Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Google+
Wohnungsgenossenschaft Johannstadt erhöht Wohnblock auf der Blasewitzer Straße

WGJ investiert auch in Neubau Wohnungsgenossenschaft Johannstadt erhöht Wohnblock auf der Blasewitzer Straße

Am Anfang war der Aufzug. „Unsere Mieter haben sich das gewünscht und da haben wir uns Gedanken gemacht, wo und wie wir das wirtschaftlich hinbekommen können“, erläutert Alrik Mutze ein ungewöhnliches Bauprojekt.

Voriger Artikel
Frank Richter: Weiter an Dialog mit Pegida festhalten
Nächster Artikel
Soll die BRN 2016 ausgedünnt werden? - Neustädter Ortsbeiräte kritisieren Ordnungsamt
Quelle: PR

Dresden. Am Anfang war der Aufzug. „Unsere Mieter haben sich das gewünscht und da haben wir uns Gedanken gemacht, wo und wie wir das wirtschaftlich hinbekommen können“, erläutert Alrik Mutze ein ungewöhnliches Bauprojekt. Er ist Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ), die einen Wohnblock auf der Blasewitzer Straße aufstocken will. Anfang März soll es losgehen.
Dabei ist das WGJ-Gebäude ohnehin schon ein besonderer Bau. Es besteht aus Ziegelsplittplatten, erläutert Mutze. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dafür Trümmersteine zermahlen und das granulatartige Material anschließend mit Beton zu Platten gegossen. Aus der Tragfähigkeit dieser Bauweise ergab sich bei Probebohrungen, dass auf die vorhandenen fünf Stockwerke zwei weitere in Leichtbauweise draufgepackt werden können. In die Treppenaugen kommen die Aufzüge hinein.
Im März werde mit den ersten Arbeiten an den Außenanlagen begonnen, Keller und Dachböden beräumt, der Abbruch des Daches schließt sich an. Die zwei neuen Stockwerke in Holzleichtbauweise sind in Modulen vorgefertigt und werden im Sommer aufgesetzt und mit einem Flachdach versehen, das künftige Gebäude ist dann in etwa genauso hoch wie heute der Dachfirst. „Bis August, September ist das Schlimmste überstanden“, kündigt Mutze an.
Lediglich tagsüber müssten die Mieter in der obersten Etage während der Demontage des jetzigen Satteldaches ihre Wohnungen verlassen. Lärm und Schmutz werden sich nicht vermeiden lassen, aber sobald die beiden Stockwerke aufgesetzt sind, sollen auch die Aufzüge nutzbar sein, in der sechsten und siebenten Etage schließt sich dann noch der Innenausbau an.
Mit allen Mietern sei gesprochen worden, nötige Umquartierungen sind vorbereitet. Für die Zeit der Bauarbeiten ist die Miete verringert. Bis Dezember 2016 soll alles fertig sein. Als Umlage für die Modernisierung gibt es dann eine pauschale Mieterhöhung. „Wir haben umfangreich informiert, sicher freut sich niemand über Baumaßnahmen, aber alle akzeptieren das jetzt“, erklärt Mutze. In einem Jahr sind dann 16 neue barrierearme Wohnungen entstanden. „Die Mieten liegen dort bei neun Euro etwa“, stellt Mutze in Aussicht. Bislang sei noch nichts vergeben. Wer einziehen will, muss Genossenschaftsmitglied sein. Neben dem WGJ-Anteil von 1500 Euro ist dann ein von der Wohnungsgröße abhängiger Betrag einzuzahlen. Für eine Drei-Raum-Wohnung, wie sie in den neuen Geschossen unter anderem entstehen sollen, kommen so laut Mutze etwa 2800 Euro als Einlage zusammen. Dafür entfällt aber die Kaution. Wer auszieht, erhält alles zurück. Dazwischen genießt der Genossenschafts-Mieter lebenslanges Wohnrecht, Eigenbedarfskündigungen sind ausgeschlossen. Die Mieten sind nicht von Gewinnmaximierung getrieben, bei der WGJ auch nicht durch Dividendenzahlungen. „Wir sind eine solidarische Gemeinschaft, da fließt kein Geld ab“, beschreibt Mutze die Vorteile der Genossenschaft.

7760 Wohnungen hat die WGJ in Dresen, Leerstand gibt es praktisch nicht. Der Altersdurchschnitt der etwa 8000 Mitglieder liege bei 66, 67 Jahren. Der größte Teil an Zugängen liege bei Dresdnern zwischen 20 und 30 Jahren. Vielfach kämen aber auch Mitglieder dazu, die früher ein Haus im Umland hatten und jetzt im höheren Alter wieder in die Stadt ziehen wollen. Etwa acht bis zehn Millionen Euro investiere die WGJ in die Instandhaltung des Bestandes jährlich, acht bis neun Millionen steckt die Genossenschaft aber auch in Neubauten. 4,9 Millionen Euro kostet die Aufstockung an der Blasewitzer Straße, zu je einem Drittel aus Eigenmitteln, KfW-Darlehen und Bankdarlehen finanziert. „Das hat erstmal Pilotcharakter, aber vielleicht kommen später auch unsere anderen Blöcke hier an der Straße an die Reihe“, denkt Mutze über weitere Aktivitäten nach. Fest geplant sind im kommenden Jahr 50 neue Wohnungen.

Für die Expansionspläne kämen der WGJ auch die Grundstücke der Stadt ganz gelegen, über deren Verkauf an Genossenschaften die Verwaltung gerade nachdenkt. Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit steht hier auf der Bremse, sie will nicht jetzt Flächen verkaufen, die sie später für die Baupläne ihrer eigenen Woba benötigen könnte. 2016 soll der städtische Wohnungsbau ja schon beginnen. „Es ist schwer vorstellbar, dass dies so schnell klappt“, verweist Mutze auf eine Fülle an Vorbereitungen. Für ausgeschlossen hält er Mieten von denen hin und wieder die Rede ist. „6,50 Euro sind beim Neubau unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht zu schaffen“, meint Mutze. Ab acht oder neun Euro werde es realistisch.

Nach Mutzes Ansicht ist schon 2006 beim Woba-Verkauf absehbar gewesen, dass der Markt kippen wird. Vielleicht hätte dann ein Teil-Verkauf gereicht, blickt er zurück. „Aber man muss ja soziale Fragen nicht unbedingt mit Neubau klären“, meint der WGJ-Vorstand. Dahinter steckt der Gedanke, dass auch die Genossenschaften mit dem Bau neuer Wohnungen Kapazitäten schaffen, die an anderer Stelle für Freiräume sorgen, wo die Mieten möglicherweise niedriger sind.

Deshalb wird Mutze in den nächsten Wochen weiter um das Grundstücksgeschäft mit der Stadt werben. Der Genossenschaftschef will für ein Grundstück einen ganz konkreten Entwurf erarbeiten und dem Stadtrat vorlegen. Zwei Grundstücke sind der WGJ in Aussicht gestellt, eins ebenfalls an der Blasewitzer und ein weiteres an der Wittenberger Straße. An beiden Standorten sind insgesamt 100 bis 120 Wohnungen denkbar. Die Genossenschaften seien ein starker Partner für die Stadt, meint Mutze. „Wenn das klappt, würden wir schnell bauen“, fügte er hinzu. 2017 könnte es schon losgehen.

Ingolf Pleil

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.