Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Wie die Teilnehmerzahlen bei Pegida ermittelt werden

Wie viele sind es denn? Wie die Teilnehmerzahlen bei Pegida ermittelt werden

Ein Jahr Pegida, das heißt auch: ein Jahr Streit um die Zahl der Teilnehmer. Von Beginn an wurde darüber gestritten, wie viele Menschen sich an den wöchentlichen Demonstrationen und Kundgebungen beteiligen. Der Streit hält bis heute an.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Ein Jahr Pegida, das heißt auch: ein Jahr Streit um die Zahl der Teilnehmer. Von Beginn an wurde darüber gestritten, wie viele Menschen sich an den wöchentlichen Demonstrationen und Kundgebungen beteiligen. Die Schätzungen von Veranstalter, der Polizei und von Beobachtern wichen regelmäßig deutlich voneinander ab. Im Frühjahr reichte es der Polizei schließlich: Die Beamten teilen ihre eigenen Schätzungen nicht mehr mit.

Bis dahin übernahmen wir Journalisten weitgehend die Angaben der Beamten. So möglich, nannten wir auch die Angaben der Veranstalter. Wenn wir der Meinung waren, dass diese zu hoch oder zu niedrig waren, vermerkten wir dies in unseren Texten zusammen mit unseren eigenen Schätzungen.

Pegida am 12. Oktober 2015 in Dresden

Zur Bildergalerie

Heute wissen wir: Selbst die Polizei lag wohl längst nicht immer richtig. Weder Polizisten noch Journalisten sind Experten im Erfassen großer Menschenmengen. Und spätestens wenn mehrere Tausend Menschen auf der Straße sind, verliert der Nicht-Experte den Überblick. So waren nach heutigem Wissensstand selbst zu Hochzeiten wohl nie mehr als 18.000 Menschen bei Pegida. Aber auch bei den Großveranstaltungen gegen das islamfeindliche Bündnis wie dem großen Konzert von „place to be“ waren wohl weniger Menschen, als damals geschätzt.

Die Wissenschaft war es schließlich, die im Frühjahr für Aufklärung sorgte. Seit April zählen Studenten und zeitweise auch Hochschullehrer bei Pegida und anderen Dresdner Großdemos mit. Im Gegensatz zu den Schätzverfahren von Polizei und Medien nutzt „durchgezählt“, so der Name der zählenden Gruppierung, wissenschaftliche und vor allem nachprüfbare Methoden.

Methoden zur Zählung von Menschenmengen

Um große Menschenmengen zu zählen, gibt es verschiedene Wege. Bei einer stationären Kundgebung kann zum Beispiel über die Größe des Platzes die Teilnehmerzahl geschätzt werden. Zuerst wird die Quadratmeterzahl des Platzes ermittelt, anschließend wird das mit der Zahl der Teilnehmer pro Quadratmeter multipliziert. Die Methode ist ungenau, da sich zum einen die Fläche selten genau ermitteln lässt, und die Menschen zum anderen an manchen Stellen sehr locker, an anderen Stellen sehr dicht gedrängt stehen.

Zweite Möglichkeit ist, die Zahl der Teilnehmer per Raster zu ermitteln. Hier wird die Kundgebung von oben fotografiert und anschließend ein schachbrettartiges Raster über das Bild gelegt. Anschließend werden zufällig ausgewählte Rasterabschnitte gezählt. Je mehr Abschnitte exakt ausgezählt werden, desto genauer lässt sich daraus die Gesamtzahl ableiten. Nachteil hier: Der Zähler benötigt einen Standort von oben und vor allem ausreichend Licht für das Foto.

Bei einer Demonstration ist das Zählen etwas einfacher. Variante eins ist hier, die Zeit zu stoppen, die der komplette Zug braucht, um eine bestimmte Stelle zu passieren. Die Zahl der gemessenen Sekunden wird dann mit der Zahl der Teilnehmer multipliziert, die pro Sekunde den Punkt passiert haben. Das funktioniert vor allem dann, wenn die Demo gleichmäßig läuft, also ohne größeren Lücken oder Ballungen an Menschen.

Genauer ist die Klicker-Methode . Wieder postiert sich der Zähler an einem Punkt und lässt die Demo an sich vorüber ziehen. Und alle (beispielsweise) zehn Menschen wird der Klicker aktiviert. Diese Geräte haben ein Zählwerk, das ausgelesen wird – am Ende hat man die Zahl der Teilnehmer. Die Methode funktioniert am besten mit mehreren Zählern und dann, wenn die Menge nicht zu unübersichtlich ist. Ansonsten besteht die Gefahr, Teilnehmer doppelt oder gar nicht zu zählen.

Am genauesten aber auch sehr zeitaufwändig ist die Videoanalyse , die auch von „durchgezählt“ verwendet wird. Hier wird nicht sofort gezählt, der Demo-Zug wird stattdessen aus möglichst erhöhter Position abgefilmt. Mit technischen Hilfsmitteln kann dann ganz genau gezählt werden, wie viele Menschen dabei waren. Viel exakter geht es nicht, die Methode benötigt aber ihre Zeit: Selbst die Profis von „durchgezählt“ brauchen mehrere Stunden, um die wöchentliche Teilnehmerzahl zu ermitteln.

Stephan Lohse

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Was aus der Ferne nach Menschenmassen aussieht...

Monatelang wurde in Dresden um die Teilnehmerzahlen der Pegida-Demos gestritten. Seit Ende April bringen nun Dresdner Studenten Licht ins Dunkle. Unter dem Stichwort „durchgezählt“ versuchen sie die Teilnehmerzahlen wissenschaftlich zu ermitteln und sorgten gleich bei ihrem ersten Einsatz für ein Aha-Erlebnis.

mehr
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.