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Zeiten knapper Kräfte: Der Wochenkommentar des stellvertretenden DNN-Chefredakteurs Bernd Hempelmann

Zeiten knapper Kräfte: Der Wochenkommentar des stellvertretenden DNN-Chefredakteurs Bernd Hempelmann

Es ist das alte Lied, und es wurde oft gesungen. Ein trauriges Lied: das Lied vom Nachwuchsmangel. Gerade diese Woche stimmten es die Arbeitsagenturen und die hiesige Handwerkskammer wieder an.

In ganz Sachsen sind noch 11 000 Stellen für Auszubildende unbesetzt. Und was rät die Arbeitsagentur? Auch schwächeren Bewerbern eine Chance zu geben.

Für so einen Rat braucht es viel Fachwissen nicht. Erstens: Was bleibt einer Firma denn anderes übrig, wenn die Auswahl abnimmt? Und zweitens: Was hilft es aber, einen Lehrling einzustellen, der dann den Anforderungen nicht gerecht wird? Da ist keinem geholfen und dem nächsten Mangel gleich ein Anwärter dazugegeben: dem der Fachkräfte.

Wirtschaftsminister Sven Morlok kann sich immer wieder einiges an Klagen anhören, seitdem er mit seinem legendären Lockruf per Eierschecke, der ihn bis in die renommierte Wochenzeitung "Zeit" brachte, Sachsen als Arbeitsplatz wieder attraktiver zu machen suchte. Auch seine jüngst vorgestellten Konzepte für mehr Fachkräfte, in denen er mehrere Ministerien sozusagen zur konzertierten Aktion zusammenzuschweißen gedachte, fanden einen eher kritischen Widerhall.

Das allerdings ändert nichts am Problem. Die meisten Löhne in Sachsen sind niedrig, demzufolge die Azubi-Entgelte auch - und da ist der Lockruf des Goldes aus dem Westen durchaus verführerisch. So wird der Standortvorteil Lohnkosten, auf den Sachsen über Jahre erfolgreich setzte, mittlerweile auch zum Bumerang.

Eine Kehrseite hat ebenso die notorische Klage der Ausbilder, die Auszubildenden kämen mit immer schlechteren Kenntnissen aus der Schule in die Betriebe. Das wird nicht bestritten, und der Mangel an Berufsschullehrern tut in Sachsen das Seine dazu - doch hat der Deutsche Gewerkschaftsbund diesem alten Lied jetzt eine neue Strophe angefügt: Wie ausbildungsreif sind denn eigentlich die Betriebe, war die bundesweite Frage.

Und siehe da: Besonders in Branchen, wo viele Lehrstellen frei bleiben (z. B. Bäcker, Metzger, Klempner, Köche, Kellner), waren die Rahmenbedingungen oft schlecht, war auch die Unzufriedenheit der Azubis besonders hoch, ebenso die Zahl der Abbrecher und die Zahl der Durchfaller.

Keine Frage: Vom Minister geeignete Rahmenbedingungen einfordern, ist das gute Recht und die Pflicht von Handwerk, Handel, Industrie. Aber in den eigenen Reihen die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ordentlich und angemessen ausgebildet wird, ist ein mindestens ebenso berechtigter Anspruch. Denn in Zeiten knapper Kräfte ist der Lockruf der Qualität viel wert, wenn's um die besseren Azubis geht.

Ein schönes Wochenende

Ihr Bernd Hempelmann

b.hempelmann@dnn.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.05.2012

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