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Zehnte "Prager Nacht" - die Tschechisch-Deutschen Kulturtage in Dresden haben begonnen

Zehnte "Prager Nacht" - die Tschechisch-Deutschen Kulturtage in Dresden haben begonnen

Im Bahnbetriebslabor der TU Dresden darf man Fehler machen, ohne dass gleich eine Katastrophe geschieht. Hebel, Knöpfe, Schalter, die ganze Technik, die man bedienen muss, sind Originalstücke.

Allerdings steuert man damit eine Modellbahn. 106 Kilometer Streckennetz mit fünf Bahnhöfen und dazugehörigen Stellwerken. Verkleinert im Maßstab 1:87. Studenten lernen hier gewissermaßen im Trockenschwimmen das, worauf es bei der Eisenbahn ankommt: exakte Abläufe.

Wie es in solchen Schaltstellen besser nicht zugehen sollte, kann man sich am Sonnabend anhören. In einer Passage aus der ebenso humorvoll-skurrilen wie tiefernst-tragischen Erzählung "Scharf überwachte Züge" von Bohumil Hrabal. 1965 erschienen, nimmt sie uns mit in die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges, in eine kleine tschechische Bahnstation, wo Züge von Ost nach West und von West nach Ost durchfahren, darunter Militärtransporte. Ein Eisenbahnerlehrling erlebt dort unglaublichen Schlendrian: Der Stationsvorsteher widmet sich der Taubenzucht. Der Fahrdienstleiter macht am liebsten ein Nickerchen oder hebt der Telegrafistin in der Nachtschicht den Rock hoch und drückt ihr sämtliche Stationsstempel auf den nackten Hintern.

Bezüge und Kontraste zwischen heutiger Lokalität und Literatur wie diese sind gewollt, wenn zur "Prager Nacht" zwölf Orte, die sonst anderen Zwecken dienen, die Kulisse für Texte zumeist tschechischer Autoren abgeben. Diesmal gibt es ein Jubiläum. Im "Wenzel", den Prager Bierstuben, startete 2002 die erste dieser Dresdner "Shuttle-Lesungen" - so genannt, weil man sich als Zuhörer per Bus zwischen den einzelnen Stätten bewegen muss, die über die ganze Stadt verteilt liegen. Damals machten sich etwa 1200 Literaturinteressierte auf. Da wussten die Organisatoren des in Augsburg ansässigen Vereins Meridan: Ihr Konzept geht nicht nur am Lech, auch an der Elbe auf. Und mittlerweile in 19 Städten.

Das Zehnjährige kann man im "Wenzel" mit einem feiern, der sein böhmisch gefärbtes Deutsch auf den Poetry-Slam-Bühnen als Erkennungsmerkmal kultiviert: Jaromir Konecny. Der wird mitten hinein greifen in die bunte Fülle seiner zum Schreien komischen Texte, die Funken schlagen aus dem Zusammenstoß der Gulasch-Knödel-Bier-Kultur mit der hiesigen politisch überkorrekten Kultur von Öko, Vegetarismus, Wellness und Weltverbesserung.

Werkfragmenten bekannter Klassiker wie Jaroslav Hasek, Karel Capek oder Egon Erwin Kisch kann man begegnen, von Schauspielern auf eine Weise zwischen Lesung und szenischem Spiel präsentiert. In der Diakonissenhauskirche etwa, im "Kaiserzeit-Zimmer" des Schulmuseums oder in einer Kunstschmiede. Auch zeitgenössischen Autoren, Ivan Klima zum Beispiel im Rathaus und Karel Holany im Leibniz-Institut für Polymerforschung. Ausnahme ist ein Text von Kristina Krömer, einer 31 Jahre alten studierten Politikwissenschaftlerin, die als Schneiderin in der Dresdner Neustadt arbeitet und derzeit mit anderen humorvoll-friedensbewegten Enthusiasten einen Panzer vom Militärhistorischen Museum einstrickt. In ihrem Text geht es fantastisch zu. Für eine Portion Schauder sorgt der Ort, an dem er zu hören sein wird: die Pathologie des Krankenhauses Friedrichstadt.

Prager Nacht am Sonnabend, 18.30 bis 0.30 Uhr: Orte: Diakonissenhaus-Kirche; Dynamo-Stadion, Umkleidekabine; Eisenbahnbetriebslabor; Leibniz-Institut für Polymerforschung; Historische Fernmeldetechnik; Tonstudio C 90; Rathaus; Schulmuseum; Gaststätte "Lyra"; Pathologie; Kunstschmiede Schlegel; Gaststätte "Wenzel". Es verkehren Pendelbusse.

www.shuttle-lesung.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.10.2012

Tomas Gärtner

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