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Zukunft für Kapelle des St.-Pauli-Friedhofs

Zukunft für Kapelle des St.-Pauli-Friedhofs

Es sieht nicht gut aus für die Zukunft des evangelischen St.-Pauli-Friedhofs im Dresdner Norden: Er muss geschlossen werden. Die Alt-Katholiken haben jetzt Interesse bekundet, die Kapelle und das Verwaltungsgebäude zu übernehmen.

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Armin Luhmer, neuer Pfarrer der sächsischen Alt-Katholiken (links) und Joachim Debes, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, in der Kapelle - ein Zimmer in einer Altbauwohnung in Dresden-Strehlen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Es sieht nicht gut aus für die Zukunft des evangelischen St.-Pauli-Friedhofs im Dresdner Norden. Das Kirchspiel Neustadt muss ihn schließen, nicht sofort, aber in einigen Jahren (DNN berichteten). Die sinkenden Einnahmen aus immer weniger Begräbnissen bleiben hinter den Ausgaben weiter und weiter zurück. Für einige der historischen Gebäude jedoch sieht es nicht mehr ganz so schlecht aus. Die Alt-Katholiken haben jetzt Interesse bekundet, die Kapelle und das Verwaltungsgebäude zu übernehmen. Die sind 1911 nach Plänen der beiden Architekten Rudolf Schilling und Julius Graebner errichtet worden. In einem weiteren Gebäude rechts vom Eingang hat bereits seit Jahren die Freikirche der Mennoniten ihren Sitz.

Bislang sind die rund 250 Alt-Katholiken in Sachsen mit ihren Gottesdiensten in Dresden, Leipzig und Großschönau in evangelischen, in Werdau in einer römisch-katholischen Kirche zu Gast. Eine kleine Kapelle haben sie nur in ihren Gemeinderäumen in Strehlen: Ein Zimmer in einer Wohnung, höchstens 18 bis 20 Personen finden darin Platz.

Mittelfristig könnten die Alt-Katholiken sich vorstellen, die Gebäude gemeinsam mit dem evangelischen Friedhofsverband zu nutzen, sagt Joachim Debes, Vorsitzender des Kirchenvorstandes. So lange es Begräbnisse auf dem Friedhof gebe, stehe die Kapelle aber weiterhin vorwiegend dafür zur Verfügung, betont er. Noch gebe es nur erste Überlegungen. Entscheiden darüber muss letztlich die Gemeindeversammlung, in der alle sächsischen Alt-Katholiken vertreten sind. Basisdemokratische Elemente wie dieses sind ein wesentliches Kennzeichen der 1870 nach Exkommunikation aus der römisch-katholischen Kirche entstandenen Konfession.

Zuletzt haben sie in Dresden ihren neuen Pfarrer gewählt: Armin Luhmer, 49 Jahre alt. Er stammt aus Bonn. Sein Weg aus der römisch-katholischen in die alt-katholische Kirche begann mit einer Enttäuschung. Als Priester in Köln erlebte er die Kehrseite einer mitgliederstarken Volkskirche. Vier Gemeinden hatte er zu betreuen - rund 14 000 Katholiken. "Da war geistliches Arbeiten nicht mehr gefragt", erinnert er sich. "Ich war kaum noch Seelsorger, mehr Manager." Mit Strukturen sei er beschäftigt gewesen, mit Auflösen und Fusionieren.

Drei Monate Zeit nahm er sich zur Besinnung in einem Kloster. Dann, 2006 wechselte er die Kirche. Hinzu kam, dass er eine Familie gründen wollte. Wer sich als römisch-katholischer Priester vom Zölibat verabschiedet, wird exkommuniziert. Doch Armin Luhmer wollte weiter Geistlicher sein. Als Student hatte er sich für die lateinamerikanische Befreiungstheologie begeistert. Eine Zeit lang lebte er in Paraguay. "Diese Auseinandersetzung mit ungerechten Lebensverhältnissen war nicht nur eine politische Angelegenheit. Sie vollzog sich auch auf geistlicher Ebene. Es hat sehr stark mit dem Miteinander in einer Gemeinde zu tun. Das hat mich fasziniert."

Beim Aufenthalt in einer Bibelschule lernte er Ostjerusalem und die Westbank kennen. "Ein faszinierendes Land. Das hat meinen Glauben bestimmt." Seine erste Stelle als alt-katholischer Pfarrer bekam er in Blumberg bei Donaueschingen, einer Hochburg der Alt-Katholiken. 2012 wechselte er nach Frankfurt am Main. Im August 2015 wurde die Pfarrstelle in Sachsen frei.

Als Minderheit leben zu müssen, darin seien Christen in Sachsen dem Westen im Grunde voraus, sagt Luhmer. "In den Großkirchen erodieren die Strukturen." Mit einem kleinen Häuflein seinen Glauben zu praktizieren, sieht er als Chance: "Hier ist Aufbruch zu spüren, eine sehr wache Suchbewegung." Gestalten muss er das nicht allein, sondern gemeinsam mit dem Kirchenvorstand, dem er als Mitglied angehört, mit gleichen Rechten wie die anderen. Vorsitzender des siebenköpfigen Gremiums ist Joachim Debes, 45 Jahre alt, studierter Betriebswirtschaftler aus dem unterfränkischen Aschaffenburg. Seit 2006 lebt er in Dresden. Aus der römisch-katholischen Kirche trat er 2002 aus, weil er sich mit deren Lehre nicht mehr identifizieren konnte. Er fand zu den Alt-Katholiken. "Mich hat diese Offenheit, diese Toleranz verschiedenen Lebensformen gegenüber fasziniert", erzählt er. "Hier dominiert eine positive Grundeinstellung, eine Bejahung des Lebens. Der Pfarrer gibt einem Hilfestellung dabei. Nie habe ich ihn mit erhobenem Zeigefinger erlebt."

Die andere Seite: "Man muss sich damit abfinden, dass es eine sehr kleine Kirche ist. Das allerdings hat den Reiz, dass es nie anonym ist. Man kennt sich, kommt schnell in Kontakt zueinander. Dadurch wird alles intensiver." Entscheidungen seien auf viele Schultern verteilt, der Pfarrer bestimme nicht allein. "Es ist ein Miteinander."

Tomas Gärtner

Tomas Gärtner

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