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Xenon Dresden wächst kräftig – Trend zur Vollautomatisierung erkannt

Industrie 4.0 Xenon Dresden wächst kräftig – Trend zur Vollautomatisierung erkannt

Die nahende „Industrie 4.0“ kündigt sich durch Investitionswellen in den Wertschöpfungsketten der deutschen Wirtschaft an. Und hoch spezialisierte Werk-Ausrüster wie die Xenon Automatisierungstechnik Dresden wirken da wie Seismographen für den neuen Trend hin zur vollautomatischen, digital vernetzten Fabrik.

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Die Xenon-Chefs Tobias Reißmann (li) und Hartmut Freitag
 

Quelle: Heiko Weckbrodt

Dresden.  Die nahende „Industrie 4.0“ kündigt sich durch Investitionswellen in den Wertschöpfungsketten der deutschen Wirtschaft an. Und hoch spezialisierte Werk-Ausrüster wie die Xenon Automatisierungstechnik Dresden wirken da wie Seismographen für den neuen Trend hin zur vollautomatischen, digital vernetzten Fabrik: „Unser Umsatz hat sich seit 2013 verdoppelt“, berichtet Hartmut Freitag, der das Anlagenbau-Unternehmen gemeinsam mit Tobias Reißmann leitet. Beide rechnen mit weiterem Wachstum. Heute weihen sie deshalb mit der Belegschaft ihre jüngste Fabrikerweiterung ein.

Im Eiltempo haben sie an der Stuttgarter Straße binnen sieben Monaten eine neue Montagehalle hochgezogen, damit sie die Kunden-Wünsche nach Automaten-Taktstraßen „Made in Saxony“ erfüllen können. Drei Millionen Euro hat die Fabrik-Erweiterung inklusive Ausrüstung gekostet. Pläne für die nächsten Ausbaustufen liegen bereits „in der Schublade“, verrät Freitag.

Die Nachfrage kommt vor allem von führenden Automobil-Zulieferern wie Bosch und Conti, die nach und nach ihre Fabriken rund um den Erdball mit Xenon-Maschinen ausrüsten, aber auch aus der Solarbranche und Medizintechnik. Selbst namhafte Konsumgüter-Hersteller sind unter den Kunden der Dresdner: „Wenn Sie jetzt irgendwo eine Logitech-Computermaus mit Einsteck-Receiver kaufen, dann wurde dieses Modul höchstwahrscheinlich auf einer Xenon-Maschine gefertigt“, erzählt Geschäftsführer Tobias Reißmann mit sichtlichem Stolz.

Diese und andere Aufträge haben dem Unternehmen in den Jahren nach der jüngsten Weltwirtschaftskrise zu einem bemerkenswerten Wachstum verholfen: 2013 kam Xenon auf rund 21 Millionen Euro Umsatz, davon waren 20 Prozent Auslandsaufträge. Inzwischen ist die Exportquote auf 50 Prozent gestiegen und für 2016 erwarten Reißmann und Freitag über 40 Millionen Euro Umsatz. Auch die Belegschaft ist binnen Jahresfrist um 30 auf nun 214 Mitarbeiter gewachsen. „So einen starken Anstieg hatten wir noch nie“, sagte Reißmann.

Starke Schübe kommen vor allem aus zwei Richtungen: Einerseits sind viele Manager der globalen Automobilindustrie zur Meinung gelangt, dass fahrerlose Roboterautos nur noch eine Frage der Zeit sind, und dass der Weg dahin über immer mehr Fahrerassistenz-Systeme à la Einparkhilfe, Radarsensorik und Spurhalte-Assistent führt. Und deren mechatronische Komponenten sind auf sehr präzise und hochautomatische Montage-Technologien angewiesen, wie sie Xenon entwickelt hat. „Wir segeln da in einem Megatrend“, ist Freitag überzeugt.

Der zweite große Wachstumstreiber ist die „Industrie 4.0“. Diese Metamorphose der Industrie hin zu hochautomatisierten, vernetzten und produktiveren Fabriken wurde zunächst vor allem in Deutschland beschworen. Inzwischen sind auch Konzernbosse und Wirtschaftspolitiker in den USA, Italien und anderen Ländern auf den Trichter gekommen und schauen neugierig auf diese deutschen Konzepte.

„Viele Industriezweige werden um die totale Digitalisierung aller Betriebsprozesse gar nicht herumkommen, wenn sie die Performance ihrer Fabriken noch steigern wollen“, ist Tobias Reißmann überzeugt. „Zur Vernetzung und Digitalisierung gibt es kaum eine Alternative.“ Und wie man das anstellt, darin sei „Deutschland führend und diese Führungsrolle sollten wir auf keinen Fall aus der Hand geben“.

Wichtige Mosaiksteinchen der „Industrie 4.0“ beherrschen die Xenon-Ingenieure bereits, andere entwickeln sie derzeit gemeinsam mit der TU und der HTW Dresden. Dazu gehören „Augmented Reality“-Konzepte, die zum Beispiel bei Reparaturen an der Maschine unterstützen, indem sie computergenerierte Schemata, elektronische Handbücher und anderen Hilfen vor Ort auf die Smartphones, Tablets oder Datenbrillen der Monteure und Servicetechniker einblenden.

Aber auch der Anteil der Programmierer wächst in der Belegschaft des Anlagenbau-Unternehmens immer mehr. „Die Industrie 4.0 wird sich ganz stark auf der Software-Ebene abspielen“, meint Reißmann. Denn Maschinen mit Greifarmen, Robotern, Sensoren aufzurüsten und per Datenkabel oder Funk zu vernetzen, ist zwar schon eine Kunst für sich. Die Automaten aber auch dazu zu bringen, sich untereinander abzustimmen, Staus selbst zu beheben, auf Fehler im Prozess schlau zu reagieren – das wird vor allem eine Frage raffinierter Computerprogramme und fähiger Entwickler sein.

Allerdings spürt das Unternehmen auch schon erste Engpässe: Vor allem gute Lehrlinge und Nachwuchs-Facharbeiter für Montage und Service zu gewinnen, sei kompliziert geworden, sagen Freitag und Reißmann unisono.

Und gute Leute wird Xenon demnächst noch mehr brauchen. Denn das Unternehmen ist international auf Wachstumskurs: Die vor drei Jahren gegründete Tochtergesellschaft in China macht inzwischen drei Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 35 Mitarbeiter, hat sogar eine eigene Entwicklungsabteilung aufgebaut.

„Und diese Erfolgsstory wollen wir jetzt in Amerika wiederholen“, kündigte Tobias Reißmann an: Zunächst nur als Service-Standort für die erste Anlage, die die Dresdner im November nach Mexiko liefern, soll die neue mexikanische Xenon-Tochter in den nächsten fünf bis sieben Jahren ebenfalls zu einer Komplettfabrik mit eigener Entwicklung und Produktion wachsen. „Derzeit tätigen die großen Automarken aus den USA und Japan wie GM, Ford, Chrysler und Toyota ganz enorme Investitionen in Mexiko, um von dort aus den ganzen NAFTA-Wirtschaftsraum zu bedienen“, sagt Reißmann. „Da wollen wir mitmischen.“

Zahlen & Fakten:

Firma: Xenon Automatisierungstechnik GmbH

Sitz: Dresden-Gittersee

Gegründet: 1990

Geschäftsfelder: Bau von Sondermaschinen und hochautomatisierten Taktstraßen

Umsatz (2015): ca. 34 Millionen Euro ( 42 %)

Belegschaft: 214 Mitarbeiter

Mehr Infos im Netz: xenon-automation.com

Von Heiko Weckbrodt

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