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Zwingerbauhütte schützt Dresdner Juwel seit 25 Jahren

Barock und moderne Technik Zwingerbauhütte schützt Dresdner Juwel seit 25 Jahren

Seit 1991 hat der Freistaat Sachsen rund 65,4 Millionen Euro in die Erhaltung des berühmten Dresdner Zwingers investiert. Das barocke Bauwerk von europäischem Rang wird seit einem Vierteljahrhundert wieder von einer eigenen Werkstatt betreut. Nun feiert die Zwingerbauhütte 25. Geburtstag.

Quelle: Archiv

Dresden. Das Maul reißt er schon auf, der Sandstein-Delfin für das Nymphenbad im Dresdner Zwinger. Die Kinnpartie indes braucht noch Kontur. „Da muss viel weg“, sagt Hans-Christoph Pampel und setzt den Meißel an der mächtigen Tierskulptur in der Zwingerbauhütte an. Ein Abguss des Originals, von dem der Steinbildhauer mit einem Punktiergerät die richtige Form auf die Kopie überträgt, zeugt noch von einem erheblichen Stück Arbeit. Erst wenn der Fisch detailgetreu dem historischen Vorbild entspricht, wird er ausgetauscht. „Der Besucher merkt davon nichts“, sagt Zwingerbaumeister Karl Schöppner.

Der Architekt ist seit 1993 Chef der nach seinen Angaben bundesweit einzigen profanen Werkstatt dieser Art jenseits der Dombauhütten. Sie wurde 1991 wiederbelebt, um das europäische Barockbauwerk authentisch zu erhalten. „Der Elbsandstein ist ein sensibles Material“, erklärt der 61-Jährige. Die erste Zwingerbauhütte mühte sich von 1924 bis 1936, den Verfall zu stoppen. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg begleitete die wiedergegründete Werkstatt den Wiederaufbau 1945 bis 1965, danach waren die Hüter des Zwingers eine Abteilung der Kunstsammlungen.

Aktuell restaurieren und pflegen sieben Restauratoren, Steinbildhauer und -metze Architektur und Schmuck der Pavillons und Langgalerien, halten Wasserspiele instand, beugen Schäden und Verlusten durch Umwelteinflüsse vor. Dazu kommen zwei Lehrlinge. „Sie lernen die klassische werkgerechte Handwerkskunst“, sagt Hüttenmeister Ralf Schmidt. „Hier ist alles handgemacht, denn da ist jede Haarlocke zu sehen.“ Die qualitativ auf Höchstniveau arbeitenden Spezialisten achten auf Verwitterung vor allem an Fugen, Balustraden und Nischen sowie fast 700 baugebundenen oder frei stehenden Skulpturen.

Nach Angaben des Finanzministeriums investierte der Freistaat seit 1991 bis Ende 2015 rund 65,4 Millionen Euro in die Barockanlage. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt Hüttenmeister Schmidt. Denn der Zwinger, als Ort der Repräsentation von fürstlicher Macht und Reichtum sowie höfischer Feste erbaut, zählt zu den weltberühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Bei der Bauunterhaltung, die jährlich rund eine Million Euro kostet, setzt die Bauhütte nicht nur auf handwerkliche Präzision und Originaltreue, sondern nutzt auch die Fortschritte von Wissenschaft und Technik.

„Wir haben wiederkehrende Probleme, denn Elbsandstein ist ein fixes Medium“, sagt Schöppner. Eine spezielle Lasur schützt etwa inzwischen 75 Prozent der Skulpturen. „Sie ist sehr wasserabweisend“, erklärt Steinrestaurator Frank Huferick - und streicht mit dickem Pinsel die Silikonharzglasur auf das Füllhorn eines Putto. „Das ist wie ein Regenschirm.“ Und der schütze 15 bis 20 Jahre.

Der Dresdner Zwinger

Der Dresdner Zwinger gilt als ein Hauptwerk der europäischen Barockarchitektur. Das zunächst zur Elbe hin offene Gebäudeensemble wurde 1709 bis 1728 im Auftrag des sächsischen Kurfürsten August der Starke (1670-1733) von Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736) errichtet und von Bildhauer Balthasar Permoser (1651-1732) ausgestaltet.

Der symmetrische und mit vier Brunnenbecken versehene Hof wird von sechs Pavillons umrahmt, die durch mehrere Bogen- und eine Langgalerie verbunden sind. Einer von ihnen ist mit einem Glockenspiel aus Meissener Porzellan versehen. Auf Balustraden, Attika und Nischen sowie Konsolen stehen fast 700 Skulpturen überwiegend frei, darunter noch 15 Originale aus der Entstehungszeit.

Der Zwinger diente als Ort der Repräsentation, höfischer Feste und zur Aufbewahrung der herrschaftlichen Sammlungen. 1945 schwer zerstört, wurde er bis 1963 mühsam wieder aufgebaut - mangels Geld konnten in der DDR aber nur Teile überholt werden. Seit 1991 flossen Millionen in die Sanierung des Ensembles, das mit Porzellansammlung und Mathematisch-Physikalischem Salon auch zwei Museen der Staatlichen Kunstsammlungen beherbergt.

„Wir machen immer wieder ein Original, werkgerecht, klassisch und in Handarbeit“, beschreibt Ludwig Coulin vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien und Baumanagement (SIB) die „Dresdner Haltung“. Auch deshalb brauche es die Kontinuität der Zwingerbauhütte. Etwa ein Drittel bis 40 Prozent der Substanz stamme aus der Entstehungszeit, von den rund 200 Figuren seien 15 erhalten. „Der Zwinger ist heute viel barocker“, sagt Schöppner. Er sei damals nicht richtig fertig und später ergänzt worden.

Insgesamt hat die Zwingerbauhütte 15 000 Quadratmeter gestaltete Gesteinsoberfläche und Fassaden, darunter allein 1,2 Kilometer Balustraden im Blick. „Der Zwinger ist eine begehbare Skulptur“, sagt Hüttenmeister Schmidt. Alljährlich im Herbst werden Wasserspiele und Brunnen zum Schutz eingehaust, im Frühjahr wieder befreit. Das in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern bei der Problemlösung erlangte technische Know-how der Fachleute ist auch überregional gefragt - wie ein besonderes Verfahren zur Entsalzung des Steins.

Die Arbeit geht den Zwinger-Hütern nicht aus. „Er ist wie ein gehegtes und gepflegtes Erbstück“, sagt Coulin. Und der letzte Schliff sei Kunsthandwerk. Dafür braucht es Augenmaß, Kraft, „aber am meisten Geduld“, sagt Pampel mit einem Lachen. Dafür schafft man Bleibendes, was die Kollegen bis zum Lehrling mit Stolz erfüllt, wie Hüttenmeister Schmidt erzählt. „Die, die hier arbeiten, sind mit dem Herzen dabei.“

dpa

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