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Yvonne Krüger und Farina Maletz berichten von ihrem Friedensdienst mit Aktion Sühnezeichen e.V.

Yvonne Krüger und Farina Maletz berichten von ihrem Friedensdienst mit Aktion Sühnezeichen e.V.

Vor dem Studium oder der Ausbildung noch etwas erleben, Neues kennen lernen und dabei Gutes tun - das klingt nicht schlecht. Für Yvonne Krüger (21) und Farina Maletz (22) stand nach dem Schulabschluss ebenfalls fest, dass sie noch nicht gleich studieren wollten.

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Yvonne Krüger (li) und Farina Maletz wollten nach dem Abitur nicht nahtlos mit ihrer weiteren Ausbildung weitermachen, sondern erst einmal Erfahrungen sammeln. Als Friedensdienstler haben sie ein Jahr in Projekten im Ausland verbracht.

Quelle: Dietrich Flechtner

Ein Auslandsjahr ist da eine gute Alternative. Wichtig war ihnen dabei eine gute Organisation und dass man vor Ort unterstützt wird. So kamen beide zur Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), von der sie viel Gutes gehört hatten.

Ein Friedensdienst bei der Aktion Sühnezeichen e.V. verbindet soziales Engagement, Politik und Geschichte miteinander. Die Organisation besteht seit Ende des Zweiten Weltkriegs und steht noch immer im Zusammenhang mit der Versöhnung und der Zusammenarbeit zwischen den Ländern. ASF beschäftigt sich nicht nur mit den Folgen des Nationalsozialismus, sondern will vor allem junge Leute in Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern, Kulturen und sozialen Hintergründen bringen. "Es geht weniger darum, Sühne für die Vergangenheit zu leisten, als dafür zu sorgen, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt", findet Farina. Ihr Vater arbeitete in einer Gedenkstätte, wodurch sie schon vorher auf Friedensdienstler traf, die ihr von dem besonderen Auslandsjahr berichteten.

Ab September 2012 lebte sie schließlich selbst für ein Jahr in Amsterdam, wo sie im Jeanette Noel Huis beschäftigt war. Dort leben Flüchtlinge, deren Asylantrag noch nicht angenommen wurde oder die ausreisen sollen. Meistens allerdings können die Betroffenen aus politischen oder privaten Gründen nicht zurück in ihr Heimatland und wollen nach einer anderen Möglichkeit als der Ausreise suchen. Dadurch, dass sie sich illegal in den Niederlanden aufhalten, haben sie aber weder Arbeit, Unterkunft noch Versicherungen. Durch die Organisation erhalten sie immerhin ein zeitweiliges Obdach und Essen für drei bis sechs Monate. Zu den Aufgaben der Friedensdienstlerin gehörten Haushaltsaufgaben wie Wäsche waschen und gemeinsam mit den Bewohnern zu kochen. Vor allem aber war es für sie wichtig, ihnen Unterstützung anzubieten, im Fall von Konflikten zu helfen oder einfach als Gesprächspartner für sie da zu sein.

Konfrontation mit dem Tod

Am Liebsten passte sie auf die Kinder der asylsuchenden Familien auf und ging mit ihnen auf den Spielplatz. Auch die Aufnahmegespräche mit den Neuankömmlingen waren für sie wichtig, denn die Flüchtlinge hatten meist eine sehr schwere Zeit hinter sich: "Oft wurden die Einreise-Anträge deshalb nicht angenommen, weil man ihnen ihre ungewöhnlichen Geschichten nicht geglaubt hat." Es kam auch vor, dass sie einfach keine passenden Dokumente vorliegen hatten oder ihr Anliegen nicht als Fluchtgrund anerkannt wurde.

Yvonne verbrachte zeitgleich ihren Friedensdienst in Camden in den USA. Dort arbeitete sie in einem Obdachlosenheim, das ebenfalls Unterkunft und Essen bereitstellt. Die Obdachlosen arbeiten jedoch auch selbst in der Organisation des Heims und können sich so gegenseitig helfen. Auch hier fielen für die freiwillige Helferin Aufgaben wie Wäsche waschen, Essen vorbeireiten und verteilen oder das Sortieren von Spenden an. Ihre Hauptaufgabe war jedoch, den Menschen zuzuhören, sagt Yvonne. Sie hat sogar eine Gesprächsgruppe für die betroffenen Frauen ins Leben gerufen, die sich einmal die Woche trifft und über Probleme spricht. Gerade die obdachlosen Frauen haben es in ihrem Alltag auf der Straße absolut nicht leicht. So hat die 21-Jährige viel Zeit mit den Obdachlosen persönlich verbracht. "Während des Friedensdienstes habe ich Berührungsängste abgebaut, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass ich sie habe", so die Freiwillige. An den Wochenenden half sie auch bei der Vorbereitung des Gottesdienstes in der Kirche, neben der sie wohnte und betreute die dazugehörige Jugendgruppe beziehungsweise den Jugendgottesdienst. Die sonntäglichen Gottesdienste waren aber nicht nur eine religiöse Zusammenkunft, sondern ein Treff für alle ethnischen Gruppen der Stadt. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur kamen so friedlich zusammen. Das ist in Camden, der Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate der USA nicht oft so.

Für beide gab es trotz allen positiven Erfahrungen auch manchmal Schattenseiten. Bei Farina bestand ständig die Gefahr, dass einer ihrer Schützlinge entdeckt und abgeschoben werden konnte. Für Yvonne war es auch die Konfrontation mit dem Thema Tod, denn gerade in Camden leben Obdachlose gefährlich. Oft war es schwer, die Freizeit von der Arbeit zu trennen, denn beide lebten ja praktisch in ihrem Projekt und so gab es meist etwas zu tun. Ein Friedensdienst ist schließlich nicht nur Freizeit, sondern auch einiges an Arbeit. Trotzdem hätte keine von ihnen auf das Auslandsjahr verzichten wollen. Schließlich ist diese Erfahrung Teil ihres Lebens und hat sie sehr beeinflusst. Beide studieren zur Zeit Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule und sind in Organisationen in Dresden tätig. Yvonne arbeitet weiter mit Obdachlosen, Farina in der neugegründeten Kontaktgruppe Asyl e.V., die dringend Unterstützer sucht.

Der Auslandsaufenthalt hat ihnen nicht nur viel Spaß gemacht, sondern sie auch persönlich weitergebracht: "Das ist einfach eine wichtige Erfahrung, die man im Leben einmal machen sollte und eine Chance, mal über den eigenen Tellerrand zu schauen". In den Vorbereitungsseminaren lernen die Teilnehmer viele neue Leute kennen. Außer den organisatorischen Veranstaltungen werden auch Partys gegeben und gemeinsame Unternehmungen gemacht.

Auf die Frage, wem man einen Friedensdienst empfehlen könnte, antworten sie einstimmig. "Allen. Denn einen Friedendienst kann man in vielen verschiedenen Bereichen machen. Je nachdem, ob man sich mehr für soziale Arbeit, Politik oder Geschichte interessiert." Wer sich für ein soziales Jahr im Aus- oder Inland mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste interessiert, kann sich unter www.asf-ev.de über die verschiedenen Projekte informieren und für einen Friedensdienst bewerben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.01.2015

Clara Hunger

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