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Wildvogelauffangstation in Dresden-Kaditz hat auch viele Igel in Obhut - notgedrungen

Wenn Igel Hilfe brauchen Wildvogelauffangstation in Dresden-Kaditz hat auch viele Igel in Obhut - notgedrungen

Allein 50 bis 60 Stacheltiere werden jedes Jahr in die Obhut der Wildvogelauffangstation in Dresden-Kaditz gegeben. Für die Station ist das ein Problem. Allein schon hinsichtlich der Kosten.

Laura Hannß, mit einem der Igel, die die Wildvogelauffangstation betreut, weil sie verletzt sind oder sich noch nicht genug Speck anfressen konnten, um den Winter zu überstehen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. „Eigentlich sind wir eine Wildvogelauffangstation, kümmern uns also um Wildvögel, die aus irgendeinem Grund Hilfe brauchen. Etwa 1200 sind das im Jahr. Doch zu uns werden auch immer wieder Eichhörnchen, Siebenschläfer, Feldhasen und auch Igel gebracht“, berichtet Steffen Keller. Er und seine Tochter Saskia betreuen federführend die Station, unterstützt von drei jungen Leuten im Freiwilligen ökologischen Jahr, einem Jugendlichen im Bundesfreiwilligendienst und anderen ehrenamtlichen Helfern.

Allein 50 bis 60 Stacheltiere werden jedes Jahr in die Obhut der Wildvogelauffangstation gegeben, macht Steffen Keller die Dimension deutlich. „Die Leute finden einen hilfsbedürftigen Igel. Und weil sie ihn nirgendwo sonst loswerden, bringen sie ihn kurzerhand zu uns. Für sie ist das die einfachste Lösung.“

Für die Wildvogelauffangstation ist das ein Problem. Allein schon hinsichtlich der Kosten. „Wenn diejenigen, die helfen wollen, mit einem offensichtlich verletzten Igel wenigstens zum Tierarzt gehen und die Bezahlung übernehmen würden“, seufzt Steffen Keller. Denn so bleibt die Wildvogelauffangstation auf den Kosten sitzen.

Keller ärgert sich darüber, wie viele Tierfreunde Verantwortung lieber an andere delegieren. „Zum Glück haben wir eine Hand voll Adressen von Menschen, die immer wieder hilfsbedürftige Igel pflegen“, so der Vogelexperte aus Kaditz. Die Adressen sind ein gut gehütetes Geheimnis, „denn sonst können sich die Helfer vor lauter Igeln nicht mehr retten“, so seine Erfahrung.
Dabei ist es gar nicht so schwer, einen kleinen Igel, der nicht genug Gewicht hat, um in den Winterschlaf zu gehen, aufzupäppeln. „Vor allem für Familien mit Kindern ist das eine tolle Aufgabe und eine unwiederbringliche Erfahrung, wenn der Igel dann im Frühling wieder in die Freiheit entlassen werden kann“, findet Steffen Keller. Allerdings muss man sich den Winter über auch wirklich jeden Tag um das Tier kümmern. Für das tägliche Füttern und Säubern der Behausung sollte man etwa eine halbe Stunde Zeit einplanen. Finanzielle Kosten entstehen durch den Kauf von Futter und mindestens einen Tierarztbesuch.

Aufgenommen werden dürfen Igel,  die zu den besonders geschützten Arten gehören, nur unter bestimmten Umständen. Zum Beispiel, wenn sie „deutlich weniger als 500 Gramm wiegen“, denn dann „haben (sie) ohne Zufütterung ... kaum eine Aussicht, das nächste Frühjahr zu erleben“, heißt es auf der Internetseite des Tierschutzbundes.“
„Für diese Igel baut man am besten aus einem oder mehreren Kartons ein geräumiges und vor allem stabiles Gehege und ein Haus, in dem sie sich verstecken können. Ein Meerschweinkäfig oder eine Plastebadewanne sind zu klein und Tierquälerei. Die Wände des Geheges sollten hoch genug sein – meiner Erfahrung nach 80 cm oder mehr – und keine Gelegenheit bieten, hoch zu klettern oder sie zu überspringen.

Katzenstreu eignet sich nicht als Einstreu. Am praktischsten ist es, das Gehege mit mehreren Lagen Zeitungspapier auszulegen, die man jeden Tag erneuert. Zusätzlich kann man noch eine dünne Schicht Hobelspäne aufbringen. Igel brauchen jeden Tag frisches Wasser. „Auf keinen Fall Milch geben. Die vertragen sie nicht“, betont Keller. Gefüttert wird einmal am Tag. „Man muss nicht unbedingt Igelfutter kaufen, Katzennassfutter tut es auch.“ Wie viel gefüttert wird und was man zusätzlich an Nahrung geben kann, darüber lässt man sich am besten vom Tierarzt beraten. Ihn sollte man grundsätzlich aufsuchen, wenn man einen zu kleinen und/oder kranken Igel gefunden hat. Denn nur er kann feststellen, ob dem Igel noch etwas anderes fehlt als Nahrung und ob Maßnahmen gegen Parasiten zu treffen sind.

Igel, die nicht genug Fett haben, um zu überwintern, dürfen logischerweise, wenn sie in Obhut genommen werden, nicht zu kühl untergebracht werden. Minimum sind 15 Grad, eher mehr. „Sonst fallen sie in den Winterschlaf und wachen nicht mehr auf“, so Keller. In die Freiheit entlassen werden die Igel im Frühling erst dann, wenn keine lange Frostperiode mehr droht und sie Nahrung finden können. Tiere, die mehr als 250 g auf die Waage brachten, als sie zur Aufzucht mitgenommen wurden, sollten im Frühling dort hingebracht werden, wo sie Monate zuvor gefunden wurden.

Catrin Steinbach

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