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Zahl der Sozialbestattungen in Dresden sinkt gegen den Bundestrend

Zahl der Sozialbestattungen in Dresden sinkt gegen den Bundestrend

Ein Begräbnis ist eine traurige Veranstaltung für Hinterbliebene, Angehörige und Freunde. Am vergangenen Wochenende ging es bei der Fachmesse "Pieta" weniger um die Trauer, sondern vorrangig um neueste Entwicklungen, Produkte sowie Dienstleistungen aus den Bereichen Bestattung, Friedhof und Krematoriumswesen.

Sozialbestattungen waren auf dieser Messe kein Thema, eher im Gegenteil - für viele ist die Bestattung ihrer Angehörigen eine aufwendige Angelegenheit mit hochwertigem Sarg sowie einer Trauerfeier im Sinne des Verstorbenen.

Neben der Trauer um ihre Angehörigen und Freunde belastet einige Familien jedoch nicht die Besonderheit der Trauerfeier, sondern vor allem die Finanzierung dieser, denn eine Bestattung ist nicht ganz billig. Das Sozialamt springt in solchen Fällen ein, wenn das Geld für das Begräbnis nicht reicht. Doch es übernimmt nicht alle Kosten und hat strenge Vorlagen. Pompös wird die Trauerfeier nicht, aber der Verstorbene wird in Würde bestattet.

Die Zahl der sogenannten Sozialbestattungen steigt in Deutschland seit Jahren kontinuierlich an. In Dresden hingegen sind die Zahlen seit zehn Jahren rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden in 210 Fällen die Kosten der Bestattung vom Sozialamt übernommen. Das sind zehn Sozialbestattungen weniger als im Vorjahr. Insgesamt wurden 2014 rund 314 000 Euro an Familien und Angehörige mit Finanzierungsproblemen ausgezahlt. Dabei ist die Zahl der verstorbenen Dresdner gestiegen. 2011 waren es 5395, 2012 immerhin 5590 Verstorbene in der Landeshauptstadt.

Tritt ein Todesfall ein, sind die Angehörigen des Verstorbenen per Gesetz dazu verpflichtet, die Kosten der Bestattung zu tragen. Selbst bei günstiger Ausführung kosten diese mehrere hundert Euro. Menschen mit einem geringem Einkommen, niedriger Rente oder Bezieher von Arbeitslosengeld können zur Unterstützung beim Sozialamt einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Dazu ist eine Überprüfung des Vermögens der Angehörigen nötig. Die Übernahme der Kosten ist von deren Vermögenssituation abhängig. So kann der Antrag abgelehnt, teilweise oder vollständig übernommen werden.

Doch wie sieht eine Bestattung aus, die auf das Nötigste reduziert wird? "Im Sinne des Sozialhilferechts zählt in Dresden zu den Bestattungskosten, was im Sinne eines Mindeststandards erforderlich ist", erklärt Susanne Cordts, Leiterin des Dresdner Sozialamtes. Dieser Standard könne nicht unterschritten werden. Was erforderlich ist, sei jedoch nach einem objektiven Maßstab zu beurteilen. "Maßgeblich ist, was für eine würdige, den örtlichen Verhältnissen entsprechend, einfache Bestattung aufgewendet werden muss", sagt Cordts.

Oft handelt es sich bei den Sozialbestattungen um einen einfachen Sarg und dezenten Blumenschmuck. Zu den Bestattungskosten, die das Sozialamt übernimmt, zählen alle öffentlich-rechtlichen Gebühren außer dem Totenschein. Außerdem übernimmt das Sozialamt die Kosten für das Waschen, Kleiden und Einsargen des Leichnams sowie die Leichenbeförderung über eine kurze Strecke sowie die Aufbewahrung über einen kurzen Zeitraum. Zudem werden bei christlichen und weltlichen Trauerfeiern der Sarg, die Kosten für Sargträger, die Feierhalle oder Kapelle, einfacher Grabschmuck sowie ein Trauerredner bezahlt. Die Auswahl einer Feuer- oder Erdbestattung treffen die Angehörigen. Außerdem treffen sie die Wahl zwischen einem der vier städtischen Friedhöfe oder den insgesamt 44 evangelischen Friedhöfen in der Landeshauptstadt. Nicht übernommen werden Kosten für die Anreise zum Begräbnis, die Trauerkleidung, die Grabpflege sowie Bergungs- und Rettungskosten.

Die Ermittlung der Angehörigen gestaltet sich für das Sozialamt teilweise schwierig. "Insbesondere dann, wenn der Antragsteller die Adressen weiterer Angehöriger, die zum Tragen der Bestattungskosten verpflichtet sein könnten, nicht kennt oder diese ihm nur unvollständig vorliegen", so Susanne Cordts. Dann seien umfangreiche Recherchen erforderlich, welche die Übernahme der Kosten erheblich verzögern können. Eine Zahlung der Bestattung erfolgt erst nach Vorlage der Rechnungen des Bestatters und somit erst Wochen oder Monate nach dem Begräbnis. In einigen Fällen vergibt das Sozialamt auch Darlehen vor der Beerdigung.

Die Bestatter spielen eine wichtige Rolle für die Trauernden. "Grundsätzlich informieren Bestatter über die Möglichkeit der Kostenübernahme durch das Sozialamt, in denen die Bezahlung nicht sichergestellt ist", sagt Rolf Lichtner, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter. "Eine Rechtsberatung erfolgt jedoch nicht, denn es besteht keine Beratungspflicht von Seiten der Bestatter." Nach Schätzungen des Verbandes werden in einigen Regionen in Deutschland bis zu zehn Prozent der Bestattungen aus Geldmangel der Verstorbenen oder ihrer Angehörigen durch Sozial- oder Ordnungsämter durchgeführt. "Mit der Streichung des Sterbegeldes im Jahre 2004 hat der Gesetzgeber die Verantwortung für die finanzielle Absicherung einer Bestattung ausschließlich der persönlichen Vorsorge des Einzelnen oder den Angehörigen übertragen", so Rolf Lichtner.

Trotz des stetigen Rückgangs der Zahl der Sozialbestattungen in der Landeshauptstadt will Susanne Cordts noch nicht von einem Trend sprechen. "Die zunehmende Altersarmut muss nicht zwingend dazu führen, dass die Zahl der Sozialbestattungen steigt", sagt sie.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.06.2015

Juliane Just

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