Glaube nicht mehr allein in der Kirche praktiziert wird.

Ist das "Gotteslob" zeitgemäß?

Rund 70, also etwa die Hälfte der neu aufgenommenen Lieder, stammen aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Besonders im Gebetsteil kommen heutige Lebenswelt und Sprache vor. Bei den Gewissenserforschungen für das Bußsakrament zum Beispiel findet man moderne Sünden wie Mobbing, Drogen oder Computerspielsucht. Natürlich sind die Texte der Liturgie die der alten, überlieferten Tradition. Da findet sich naturgemäß relativ viel Latein - zweisprachig abgedruckte Messgesänge, Hymnen wie "Veni creator spiritus" oder Lieder wie "Adeste fideles".

Ausgaben: Deutsche Bischofskonferenz (Hg.): Gotteslob. St. Benno Verlag Leipzig. 1200 S., von Basis-Ausstattung 19,95 Euro bis Premium-Ausstattung 34,95 Euro, auch Großdruck

Lieder: 280 im Stammteil, 144 aus dem alten Gotteslob, 136 Lieder neu aufgenommen; etwa 20 Taizé-Gesänge; 145 ökumenische Lieder (mit "ö" gekennzeichnet), von denen 90 im evangelischen Gesangbuch enthalten

Ausstattung: über 20 Bilder und Grafiken

Auflage: 3,6 Millionen; dafür wurden etwa 80 Lkw-Ladungen Dünndruckpapier (rund 300 Tonnen) gebraucht

Umfang: 960 Seiten Stammteil, 240 Seiten spezieller Bistums-Teil

Format: Standardausgabe 11,2 x 17,0 cm, Großdruckausgabe 13,2 x 19,8 cm

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.03.2014

Tomas Gärtner

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