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Wohnungsexperte: Auch auf Kleingärten können Häuser gebaut werden

Wohnungsexperte: Auch auf Kleingärten können Häuser gebaut werden

Der Wohnungsmarkt in Dresden ist gekippt. Die Zahl der Haushalte übersteigt die Zahl der Wohnungen. Nur wenn 2500 Wohnungen im Jahr gebaut werden, ist Rettung in Sicht.

Eine städtische Wohnungsbaugesellschaft wäre ein Ausweg aus dem Dilemma. Das erklärte am Freitag Stefan Kofner, Professor für Wohnungs- und Immobilienwirtschaft an der Hochschule Zittau/Görlitz. Kofner ist SPD-Mitglied und hat im Auftrag des Mietervereins Dresden und Umgebung den Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt analysiert sowie Handlungsmöglichkeiten für die kommunalen Wohnungspolitik abgeleitet. Seine Thesen sind nicht unumstritten.

Laut Kofner ist die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, die Zahl der Wohnungen sei aber gleich geblieben. Abriss habe dafür gesorgt, dass der Neubau nicht zu einem Plus geführt habe. 2013 seien 750 neue Wohnungen übergeben worden, 2014 immerhin schon 1000. "Doch ein großer Anteil davon ist Wohnungsbau für gehobene Ansprüche."

Dramatisch ist für Kofner der Anstieg der Mieten. 6,50 Euro pro Quadratmeter würden bei Neuvermietungen im Schnitt fällig, eine Steigerung von 22 Prozent gegenüber 2004 und 16 Prozent gegenüber 2009. Die Bestandsmieten würden dagegen bei 5,29 Euro liegen. Es klaffe eine Schere von 23 Prozent zwischen Neuvermietungsmieten und Bestand. "Das ist eines der wichtigsten Argumente, wohnungspolitisch aktiv zu werden."

Nur sofortiges politisches Gegensteuern könne die Attraktivität von Dresden erhalten. Das sei eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit, denn die Stadt profitiere vom Zuzug junger Menschen. Gestützt werden müssten der Markt für niedrige und mittlere Mieten, wichtigstes Instrument dabei sei das Grundstücksmanagement: Die Stadt müsse ihre Flächen für Wohnungsbau unter Marktwert verkaufen und mit den Investoren einen Anteil an Sozialwohnungen aushandeln. "Das muss dann aber auch kontrolliert werden."

Kofner rät, alle kommunalen Flächen und die der kommunalen Unternehmen unter die Wohnungsbau-Lupe zu nehmen. "Wir dürfen auch nicht vor Tabus zurückschrecken. Auch auf Flächen von Kleingartenanlagen oder Garagenhöfen könnten Wohnungen entstehen." Vorausschauende Bodenvorratspolitik nennt Kofner seinen Ansatz.

Flankiert werden müssten die städtischen Bemühungen von einer Wohnungsbauförderung des Freistaats, fordert Kofner. Dresden sei ein Sonderfall in Sachsen. Die anderen Regionen hätten das Problem eines sich zuspitzenden Wohnungsmarktes nicht, in Dresden aber müsse der Freistaat handeln. Ziel müsse es sein, mit intensiven Subventionen bezahlbare Neubaumieten zu garantieren, erklärte der Wissenschaftler.

Stefan Szuggat, Leiter des Stadtplanungsamtes, widersprach der Expertise energisch. Schon die von Kofner verwendeten Daten würden nicht mit denen der Stadt übereinstimmen, so Szuggat. "Nach unseren Datensätzen beträgt der Leerstand gegenwärtig 7,6 Prozent." Die Stadt gehe von einem Neubaubedarf von 7800 Wohneinheiten bis zum Jahr 2025 aus. "Wir haben aktuell einen Angebotsüberhang von 16 800 Wohnungen", erklärte der Amtsleiter.

Dirk Schmitt, Generalbevollmächtiger des Immobilienriesen Gagfah, machte eine andere Rechnung auf: Die Mieten seien in den vergangenen Jahren um 15 Prozent gestiegen, die Nebenkosten dagegen um 110 Prozent. "Warum reden wir nur über eine Mietpreisbremse und nicht auch über eine Nebenkostenbremse?" fragte der Gagfah-Manager. Schmitt regte an, nicht sozialen Wohnungsbau zu fördern, sondern die Mieter. "Niemand will ins Pflegeheim ziehen, ins Asylbewerberheim oder in eine Sozialwohnung. Mietzuschüsse verhindern eine Stigmatisierung", erklärte er.

Mit der Debatte über den Wohnungsmarkt beging der Mieterverein Dresden und Umgebung sein 25-jähriges Bestehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.03.2015

Thomas Baumann-Hartwig

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