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Zwei DJs machen ihre Modeträume wahr

Junge Designer in Dresden setzen auf Slow-Fashion Zwei DJs machen ihre Modeträume wahr

Weil es aus ihrer Sicht keine vernünftigen Unterhemden gab, die Mann unter ein klassisches Hemd ziehen kann, entwarfen Sven und Peer Anders diese kurzerhand selbst. Mittlerweile bieten die Brüder, die in der Dresdner Neustadt die Boutique „Exx“ betreiben, neben bekannten Labels viele selbst entworfene Kleidungsstücke an. Auch für Frauen.

Die Oberteile, die Sven und Peer Anders zeigen, sind aus der eigenen Kollektion. Das rote Kleid in der Mitte auch. Das ist ein Hingucker auf der Sonderausstellung „Fast Fashion“.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Ihr rotes Kleid fällt auf. Es ist Teil der Sonderausstellung „Fast Fashion – Die Schattenseiten der Mode“ im Hygienemuseum und steht als ein Beispiel für sogenannte Slow Fashion. Das ist im Gegensatz zur schnelllebigen Massenware nachhaltig produzierte Kleidung.

Das rote Kleid ist Teil der Kollektion eines jungen Dresdner Labels unter dem Namen „Anders und Anders“ aus der Neustadt. Gegründet haben das die Brüder Sven (39) und Peer (37) Anders. Die beiden stellen Kleidung für Männer und Frauen her. „Sachliche, ruhige, schöne Dinge – Stücke, die uns als Händler immer gefehlt haben“, erklärt Peer Anders. Schicke, zeitlose und vielfältig kombinierbare Shirts, Jacken, Kleider und Rollis zum Beispiel, die das qualitativ hochwertige Sortiment bekannter Labels, die Anders und Anders in ihrem Geschäft „Exx“ an der Böhmischen Straße anbieten, ergänzen.

„Die Idee, selber Kleidung zu machen, kam uns 2006“, erzählen die Brüder. Zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden passionierten DJ’s, die schon seit der Wende Mode verkaufen, ihr Sortiment längst von Skater- und Clubware auf „cleanere, erwachsenere Looks“ umgestellt. Anzüge, Hemden, Shirts und mehr, alles wertig, trotzdem lässig mit italienischem Touch. „Wir wollten gern Unterhemden anbieten, die die Männer unterm Hemd tragen können“, so Peer. Normale T-Shirts fanden sie schrecklich, „weil sich die kurzen Ärmel unterm Hemd so abzeichnen“ und das Shirt oft zu sehen ist, wenn man oben einen Hemdknopf öffnet. Auch normale Achselhemden scheiden wegen des „Durchscheineffekts“ aus ihrer Sicht aus. Doch bei den Top-Marken wurden sie in Sachen Unterhemd nicht fündig.

So schritten sie selbst zur Tat, suchten nach Fachleuten, die nach ihren Vorstellungen den Schnitt entwickeln, die Unterhemden nähen können und natürlich nach dem geeigneten Stoff. Am Ende ließen sie den extra anfertigen und durchliefen „einen Schnellkurs Textilproduktion“. Die Unterhemden sind ein Erfolg. Es folgten eigene T-Shirt, Sweatshirts, Jacken, Krawatten, mit der Erweiterung des Sortiments um Damenkleidung auch Kleider, Tops und mehr – einfarbig oder auch mit auffälligen Mustern und alles „Made in Germany“, angefertigt u.a. in Manufakturen in Zwickau und nahe Chemnitz. Die Stoffe lassen sie selber anfertigen oder beziehen sie aus deutschen und italienischen Stofffabriken. Produziert wird die Kleidung in Serie. „Wenn der Kunde in unser Geschäft kommt, soll die Ware verfügbar sein.“

Besondere Angebote im Rahmen der Schau

Kostenlose Sonderöffnung: Im Rahmen der Initiative „Dresden geht aus“ gibt es am Montag, dem 15. Februar, wieder eine kostenlose Sonderöffnung im Hygienemuseum. Von 17 bis 20 Uhr kann man die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ besichtigen. Auch das Museumscafé LINGNER hat geöffnet.

Wochenende über die Licht- und Schattenseiten der Mode: Es findet am 27. und 28. Februar im Hygienemuseum statt und widmet sich den ethischen Aspekten der Modeproduktion. u.a. mit einer „grünen“ Modenschau, einer Theateraufführung über die Textilindustrie in Bangladesch, Mitmachangeboten, Tipps und Tricks, wie man aus ausrangierter Kleidung Neues machen kann, öffentlichen Führungen und Diskussionen mit Akteuren der nachhaltigen Textilwirtschaft. Die Ausstellung „Fast Fashion“ ist Sa. 10–22 Uhr geöffnet. 10–18 Uhr kostet der Eintritt 7 Euro, ermäßigt 3 Euro, von 18 bis 22 Uhr ist der Eintritt frei. 22.30 Uhr gibt es in der Empfangshalle eine After-Show-Party mit freiem Eintritt. Sonntag ist „Tag der offenen Tür“ und somit Eintritt frei im Museum.

Fachtagung: Sie wird am 27. Februar, 10-18 Uhr, im Marta-Fraenkel-Saal des Hygienemuseums von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Hygienemuseum veranstaltet. Die Tagung betrachtet Mode im Spannungsfeld von Markt und Moral. Interessenten können sich bis 19.2. per E-Mail ( veranstaltungen@dhmd.de) anmelden.

www.dhmd.de

Anders und Anders sehen sich selbst nicht als progressive Designer, sondern als „Fashion-DJs und Remixer“, wie es Peer Anders formuliert. Aber das, was sie machen, kommt offenbar gut an. „Die Trance-DJ- und Produzenten Kyau & Albert aus Löbau haben sich für ihr Shooting bei uns eingekleidet und auch Purple Disco Machine trägt unsere Klamotten“, sind die Anders-Brüder stolz. Ab März wird es an der Dornblüthstraße in Striesen ein Bekleidungsgeschäft geben, dass „Anders und Anders-Mode“ mit verkauft.

Im Rahmen der Sonderausstellung „Fast Fashion“ im Deutschen Hygiene-Museum finden am 27. Februar und 26. März Slow-Fashion-Touren statt, die u.a. auch zu den beiden Brüdern Anders und Anders führen. Leider sind diese Touren schon ausverkauft. Aber man kann ja auch so mal im „Exx“ in der Neustadt vorbeischauen und mit den Brüdern ins Gespräch kommen.

Von Catrin Steinbach

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