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Wolfgang Schaller will 2014 die Verantwortung für die Dresdner Herkuleskeule in andere Hände legen

Wolfgang Schaller will 2014 die Verantwortung für die Dresdner Herkuleskeule in andere Hände legen

Es wird der erwartet lange Abschied: 2014 will Wolfgang Schaller aus der Verantwortung für die Herkuleskeule scheiden. Schon im Sommer 2012 hatte der heute 72-Jährige die Intendanz niedergelegt, firmiert seither als künstlerischer Leiter des Kabaretts am Sternplatz, das er aber de facto mit Geschäftsführer Rainer Bursche weiterhin leitet.

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Alarmstufe Blond heißt das neue Soloprogramm, mit dem Birgit Schaller Anfang März in der Herkuleskeule Premiere feiern will.

Quelle: Hans-Ludwig Böhme

2014 liefen beider Verträge aus, meint der sonst wortgewaltige Schaller schlicht. Man müsse sehen, wie es dann weitergeht.

Zuvor hatte es in der Leitung der Keule gekriselt. Zweimal habe man es mit einem kaufmännischen Leiter versucht, der von außerhalb engagiert wurde. Beide Male kein glückliches Händchen gehabt, wie Schaller meint: "Wo Menschen täglich zusammenarbeiten, da gibt es nicht nur Umarmungen", sagt er. Warum es Meinungsverschiedenheiten gegeben hat, das sagt er nicht. Nur so viel: Er habe in diesen Tagen mit dem Gedanken gespielt, ganz aufzuhören. Nur weil das langjährige Ensemblemitglied Rainer Bursche als Geschäftsführer einsprang, habe er es nicht getan. Kaufmännisches Know-how bringt die neu engagierte Verwaltungsleiterin Grit Rockmann mit, die zuvor an den Landesbühnen Sachsen hinter den Kulissen tätig war.

2014 schon wird diese Konstellation wieder Geschichte sein. Damit ist auch klar, womit sich das Duo Schaller/Bursche neben dem Tagesgeschäft vor allem beschäftigen muss: mit ihrer Nachfolge. Es gebe Ideen, sagt Bursche. Aber sie jetzt hinauszuposaunen, hieße das Kind mit dem Bade auszuschütten. Schallers Sohn Philipp, derzeit vor allem als Textautor beim Ensemble engagiert, hat jedenfalls nach eigener Auskunft kein Interesse, aus der seit bald 20 Jahren als GmbH organisierten Herkuleskeule einen Familienbetrieb zu machen.

Mit einem Federstrich wird die Frage nach dem Nachfolger also nicht zu klären sein. Ein Ensemblekabarett habe es eben schwer, Nachwuchs und geeignete Leiter zu finden, meint Schaller. Wer heute Talent habe, der stehe vor der Frage, ob er es als Solokünstler versucht oder sich gemeinsam mit anderen auf die Bühne stellt. Für viele sei die Freiheit eines Alleinunterhalters verlockender, als sich in ein Ensemble einzuordnen. "Das hat sich grundsätzlich geändert", meint Schaller, der 1970 erstmals als Autor und Dramaturg bei der Herkuleskeule mitarbeitete. Früher habe man ein Engagement bei einem Ensemble gesucht, vor allem, weil es dort Schutz gegen politischen Starrsinn, Bevormundung und Zensur gab, der man als Einzelner schonungslos ausgesetzt war.

Wie auch immer es kommt, Schaller hat sich wohl einen anderen Abschied von seiner Keule gewünscht. "Es gab mal die schöne Idee, ein neues Programm anzufangen, es bis zur Pause zu spielen und nach dem Umzug mit einer neuen Leitung im umgebauten Kulturpalast weiterzuspielen", sagt er. Bis der erste Vorhang im neuen Domizil fällt, will er nun jedoch nicht mehr warten. Vor 2016 wird damit wohl nicht zu rechnen sein, meint man in der Keule, wo man von Berufs wegen einen kritischen und ernüchterten Blick auf die Politik hat. "So in Dresden jemals überhaupt etwas feststeht, dann, dass wir in den Kulturpalast umziehen werden", spöttelt der Kabarettist.

