Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Google+
Zahlen-Leidenschaft: 13-Jähriger ist Weltmeister im Kopfrechnen in Dresden

Zahlen-Leidenschaft: 13-Jähriger ist Weltmeister im Kopfrechnen in Dresden

Während andere Schüler über knifflige Mathe-Aufgaben stöhnen, können Rhea Shah und Granth Thakkar nicht genug davon bekommen.

Voriger Artikel
MDR, JVA und MHM: Tag der offenen Tür in der Dresdner Albertstadt lockt Tausende Besucher an
Nächster Artikel
Vor der Mietpreisbremse langen Vermieter noch mal kräftig zu

Grant Thakkar, Sieger der WM im Kopfrechnen in Dresden.

Quelle: Dominik Brüggemann

Achtstellige Zahlen miteinander multiplizieren, Wochentage des vergangenen Jahrhunderts bestimmen oder Quadratwurzeln aus mehrstelligen Zahlen ziehen - alles kein Problem. „Zahlen sind unsere Leidenschaft. Wir lieben es, zu rechnen“, sagen die beiden 14 und 13 Jahre alten Inder.

Dafür brauchen sie weder Taschenrechner, noch Papier oder Stift. Gerechnet wird im Kopf. Die Leidenschaft zahlt sich aus: Bei der 6. Weltmeisterschaft im Kopfrechnen, die am Wochenende in Dresden ausgetragen wurde, holte Granth Thakkar als einer der jüngsten Teilnehmer den Weltmeistertitel in der Gesamtwertung. Der 13-Jährige löste die meisten Aufgaben fehlerfrei und in kürzester Zeit. „Ich bin glücklich, glücklich, glücklich“, sagte Granth nach der Entscheidung der Jury.

Weltmeisterin im Wurzelziehen

Während der Wettbewerbe sei er ein wenig unsicher gewesen, ob er es tatsächlich schaffen würde. Rhea Shah wurde Weltmeisterin in der Einzelkategorie Wurzelziehen Zweiter in der Gesamtwertung wurde Marc Jornet Sanz aus Spanien, gefolgt von dem Japaner Chie Ishikawa. Insgesamt traten 40 Mathe-Asse aus 18 Ländern gegeneinander an. Der jüngste Teilnehmer war ein zehn Jahre alter Inder, der älteste ein 80-jähriger Franzose. Die Weltmeisterschaft im Kopfrechnen findet alle zwei Jahre statt. Obwohl Granth Thakkar bereits mehrere Weltrekorde holte, freute er sich über seinen ersten Titel als weltbester Kopfrechner. Schon am Wochenende zuvor holte er eine Goldmedaille bei der Junior-Kopfrechenweltmeisterschaft in Bielefeld.

Organisator und Jurymitglied Ralf Laue sprach von einem „echten Überflieger.“ Mit elf Jahren nahm Granth zum ersten Mal an einer Olympiade teil, mittlerweile hat er sich an den Erfolg gewöhnt. „Ich bin natürlich stolz. Aber mit der Zeit wird das irgendwie normal.“ Der jüngste Weltmeister aller Zeiten ist er dennoch nicht. Bei der Kopfrechnen-WM 2010 gewann die damals elfjährige Priyanshi Somani - ebenfalls aus Indien. „Dort ist Kopfrechnen weiter verbreitet als hier“, erläuterte Ralf Laue.

Es gebe zahlreiche Wettbewerbe im Kopfrechnen, die Disziplin sei schon bei den Jüngsten populär. Dabei steckt nicht nur Talent, sondern vor allem jede Menge Übung hinter den Rechenkünsten, verrät die Trainerin des indischen Teams, Gwendolen Noronha. An normalen Tagen paukt sie mit ihren Schützlingen vier bis fünf Stunden. Vor Wettkämpfen wie der Weltmeisterschaft können es auch schon einmal zwölf Stunden sein. „Man braucht nicht als Genie geboren zu werden“, ist die 26-Jährige überzeugt. Genug vom Rechnen haben die Mathe-Fans nach diesem straffen Programm nicht. „Urlaub brauche ich nach der WM nicht, im Gegenteil“, sagte Rhea strahlend.

Taschenrechner, Papier und Stift sind tabu

Zwei Tage brüteten die Rechenkünstler in einem Prüfungssaal der TU Dresden über den Aufgaben. Taschenrechner sowie Papier und Stift waren tabu - nur das konkrete Endergebnis durfte notiert werden. Unter anderem mussten achtstellige Zahlen miteinander multipliziert, zehnstellige Zahlen addiert oder kalendarische Daten dem jeweiligen Wochentag zugeordnet werden. Was wird der 22. Juli 2051 für ein Wochentag sein?, hieß es da. Oder: was ist die Wurzel aus 342624? Zudem mussten die Kandidaten knifflige Überraschungsaufgaben lösen. Jeder Kopfrechner habe seine eigene Methode, erklärte Laue. Viele würden zunächst mit einem Abakus trainieren - einer Rechenmaschine mit kleinen Kugeln. Nach einiger Zeit brauche man die Maschine nicht mehr, es reiche, sich die Aufgabe bildlich vorzustellen. „Wie ein Klavierspieler, der irgendwann nicht mehr auf die Noten gucken muss.“

Eine ander Trick sei es, sich für eine Kombination von zwei bis drei Zahlen ein Bild vorzustellen und daraus Geschichten zu entwickeln. Bei öffentlichen Rechenshows gaben die „Superhirne“ Kostproben ihres Könnens und verrieten ihre Methoden, sich lange Kolonnen von Zahlen und Begriffen einzuprägen. Ein achtjähriger Schüler aus Indien, der allerdings nicht zur offiziellen WM antrat, ordnete einen Rubik-Zauberwürfel mit verbundenen Augen. Mit dabei war auch der Niederländer Willem Bouman. Der 75-Jährige ist in der Szene als „König der Primzahlen“ bekannt. Wenn er eine Handynummer sieht, zerlegt er sie gern in ihre Primzahlen - in Sekundenschnelle.

Granth Thakkar dagegen mag am liebsten Quadratwurzeln. Wenn der 13-Jährige nicht gerade rechnet, bleibt manchmal auch Zeit für das, was er normale Sachen nennt - Schach spielen zum Beispiel. Sein Hobby will der Zahlenakrobat später nicht zum Beruf machen. Stattdessen träumt er davon, Astronaut zu werden. „Ich stelle es mir toll vor, in den Weltraum zu fliegen.“

Christiane Raatz, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.