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Zu arm fürs Grab – Stadt muss immer häufiger aushelfen

420.000 Euro für Sozialbestattungen Zu arm fürs Grab – Stadt muss immer häufiger aushelfen

Erdbestattung oder Feuerbestattung. Reihengrab oder anonyme Blumenwiese. Das sind Überlegungen, die höchstens mal nebenbei angesprochen werden, wenn die Familie beisammen ist. Doch ernsthafte Gedanken zum Thema Tod und Bestattung wollen sich die wenigsten Menschen freiwillig machen. 263 Mal musste im vergangenen Jahr am Ende das Sozialamt aushelfen.

Ernsthafte Gedanken zum Thema Tod und Bestattung wollen sich die wenigsten Menschen freiwillig machen

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden. Erdbestattung oder Feuerbestattung. Reihengrab oder anonyme Blumenwiese. Das sind Überlegungen, die höchstens mal nebenbei angesprochen werden, wenn die Familie beisammen ist. Doch ernsthafte Gedanken zum Thema Tod und Bestattung wollen sich die wenigsten Menschen freiwillig machen. Am Ende sind es die Hinterbliebenen, die sich vor einem Berg an Kosten wiederfinden. Nicht selten wird dabei festgestellt, dass weder das Erbe noch das Vermögen der Angehörigen ausreicht, um eine angemessene Bestattung zu bezahlen.

Die Stadt Dresden gewährte im vergangenen Jahr offiziell 420 477 Euro für Armenbegräbnisse. Die Zahl steigt jährlich kontinuierlich an. “Aufgrund der zunehmenden Altersarmut und der sich ausbreitenden prekären Beschäftigung ist für die Zukunft ein weiterer Anstieg von Sozialbestattungen zu erwarten“, erläuterte die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Linke) bereits im Februar 2015 und sie behielt Recht. Nach Angaben der Stadt wurden 2015 insgesamt 263 Bestattungen finanziert. 2013 waren es noch 220. Sachsenweit waren 2013 bereits über 1788 Menschen auf soziale Hilfe bei den Bestattungskosten angewiesen. In den vergangenen drei Jahren stiegen die Kosten der Stadt Dresden um über 100 000 Euro.

Für die Bestatter macht es keinen Unterschied, ob es sich um eine Sozialbestattung handelt oder nicht. „Wenn der Auftraggeber, was in dem Fall die Angehörigen sind, sagen, dass sie kein Geld für die Beerdigung haben, dann schicken wir sie zum Sozialamt“, sagt Ralf Rosberg, Bestattungsberater bei Antea Bestattungen Dresden. „Nachdem die Angehörigen eine Kostenübernahme beantragt haben, wird eine sogenannte Abtrittserklärung vereinbart. Das garantiert uns Bestattern, dass das vom Amt bewilligte Geld direkt für die bereits durchgeführte Bestattung verwendet wird und auch bei uns ankommt“, so Rosberg.

Die kleinen Betriebe trifft es zuerst

Wenn in Sachsen ein Mensch stirbt, haben die Hinterbliebenen 24 Stunden Zeit, sich um die Überführung durch einen Bestatter zu kümmern. In einer solchen Situation spielen Finanzen vorerst eine untergeordnete Rolle. „Wir lehnen generell keine Überführung ab und wissen in der Regel vorher nichts über die finanzielle Situation der Familie“, erklärt Robert Arnrich, Betriebsleiter des Eigenbetriebes Städtisches Friedhofs- und Bestattungswesen Dresden. „Das Sozialamt hat Bearbeitungszeiten von bis zu sechs Monaten und länger. Das ist unter den Bestattern bekannt und damit kalkulieren wir als Unternehmen“, erklärt er. „Eine steigende Zahl an Sozialbestattungen kann sich eher auf die kleineren privaten Bestattungsunternehmen negativ auswirken, da diese weniger Rücklagen haben“, so Arnrich. Der Betriebsleiter lobt die Zusammenarbeit mit dem Sozialamt in Dresden. „Die Rücksprache ist sehr gut und wir bekommen regelmäßige Informationen zum Bearbeitungsstand. Dadurch wissen wir, worauf wir uns bei der Kalkulation einstellen müssen“, erzählt er.

Die Bestattung wird also ganz normal nach den üblichen Vorschriften durchgeführt. In der Regel geschieht das zwei bis vier Wochen nach dem Ableben. Bei einer Erdbestattung muss alles etwas schneller gehen. Da wird der Verstorbene bereits nach durchschnittlich acht Werktagen beerdigt. Wenn eine Feuerbestattung stattfindet, können sich die Bestattungsunternehmen eher nach dem Wunsch der Angehörigen richten.

