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Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden erforschen Ursachen der Spielsucht

Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden erforschen Ursachen der Spielsucht

Lotto, Sportwetten, Poker: Wissenschaftler an der Technischen Universität Dresden erforschen Ursachen der Spielsucht. „Spielen ist Teil der Menschheitsgeschichte, es dient der Entspannung und Unterhaltung und Lotto-Jackpots beherrschen teils über Wochen die Schlagzeilen“, sagte die Koordinatorin der bisher einmaligen Studie, Anja Kräplin, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

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Spielhalle mit Automaten: Die meisten Glücksspielsüchtigen gehen nicht freiwillig in Therapie, sondern erst auf Druck der Familie oder durch eine Therapieauflage.

Quelle: dpa

„Dass jemand Haus und Hof verspielt“, zeige die Dimension exzessiven Glücksspiels. Am Ende kann die Sucht die Existenz bedrohen und zu sozialer Isolation führen. Wie beim Computerspiel, Shoppen oder Sport gelte bei Lotto, Pferderennen und Casino: Zu viel ist gefährlich. Sobald Lebensinteressen eingeengt werden, die Kontrolle verloren geht und das exzessive Verhalten andere Aktivitäten verdrängt, sei Vorsicht geboten. Die Ursachen der Störung sind weitgehend unklar, Parallelen zu anderen Süchten wie Alkohol- und Rauschgiftabhängigkeit werden aber vermutet.Daher wollen die Dresdner Forscher herausfinden, warum Menschen es problemlos schaffen, mit dem Glücksspiel aufzuhören, aber es bei anderen pathologisch wird.

„Hohe Schulden, Verlust der sozialen Umgebung durch Lügen und Betrug“, beschrieb Kräplin die gravierenden Folgen. Betroffene haben jegliche Kontrolle über Zeit und Geld verloren, horrende Schulden, Probleme mit Familie und Umfeld. „Ihr Alltag wird nur vom Nachdenken über die nächste Spielmöglichkeit und die nötige Geldbeschaffung beherrscht.“ Dabei bestimmt der Zufall, „ob man gewinnt oder nicht.“Etwa die Hälfte der Deutschen spielt regelmäßig - Lotto, Wetten, Casino - aber nur etwa ein Prozent entwickelt ein Problem. 0,3 Prozent der Bevölkerung, also bundesweit 150 000 bis 200 000 Menschen, erfüllen die Kriterien für pathologisches Glücksspiel, erklärte Professor Gerhard Bühringer. Die meisten davon spielen an Geldautomaten, trotz Verarmung, Verlust von Familie und Freunden.

 Das Spektrum reicht vom Lageristen bis zum Firmenchef, vom Habenichts bis zum Millionär. Die Dresdner Experten wollen nun herausfinden, wie es zu einer solchen Eskalation kommen kann. Ein Ansatz ist, dass Menschen unterschiedlich gute Kontrollfähigkeiten haben, Probleme zu erkennen und zu beseitigen. Erfasst wird dies mit Hilfe spezieller, für PC und Smartphone entwickelter Aufgaben. So können sich die Probanden entscheiden, ob sie fünf Euro gleich oder 50 Euro in sechs Wochen haben wollen. Pathologische Spieler nehmen lieber gleich die kleine Belohnung als zu warten. Laut Bühringer gibt es bisher nur wenige Therapieansätze für pathologische Glücksspieler. Stattdessen werden Konzepte bisheriger Suchttherapien angewandt. „Wichtigste Voraussetzung aber ist die Einsicht“, sagte Kräplin. Die sei nicht sehr hoch. Das merkten selbst die Wissenschaftler. Sie fanden nur 27 statt 45 Testpersonen, um die Störung besser zu verstehen und künftig pathologische Glücksspieler frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

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Bisher sind nur zwei bis sieben Prozent von ihnen in Behandlung. „Meist nicht aus Überzeugung, sondern auf äußeren Druck von Arbeitgeber, Familie und Schuldenberg“, weiß Kräplin. Wie bei Drogen, Alkohol oder Rauchen drohen selbst bei erfolgreicher Therapie auch Rückfälle. „Gefährdet bleiben sie immer.“

Simona Block, dpa

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