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Wohnheim für sprachgestörte Kinder in Dresden halbleer

Wohnheim für sprachgestörte Kinder in Dresden halbleer

Seit Jahren schon geht Max* in die Sprachheilschule an der Fischhausstraße. Und weil der 12-Jährige aus Görlitz stammt, hat er die Woche über im Wohnheim gelebt.

Von Katrin Richter

Das war praktisch, denn das Gebäude befindet sich auf dem weiträumigen Schulgelände. Und es tat dem Jungen auch gut. Doch jetzt zahlt das Sozialamt in Görlitz nicht mehr die Kosten für den Heimplatz. Max' Eltern sind Schausteller und können die Mittel allein nicht aufbringen. Die Mutter ist am Verzweifeln. Seit Mai kämpft sie um den Heimplatz für ihren Sohn. Vergeblich. Jeden Morgen fährt sie ihn nun anderthalb Stunden von Görlitz nach Dresden und nachmittags wieder zurück. Und Max ist auch alles andere als glücklich, denn er sieht seine Freunde nur noch in den Schulpausen.

Der Zwölfjährige ist kein Einzelfall: 48 sprachbehinderte Kinder könnten im Wohnheim, dessen Träger der Jugendsozialwerk Nordhausen e.V. ist, aufgenommen werden. Doch nur 16 Plätze sind belegt mit Kindern zwischen 7 und 14 Jahren. Dabei verfügt das im Jahre 2007 für drei Millionen Euro errichtete Heim über optimale Bedingungen: "Die Kinder leben in Ein- und Zweibettzimmern, werden von Sprach-, Ergo- und Physiotherapeuten betreut und ihr Schulweg ist keine fünf Minuten lang", berichtet Sylvia Winkler, die Leiterin der Einrichtung. Ihnen stehen u.a. ein komfortabler Werkraum zur Verfügung, ein großer Speiseraum (mit Frühstücksbuffet) und ein Waldspielplatz, denn die Heide ist gleich in der Nähe.

Die Kosten für den Heimplatz in Höhe von rund 75 Euro pro Tag tragen die Kommunen, in denen die Kinder zu Hause sind ­- also vor allem die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen, Löbau, Zittau und Görlitz. Einen geringen Teil müssen die Eltern selbst beisteuern. "Die Kommunen wollen nicht zahlen, sie verweisen darauf, dass sprachbehinderte Kinder vorrangig inklusiv am Heimatort betreut werden müssen", erklärt Winkler. Das bestätigt Astrid Hanl, Sprecherin des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Ein behindertes Kind solle möglichst nicht außerhalb seiner Familie untergebracht werden. "Die Unterbringung muss erforderlich und nicht durch ambulante Hilfen leistbar sein", so Hanl. Um den Schulbesuch dennoch zu ermöglichen, würde der Landkreis die Kosten für Taxis und Fahrdienste übernehmen, wenn die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nicht möglich oder zumutbar sei.

Um das Wohnheim nicht leerstehen zu lassen, hat das Jugendsozialwerk Nordhausen im Rahmen der Jugendhilfe acht Plätze für Kinder und Jugendliche eingerichtet, die "im Heim auf das Leben vorbereitet werden sollen", erklärt Winkler. Die 7- bis 14-Jährigen wohnen die gesamte Woche über an der Fischhausstraße und besuchen zum großen Teil die Sprachheilschule oder eine der Lernförderschulen.

Dennoch stehen Zimmer leer, sind im Moment 24 Plätze nicht belegt. Deshalb hat das Jugendsozialwerk Kontakt zum Kita-Eigenbetrieb aufgenommen, um prüfen zu lassen, ob im Gebäude eine Kindergartengruppe etabliert werden kann. Hier könnten dann sprachgestörte Dresdner Kinder ab drei Jahren integrativ versorgt werden - allerdings nicht über Nacht. "Der Bedarf ist jedenfalls da, und alle Erzieher haben eine heilpädagogische Zusatzqualifikation", sagt Winkler. Aber dafür müsse ein neues Konzept her und in jedem Falle umgebaut werden. Doch eigentlich ist das Wohnheim 2007 errichtet worden, damit sprachbehinderte Kinder rund um die Uhr betreut werden können.

*Name geändert

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.10.2012

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