Dennoch wird mit der Beerdigung nicht gewartet, bis die Finanzierungsfrage geklärt ist. „Die Verstorbenen werden nicht so lange aufbewahrt, bis die Bestattung bezahlt werden kann. Das ist nicht möglich. Die Ämter benötigen teilweise mehr als ein halbes Jahr Bearbeitungszeit und auch die Erben haben jeweils sechs Wochen Zeit, um sich zu positionieren. So lange sollen und können die Toten nicht gelagert werden“, erklärt Rosberg. Die Rechnung landet im Schnitt zwei bis drei Tage nach Beerdigung bei den Angehörigen im Briefkasten. Dann haben sie 14 Tage Zeit zu bezahlen. „Wenn sich dann herausstellt, dass es ihnen nicht möglich ist, müssen wir Lösungen finden. Es gibt die Möglichkeit der Aussetzung der Zahlungsfrist, um den Hinterbliebenen mehr Zeit zu verschaffen. Auch eine Ratenzahlung kann vereinbart werden“, so Rosberg.

Die Sozialämter zahlen nur das Nötigste

Eine soziale Erdbestattung des Städtischen Friedhofs- und Bestattungswesens kostet durchschnittlich 4150 Euro. Eine einfache Feuerbestattung dagegen kostet etwa 2250 Euro. Dabei sind Friedhofsgebühren, Einäscherung im Falle einer Feuerbestattung und sonstige Kosten inbegriffen. Dazu zählen unter anderem die Ausstellung einer Sterbeurkunde und die Beisetzungsgebühren. Die restlichen Kosten sind flexibel und das Sozialamt orientiert sich hierbei an den günstigen Varianten. „Die Angehörigen sind zum Beispiel in der Wahl der Grabstelle für den Verstorbenen sehr eingeschränkt. Am liebsten wird ein Platz bei den Urnengemeinschaften finanziert. Dort ist es am billigsten“, informiert Antea-Bestattungsberater Rosberg.

Beim Thema Grabstein oder Holzkreuz dürfen die Hinterbliebenen in der Regel selbst entscheiden. „Das Sozialamt übernimmt die Kosten entweder für einen Grabstein oder für ein Holzkreuz. “, informiert die Stadt Dresden. Auf bestimmten Friedhöfen wird ein Holzkreuz allerdings nur als Provisorium für zwei Jahre akzeptiert, so zum Beispiel auf den Friedhöfen des Eigenbetriebes Städtisches Friedhofs- und Bestattungswesen Dresden. „Entscheiden sich die Angehörigen zunächst für ein Holzkreuz, wird später nicht noch ein Grabstein bezahlt. In der Regel entscheiden sie sich gleich für einen Grabstein“, so das Sozialamt Dresden. Auch die Wahl des Friedhofes obliegt den Angehörigen.

In Dresden übernimmt das Sozialamt generell Kosten und Teilkosten, wenn die Bestattung nicht aus dem Erbe finanziert werden kann, keine Sterbeversicherungen oder andere Beihilfen vorhanden sind. Auch wenn die Erben selbst nicht in der finanziellen Lage sind, die Kosten zu tragen, kann die Finanzierung beim Amt beantragt werden.

Das Dresdner Sozialamt übernimmt die öffentlich-rechtlichen Gebühren, die Einsargung der Leiche und Beförderung derer über eine kurze Strecke. Das wird als Bedarf gesehen und finanziert. Auch ein einfacher Sarg, die Sargträger und einfacher Grabschmuck fallen unter mögliche Finanzierungsposten. In der Regel werden auch Sonderwünsche, wie zum Beispiel eine rituelle Waschung nach islamischem Glaube berücksichtigt und einberechnet. „Die Grabgebühren werden grundsätzlich nur für die Verlängerung des Familiengrabes oder für ein Reihengrab übernommen“, informiert das Dresdner Sozialamt. Auch auf den Kosten einer Todesanzeige bleiben die Angehörigen sitzen, da es in Dresden nicht zwingend erforderlich ist. Fortlaufende Kosten für die Grabpflege, die Anreise von Angehörigen oder auch der Leichenschmaus fallen nicht unter erforderliche Bestattungskosten und müssen von den Hinterbliebenen selbst gezahlt werden.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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