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Zusammen ist man weniger allein: Besuch in einer Mädchen-WG

Zusammen ist man weniger allein: Besuch in einer Mädchen-WG

"Inzwischen komme ich hierher wie nach Hause!" Marie ist 15 Jahren alt und wohnt seit zwei Jahren im betreuten Mädchenwohnen am Bischofsweg in der Neustadt. Mit sieben anderen Teenagern teilt sie sich eine Wohngemeinschaft.

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Rund um die Uhr sind die Betreuerinnen für die Mädchen da.

Quelle: Jens Kalaene, dpa

Dresden. "Inzwischen komme ich hierher wie nach Hause!" Marie ist 15 Jahren alt und wohnt seit zwei Jahren im betreuten Mädchenwohnen am Bischofsweg in der Neustadt. Mit sieben anderen Teenagern teilt sie sich eine Wohngemeinschaft (WG). Jedes Mädchen hat ein eigenes Zimmer, Bad und Küche werden gemeinschaftlich genutzt. Eine von sechs Betreuerinnen der Outlaw gGmbH ist immer da - Tag und Nacht. Die Ursachen, warum die Mädchen nicht mehr Zuhause wohnen, sind so verschieden wie die Mädchen selbst.

"Einige erlebten in ihrem Elternhaus Missbrauch und Gewalt, andere pubertieren so heftig, dass ihre Eltern nicht mehr mit ihnen zurecht kamen", berichtet Diplompädagogin und Teamleiterin Martina Werkmann. Auch Töchter physisch kranker Eltern oder Schulverweigererinnen leben in der Wohnung. Oft haben die Mädchen einen Aufenthalt in einer "anonymen Mädchen-Zuflucht" hinter sich, wo sie erst einmal unbürokratisch und ohne vorherige Anmeldung unterkommen.

"Die Regeln dort sind streng, unter der Woche durften wir nur bis 17 Uhr raus", erzählt Pauline, die jetzt in der WG am Bischofsweg lebt. Die "Zuflucht" ist nur als Übergangslösung gedacht, danach sollen sich die Mädchen für eine betreute Einrichtung entscheiden. Zwei bis drei im Stadtgebiet stehen meist zur Wahl, es gibt sowohl gemischte als auch reine Mädchen-WG, erzählt Martina Werkmann. Die Wohngruppen sollen den jungen Frauen als Schutzraum dienen, als neues Zuhause.

In der Wohnung am Bischofsweg leben Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren. Wer den Drang nach Unabhängigkeit verspürt, bevor er 18 ist, und zeigt, dass er sich an Regeln hält und in der Lage ist, selbstständig zu leben, kann auch schon eher in eine Zwei-Raum-Wohnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite oder in eine eigene Wohnung umziehen. Dort werden die Bewohnerinnen auch noch betreut, aber weniger intensiv und mit einem klaren Fokus darauf, die Selbstständigkeit zu fördern. "Ich wohne mit meiner Mitbewohnerin schon eine Weile alleine der in der Zweier-WG. Die Betreuerinnen kommen ein- oder zweimal in der Woche zu einem gemeinsamen Treffen und Abendessen und um nach dem rechten zu sehen. Sonst treffen wir uns mit unseren Betreuerinnen einzeln. Vorher lebte ich zwei Jahre in der großen WG", erzählt Jana. Sie zog mit 15 Jahren von zu Hause aus, weil es nicht mehr ging. "Jetzt verstehe ich mich mit meiner Mutter wieder gut, weil ich weiß, dass ich wieder gehen kann, wenn es schwierig wird."

Bei einer anderen Bewohnerin am Bischofsweg kam der Vater nicht mehr mit dem pubertierenden Mädchen zurecht. "Als ich begann, mich für Jungs zu interessieren und meine Brüste wuchsen, war mein Papa restlos überfordert. Ich bin dann abgehauen", erzählt sie.

In der Wohngruppe stehen den Mädchen rund um die Uhr die Sozialpädagoginnen mit Rat und Tat zur Seite. Jede Bewohnerin hat eine eigene Bezugsperson, die mit ihr Gespräche führt und sie zu Terminen in der Schule und beim Jugendamt begleitet. Feste Regeln gehören zum Leben in der WG dazu, in der Woche müssen die Mädchen um 21 Uhr, am Wochenende je nach Alter spätestens 24 Uhr wieder in der WG sein. Regelmäßiger Schulbesuch bzw. ein zuverlässiger Gang zur Ausbildung oder Arbeit sind ebenso Voraussetzung wie die Übernahmen von Arbeiten im gemeinsamen Haushalt.

Besuche von Jungs sind tagsüber erlaubt. Drei mal in der Woche essen alle Bewohnerinnen zusammen mit den Betreuern zu Abend, um sich auszutauschen. Aktivitäten wie Ausflüge, Kochkurse, Selbstbehauptungskurs, Theater- und Kinobesuchen fördern den Zusammenhalt. "Es ist ein tolles Gefühl für uns zu sehen, wenn ein Mädchen sich gut entwickelt und Fortschritte macht", erzählt Martina Werkmann. Auch mit den Eltern wird intensiv gearbeitet, damit sich das Verhältnis zu den flügge werdenden Kindern entspannt und Konflikte bearbeitet werden können. Insbesondere wenn es das Ziel ist, die Mädchen wieder in ihre Familien zu integrieren.

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