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Zahl der Bauern erreicht Rekordtief: Leibnitz-Forscher geben mit Blick auf die weltweit steigende Nachfrage nach Lebensmitteln die deutsche Landwir...

Zahl der Bauern erreicht Rekordtief: Leibnitz-Forscher geben mit Blick auf die weltweit steigende Nachfrage nach Lebensmitteln die deutsche Landwirtschaft nicht verloren

Essen muss jeder. Und in Deutschland wird es immer wichtiger, dass die Lebensmittel aus der Region kommen. Da ist es um so überraschender, dass die Zahl landwirtschaftlicher Arbeitskräfte deutschlandweit ein Rekordtief erreicht hat: Nur noch zwei von hundert Erwerbstätigen arbeiten in diesem Sektor.

Dresden . Das ist Resultat einer Studie, die das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) Leipzig veröffentlicht hat.

Von Barbara Stock

Obwohl Qualität und Menge der landwirtschaftlichen Produkte weiter steigen, arbeiten heute in Deutschland ein Drittel weniger Menschen in Landwirtschaftsbetrieben als noch vor 20 Jahren. Selbst in den ländlichsten Regionen sei nur jeder zehnte im Agrarsektor beschäftigt, erläutern die Autoren der Studie, Dr. Martin Petrick und Martin Freier vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle. Nach der jüngsten Landwirtschaftszählung waren es 2010 bundesweit noch 1,08 Millionen - davon 330 500 lediglich als Saisonkräfte.

Zwang zur Rationalisierung

Die Wissenschaftler sehen zwei Hauptursachen für die Entwicklung. Zum einen die Umwandlung kollektivierter Agrarbetriebe in Ostdeutschland nach der Wende und den technischen Fortschritt. Die Privatisierung der LPG führte dazu, dass die Betriebe hierzulande deutlich größere Flächen mit deutlich mehr Personal bewirtschaften, als es die oft familiengeführten westdeutschen Bauernhöfe tun. Während in Bayern zum Beispiel rund 75 Prozent aller Beschäftigten in der Landwirtschaft Familienarbeitskräfte sind, trifft das im Osten nur für 20 Prozent zu.

Zum technischen Fortschritt wurden und werden die Bauern vor allem durch die äußeren Umstände gezwungen - weil die Preise für Agrarprodukte über viele Jahre hinweg fielen, die Erträge aber ein hohes Maß an Vorleistungen benötigten. Folge: Die Bauern schafften sich modernere Landmaschinen an, effektivierten die Ernteverfahren, automatisierten die Tierhaltung. Handarbeit war immer weniger gefragt - aus dem Bauern, so die Forscher, wurden Agrar-Manager.

Doch selbst der europaweit überdurchschnittliche Grad an Rationalisierung wirft für deutsche Bauern nicht soviel ab, dass die Erben familiengeführter Höfe das Werk ihrer Eltern immer fortsetzen. Viele wechseln in besser bezahlte Branchen.

EU wirkt Rückgang entgegen

Ausgerechnet die vielgescholtene EU wirkt diesem Trend entgegen: Flächenprämien, Investitionsbeihilfen, Vergütungen für umweltfreundliche Anbaumethoden, Prämien für die vorzeitige Aufgabe von Höfen - all das sorgt dafür, dass Bauern ihrem Feld oder ihrem Stall treu bleiben. Nicht zuletzt subventioniert der Bund die landwirtschaftlichen Sozialversicherungen.

Das Umweltbundesamt verweist unterdessen auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der deutschen Landwirtschaft für die Regionalpolitik und für die Erhaltung und Entwicklung der Kulturlandschaft. Die Ernährungsindustrie, die sich zum größten Teil auf die heimische Landwirtschaft stütze, sei in Deutschland viertgrößter und in Europa mit 2,5 Millionen Beschäftigten sogar größter Industriezweig. Deutschland sei der weltweit viertgrößte Agrarexporteur - allerdings auch der größte Agrar-Importeur.

Dass sich die Beschäftigtenzahlen in diesem Sektor also derart im Keller bewegen, heiße nicht, dass die deutsche Landwirtschaft zur Bedeutungslosigkeit verkomme, erklärte Martin Petrick auf DNN-Nachfrage. "Eher erwarte ich ein moderates Umlenken in der staatlichen Förderung der nachwachsenden Energien, so dass die Nahrungsmittelerzeugung wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen wird."

Weltmarktpreise steigen

Außerdem seien da ja noch die steigenden Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel und die wachsende Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln, so Petrick. Insgesamt keine schlechten Aussichten für die klassische Landwirtschaft - selbst wenn sich angesichts der schier unübersehbaren Rapsfelder und der riesigen Schlachtkonzerne vor allem in Ostdeutschland der Eindruck aufdrängt, die gewohnte Vielfalt bei Anbau und Zucht weiche rein industriell orientierten Monokulturen.

Ob und wie sich aber die gestiegenen Weltmarktpreise für Nahrungsmittel und Bioenergieerzeugung auf die Beschäftigtenzahlen in der Landwirtschaft auswirken, bleibe abzuwarten, erklärten die Wissenschaftler.

www.ifl-leipzig.de

Beschäftigte in der Landwirtschaft in Mitteldeutschland

1991 2000 2010

Erwerbstätige insgesamt 2,250 Mio. 1,971 Mio 1,950 Mio

Sachsen davon Bauern 106 300 52 700 36 015

Anteil in Prozent 4,7 % 2,7% 1,84%

Sachsen- Erwerbstätige insgesamt 1,281 Mio. 1,058 Mio 1,013 Mio

Anhalt davon Bauern 93 300 36 700 25 611

Anteil in Prozent 7,3 % 3,5% 2,52%

Erwerbstätige insgesamt 1,227 Mio. 1,063 Mio 1,022 Mio

Thüringen davon Bauern 77 100 34 700 24 129

Anteil in Prozent 6,3 % 3,3% 2,36%

Quelle: Arbeitskreis Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder/Stand Februar 2011/Stat. Bundesamt Wiesbaden

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.11.2012

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