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Zschierener hielten sich das Hochwasser vom Leib - Über Hundert Helfer sicherten Deich aus Sandsäcken

Zschierener hielten sich das Hochwasser vom Leib - Über Hundert Helfer sicherten Deich aus Sandsäcken

Mario Bottesi noch nicht. Der Orthopäde wohnt derzeit bei seiner Tochter. Das Haus seiner Familie im Stadtteil Zschieren ist noch ohne Strom.

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Feuerwehrleute, Soldaten und etliche andere Helfer hielten den rund 100 Meter langen Deich in der Weitling-Straße, verhinderten, dass Häuser geflutet wurden.

Quelle: privat

Nach Hause geht Dr. Trotzdem ist Dr. Bottesi glücklich. Anders als beim Hochwasser 2002 steht auch das Erdgeschoss in seinem Haus diesmal nicht unter Wasser. Normalerweise wäre es geflutet worden. Doch zusammen mit sechs Nachbarn hatte er den Grundstein dafür gelegt, dass der Bereich rund um die Wilhelm-Weitling-Straße weitgehend vom Hochwasser verschont blieb. Laut Leubens Ortsamtleiter Jörg Lämmerhirt wären sonst auch fast 3000 Haushalte länger ohne Elektrizität geblieben, weil ein Stromverteiler überschwemmt worden wäre.

Die Männer und ihre Familien hatten vor rund einer Woche begonnen, Sandsäcke an einer Wiese an der Weitling- Straße zu stapeln. Die Elbe stand noch 200 Meter entfernt von der Siedlung.Dr. Bottesi wusste, dass sich das Hochwasser über das zugewucherte Grünland seinen Weg bahnen wird. Sein Schwager hatte ihn darauf hingewiesen, dass die Fluten über ein unscheinbares, aber gefährliches Rinnsal bis zur Weitling-Straße vordringen würden. "Einst gab es an der Wiese in Richtung Elbe einen kleinen Wall, der aber schon zu DDR-Zeiten abgerissen wurde", sagt der Arzt. Über die dortige "Lücke" von rund 80 Metern kroch das Elbehochwasser gen Weitling-Straße.

Als Nachbarn gerade ihre Keller mit Bauschaum verklebt hatten, rief Bottesi dazu auf, den Sandsackdeich an der Wiese zu bauen. "Warum soll man sich vor Bomben schützen, wenn man den Krieg verhindern kann?", erklärte er. Wenige Stunden später türmten sich die Sandsäcke an der völlig durchnässten Wiese. Mittlerweile waren Feuerwehren und Soldaten dorthin geeilt, sicherten den Damm und pumpten die drückende Wassermassen heraus.

Via Facebook sprach sich rasch herum, dass in der Weitling-Straße Not am Mann war. Mehr als Hundert Freiwillige halfen, den Damm zu sichern. Nachbarn, aber auch viele Dresdner, die überhaupt nicht von den Fluten betroffen waren, erinnert sich Dr. Bottesi. "Unglaublich, was hier passiert ist", schwärmt er. "Ohne diese Hilfe hätte der Damm nie und nimmer gehalten."

Inzwischen erinnert kaum noch etwas an die Rettungsaktion. Seit dem Wochenende sind die Sandsäcke fort. Damit der Bereich dauerhaft vor Fluten bis zu neun Metern gesichert werden könne, müsse wieder ein Wall her. 40 Zentimeter hoch müsse dieser sein und die Lücke schließen, die der alte Damm hinterließ. "Ab 8,44 Meter Hochwasser würde hier sonst wirklich alles geflutet", so der Mediziner. Anwohner und viele weitere Zschierener unterstützen das Projekt. Laut Lämmerhirt würden Umweltamt und Ortsamt derzeit prüfen, inwiefern so ein Wall sinnvoll sei.

Das Ausmaß der Schäden im Dresdner Osten ist laut dem Ortsamtleiter indes noch unklar. Sicher sei, dass die Sparten von über 1000 Kleingärtnern teil komplett unter Wasser standen, nicht zu retten seien. Die Sperrmüllentsorgung über Container werde nun mit den Kleingartenvereinen abgestimmt. Darüber hinaus könne das Grundwasser noch immer nicht aus den Kellern gepumpt werden, weil die Unterbauten sofort wieder volllaufen würden. Rund 300 000 Euro an Soforthilfen seien bisher im Ortsamt Leuben genehmigt worden. Die Evakuierten, die in der Turnhalle Boxberger Straße Prohlis untergebracht waren, fanden laut Stadt Ersatzwohnraum. Die Notunterkunft ist seit gestern geschlossen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2013

Stephan Klingbeil

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