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Wolfsbeauftragter von Dresden hält Ansiedlung der Tiere in der Stadt für eher unwahrscheinlich

Wolfsbeauftragter von Dresden hält Ansiedlung der Tiere in der Stadt für eher unwahrscheinlich

Frage: In Dohna wurden zwei Lämmer gerissen. Der Wolf wird als "Täter" nicht ausgeschlossen.Sebastian Schmidt: Es gibt Wolfsnachweise in allen Landkreisen um Dresden.

Frage: In Dohna wurden zwei Lämmer gerissen. Der Wolf wird als "Täter" nicht ausgeschlossen. Kommt der Wolf nun auch in die Landeshauptstadt?

Sebastian Schmidt: Es gibt Wolfsnachweise in allen Landkreisen um Dresden. Der Wolf hat also, von der Lausitz kommend, die Landeshauptstadt gewissermaßen bereits umrundet. Es ist nicht auszuschließen, dass er dabei das Dresdner Gebiet schon lange betreten hat - allerdings nicht dauerhaft. Die durchschnittlich von einem Wolf zurückgelegte Strecke beträgt zirka 30 Kilometer in einer Nacht, er kann aber im Einzelfall auch noch größere Distanzen überwinden. Es ist daher sicher nur eine Frage der Zeit, bis auch für Dresden ein Wolfsnachweis vorliegt. Eine dauerhafte Ansiedelung erscheint momentan aber eher unwahrscheinlich, da Wölfe viele attraktivere und noch wolfsfreie Regionen in der Nachbarschaft zur Landeshauptstadt finden können.

Meidet der Wolf wegen seiner Furcht vor den Menschen nicht derartige Gebiete?

Wölfe stellen keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie leben dort, wo man sie toleriert, beispielsweise bis in die Vorstädte von Rom oder Madrid. Wölfe meiden auch nicht unbedingt menschliche Strukturen, wie bebaute Gebiete, wohl aber den Menschen selbst. Durch jahrhundertelange Verfolgung haben sie eine ausgeprägte Furcht vor dem Menschen und das entsprechende Distanzverhalten. Das Wolfsmanagement im Freistaat Sachsen ist darauf ausgerichtet, dass dieses auch so bleibt, denn, verliert ein Wolf die Scheu vor dem Menschen, so kann er für diesen in gleicher Weise gefährlich werden wie ein unerzogener nicht gehorchender Hund entsprechender Größe. Eine sogenannte Habituierung, d.h., die Gewöhnung an den Menschen, soll daher unbedingt vermieden werden. Näheres dazu regelt der Sächsische Wolfsmanagementplan.

Gab es bereist Anzeichen oder Spuren, dass ein Wolf auch im Stadtgebiet bzw. an den Stadträndern oder der Dresdner Heide unterwegs war?

Nein! Es erreichen uns aber regelmäßig Hinweise interessierter oder besorgter Bürger. Sind diese wahrscheinlich, dann wird ihnen auch nachgegangen. Meistens kommen natürlich Sichtmeldungen, die nicht überprüfbar sind. Aber in diesem Jahr hatten wir beispielsweise auch schon den angezeigten Fund eines Wolfsschädels oder ein angeblich vom Wolf gerissenes Reh. In beiden Fällen konnte der Wolf jedoch ausgeschlossen werden.

Kommt die Dresdner Heide überhaupt als Siedlungsgebiet für einen Wolf in Frage?

Die Dresdner Heide verfügt über ein dichtes Wegenetz und wird von Erholungssuchenden stark frequentiert. Sie ist insofern nicht zu vergleichen mit der störungsarmen Königsbrücker Heide, in der Wölfe dauerhaft vorkommen und sich auch fortpflanzen. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Wolf die Dresdner Heide unbedingt meidet, eine dauerhafte Ansiedelung erscheint momentan aber unwahrscheinlich.

Welche Bedingungen müssten gegeben sein, damit sich ein Wolf ansiedelt?

Betrachtet man rückblickend den Verlauf der Besiedelung Deutschlands durch den Wolf seit dem Jahr 2000, so fällt auf, dass sich Wölfe in großen, zusammenhängenden, störungsarmen und dünn besiedelten Gebieten, bevorzugt auch in Nachbarschaft bereits vorhandener Wolfsrudel etablieren. Man findet Wölfe vor allem auf Truppenübungsplätzen, in großen und unzerschnittenen Waldgebieten mit wenig Besucherverkehr oder in der Bergbaufolgelandschaft. Ein entscheidendes Akzeptanzkriterium scheint die Störungsarmut und die Entfernung zum Menschen zu sein. Wolfsrudel besetzen Territorien, die sie gegen das Eindringen weiterer Wölfe verteidigen. Dieses führt letztendlich dazu, dass sich nicht die Anzahl der Wölfe in einem Gebiet ständig erhöht, sondern sich das besiedelte Gebiet ausdehnt. Auch in einem Rudel geborene Wölfe müssen spätestens nach zwei Jahren auswandern. Solange sie geeignete Flächen finden, ist es für sie nicht notwendig oder attraktiv in der Nähe des Menschen zu wohnen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.07.2014

Silvio Kuhnert

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