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Wurst-Achim rockt den Dresdner Altmarkt

Wurst-Achim rockt den Dresdner Altmarkt

Schon drei Straßen vom Altmarkt entfernt hört der Dresdner derzeit lautes Geplänkel und Gestreite, zwischendurch immer wieder Sprüche wie "Wenn Achim seine Tüten packt, steht Aldi kurz vorm Herzinfarkt".

Doch was ist da bloß los?! Ganz einfach: Die Marktschreier sind los! Käse-Rudi, Wurst-Achim, Bananen-Alex und Nudel-Micha kämpfen noch bis zum Sonnabend täglich um die Gunst der Besucher und versuchen ihre Ware unters Volk zu bringen. Dabei gehen sie nicht gerade zimperlich miteinander um, beleidigen sich auch gerne einmal. "Das gehört zur Show dazu. Nach Feierabend setzen wir uns aber gern auch mal zusammen hin und trinken ein Bier. Vorausgesetzt wir sind nicht allzu geschafft von dem Tag", erklärt Wurst-Achim. Der 54-Jährige reist seit 26 Jahren als Marktschreier durch ganz Deutschland, hat genügend Erfahrungen in seiner Branche gesammelt und natürlich seine Stimme trainiert. 2009 kürte das Guinness Buch der Weltrekorde ihn sogar zum lautesten Lebewesen der Welt. "Das hilft beim Verkaufen natürlich unheimlich viel. Aber man braucht auch noch andere Talente, um ein guter Marktschreier zu sein", erzählt das Urgestein. So seien Freundlichkeit - aber nur gegenüber dem Kunden, nicht gegenüber dem Konkurrenten - und vor allem Humor zwei wichtige Kriterien.

Fest steht: Wenn der Marktbesucher den lautstarken Verkäufern so zuhört, ist Spaß und Unterhaltung garantiert. Doch der Job ist auch anstrengend. "Man sollte sehr reiselustig sein und auf ein Wochenende verzichten können", meint beispielsweise Käse-Rudi. Er ist seit sieben Jahren als Marktschreier unterwegs: Jede Woche eine andere Stadt, von den Alpen bis zum Meer, vom Osten bis in den Westen - als Marktschreier sieht man so einiges von Deutschland. "Dadurch gehen aber auch viele Freundschaften kaputt. In der Regel sind wir Montag und Dienstag zu Hause. Nur sind dann alle anderen arbeiten", berichtet Wurst-Achim.

Einen kleinen Vorteil hat beim Thema Familie immerhin der 17-jährige Bananen-Alex. Er ist Deutschlands und Österreichs jüngster Marktschreier und wird noch von seinem Vater begleitet, der seinen Sohn bereits als Teenager an das Unternehmen heranführte. "Das erste Mal stand ich mit 13 Jahren allein auf dem Wagen und habe unser Obst verkauft. Damals leitete aber mein Vater noch unseren Stand", berichtet Alex. Mittlerweile ist der 17-Jährige auf sich allein gestellt - fast zumindestens. Denn weil der Marktschreier noch nicht volljährig ist, muss sein Vater immer dabei sein, wenn es mit dem Lkw quer durch Deutschland geht. Vergangene Woche war er noch in Ingolstadt, diese ist er in dem wunderschönen Dresden und nächste Woche geht es nach Hannover.Doch ist es nicht schwierig, sich als Jüngling gegen die erfahrenen Konkurrenz durchzusetzen? "Ich bin damit aufgewachsen und habe mir im Laufe der Jahre viele Tricks abgeschaut. Das klappt dann schon", meint Bananen-Alex.

Käse-Rudi dagegen gibt allerdings offen zu, dass es solche und solche Konkurrenten gibt. Denn gegen einen Wurst-Achim zu bestehen, sei schon schwierig. Nicht umsonst hätte der 54-Jährige die Deutsche Meisterschaft der Marktschreier gewonnen. Und dabei geht es nicht um die besten Umsätze, sondern um die beste Unterhaltung. "Das läuft bei uns wie in der Bundesliga", erklärt Wurst-Achim. Jede Woche können die Zuschauer per Zettel über den besten Marktschreier abstimmen, der dann eine gewisse Punkteanzahl erhält. Wer am Ende des Jahres die meisten Punkte gesammelt hat, ist Deutscher Meister. Die Abstimmung in Dresden fand bereits gestern statt, doch wer sich selbst nochmal ein Bild von den Marktschreiern machen will, kann noch bis zum Sonnabend, täglich ab 10 Uhr, auf dem Altmarkt vorbeischauen - und sich vielleicht ein buntes Paket aus Nudeln, Wurst, Käse oder Obst zusammenstellen lassen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2014

Nadine Steinmann

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