So baufällig es ist: Das alte Domizil am Sternplatz muss also noch ein paar Jahre herhalten. Dass irgendwann die Sondergenehmigungen auslaufen, mit denen der Spielbetrieb seit Jahren überhaupt aufrecht erhalten wird, befürchtet man nicht. Im Mietvertrag mit dem kommunalen Stadtentwicklungsunternehmen Stesad steht kein Auszugsdatum, weswegen er mit allen Sonderregeln eben so lange gelte, bis man tatsächlich an den Altmarkt umgezogen sei, wie Bursche schlussfolgert.

Für die Zeit nach dem Umzug gibt eine Reihe ungeklärter Fragen. Die wichtigste: Wie kann die Keule eine Miete erwirtschaften, die mehr als das Doppelte der jetzigen betragen soll? Man sei in Gesprächen mit der Stadt, meinen Schaller und Bursche. Ein unbestelltes Feld wollen die beiden nicht hinterlassen. In der Diskussion ist offenbar nicht nur, dass die Stadtkasse mit Fördermitteln aushilft. Das Dresdner Kabarett könnte, so ein konzeptioneller Ansatz, zu einer Kombination aus reisendem und festem Ensemble werden, ein Modell, mit dem etwa das Düsseldorfer Kom(m)ödchen ganz erfolgreich fährt: Mal spielt das Ensemble im eigenen Theater, mal ist es unterwegs und lässt die eigene Bühne von einer anderen Truppe bespielen. Bursche zweifelt, ob das auch an der Elbe funktioniert. So könne man am Ensemble sparen, wie Bursche sagt.

2013 läuft in der Keule jedoch noch alles in gewohnten Bahnen. Was nicht heißt, dass es nichts Neues gebe. Birgit Schaller wird im März mit "Alarmstufe Blond" ein neues Soloprogramm präsentieren, nachdem sie ihr erstes aus dem Jahr 2004 mit dem Titel "Letzter Schrei" etwa 280 mal gezeigt hat. "Es braucht endlich mal die Sicht der Blondine auf die Welt", sagt Birgit Schaller, die in dem Programm 14 neue Lieder singen wird. Außerdem schreiben Philipp und Wolfgang Schaller an einem neuen Ensembleprogramm, das Ende Oktober präsentiert werden soll. Dabei wird es um eine Gala gehen, die anlässlich des endgültigen Triumphes des neoliberalen Kapitalismus nach der Krise ausgerichtet wird. "Es wird Grußworte geben vom Lidl-Mitarbeiter bis zum Großaktionär und Kulturbeiträge aus der Dritten Welt", kündigt Philipp Schaller an.

Eine Wiederauflage erfahren die Sommergastspiele, die das Ensemble im vergangenen Jahr erstmals absolviert hatte. Die Auftritte auf den Freiluftbühnen hätten sich wider eigenes Erwarten unterm Strich gelohnt, meint Rainer Bursche, auch wenn einzelne Termine, etwa der im thüringischen Friedrichroda wegen des regnerischen Wetters, ein totaler Reinfall waren. In diesem Sommer werden nur Bühnen bespielt, die in der Nähe liegen, um Kosten für Reisen und Übernachtungen zu sparen. Die Naturbühne Maxen, die Seebühne Kriebstein, die Waldbühne Johnsdorf und ein Auftritt bei dem Theater im Ohr Boxdorf sind im Programm, an dem Bursche noch arbeitet.

Mit den Gastspielen unter freien Himmel will die Herkuleskeule die besucherschwache Zeit im Sommer überbrücken. "Sobald das Wetter schön wird, sitzen die Menschen in den Biergärten", sagt Bursche. In den Wintermonaten sei die Keule dagegen bestens besucht, so dass sie 2012 auf eine Auslastung von insgesamt 80 Prozent bilanzieren kann. 334 Vorstellungen hat das Ensemble im eigenen Haus vor insgesamt 66 000 Besuchern gespielt, 123 Gastspielauftritte absolviert und dabei etwa 37 000 Eintrittskarten verkauft. Auch die Alterstruktur des Publikums sei gut, urteilt das Ensemble. Damit das so bleibt, will man die Nachwuchsarbeit intensivieren. Erstmals habe man sich am Projekt Schülerkonzerte beteiligt und im Januar 100 Schüler in zwei Aufführungen begrüßen können, meint Birgit Schaller. Das wolle man fortsetzen. Ähnliche Projekte will künftig der Förderverein anschieben, dem der Chemnitzer Wolfgang Allert neues Leben einzuhauchen versucht. Er will Kooperationen mit Schulen finden und so Eltern mit ihren Kindern für das Kabarett interessieren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2013

Uwe Hofmann

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