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Wie der Alte Katholische Friedhof in der Friedrichstadt die Herzen der Dresdner erobern will

Wie der Alte Katholische Friedhof in der Friedrichstadt die Herzen der Dresdner erobern will

Der Alte Katholische Friedhof, Friedrichstraße 54 hat ein Wahrnehmungsproblem: "Er wird von den Dresdnern viel zu wenig beachtet", findet Friedhofsverwalter Andreas Reinelt.

Nicht nur gingen die Beerdigungszahlen seit Jahren zurück, auch Besucher verirrten sich eher selten auf die hinter hohen Mauern liegende Anlage. Und deshalb schmückt seit gestern ein Werbebanner die Außenmauer neben dem Eingangstor.

Dabei hat der Gottesacker so einiges zu bieten. Der Alte Katholische Friedhof ist mit rund 300 Jahren der älteste noch bewirtschaftete in Dresden. 1721 von August dem Starken errichtet, beherbergt die 1,1 Hektar große Anlage heute rund 1000 Grabstätten - und zählt damit zu den kleineren Begräbnisorten Dresdens. Von schier unschätzbarem kulturellem Wert sind die zahlreichen denkmalgeschützten Gräber prominenter Dresdner, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Einer der bekanntesten ist wohl der Lausitzer Pfarrer und NS-Widerstandskämpfer Alois Andritzky, der im vergangenen Jahr selig gesprochen worden und bis zu seiner Umbettung in die Dresdner Hofkirche in der Priestergruft des Friedhofes bestattet war. Neben Andritzky beherbergt die Anlage zudem die Gräber so bekannter Dresdner wie Carl Maria von Weber, Balthasar Permoser und Gerhard von Kügelgen.

Auf dem Alten Katholischen Friedhof finden bis heute Beisetzungen statt - zuletzt allerdings nur rund 20 Mal im Jahr. Dem Friedhof, der gemeinsam mit dem Neuen Katholischen Friedhof an der Bremer Straße als einziger der 58 Dresdner Friedhöfe von einer Stiftung betrieben wird, fehlen die Bestattungswilligen - und damit auch Geldmittel. Denn: "Von der katholischen Kirche erhalten wir keinerlei geregelte Finanzierung, da davon ausgegangen wird, dass sich Friedhöfe über den Bestattungsbetrieb selbst tragen müssen", erklärt Manfred Evens, Vorsitzender der Katholischen Kirchhofsstiftung zu Dresden. Auch von der Stadt gibt es nur einen kleinen Zuschuss von 10 000 Euro pro Jahr für Pflege und Denkmalsanierung. Daher sei man nicht zuletzt auch auf Spenden von Besuchern angewiesen, so Evens.

Gründe für den geringen Zuspruch gibt es viele. Zum einen beträgt der Anteil der Katholiken an der Dresd- ner Bevölkerung gerade einmal vier Prozent. "Deshalb bestatten wir mittlerweile auch Nichtkatholiken", so Andreas Reinelt. Und auch dem all- gegenwärtigen Trend weg von der Erd- hin zur preisgünstigeren Urnenbestattung trägt man bereits Rechnung. Nur auf das religiöse Symbol auf dem Grabstein möchte man nicht verzichten.

Mit der Banneraktion wolle man den kleinen Friedhof zurück ins öffentliche Bewusstsein bringen. "Wir möchten die Menschen dazu anregen, über ihr Verhältnis zu Tod und Gedenken zu reflektieren", so Andreas Reinelt. Auf dem Alten Katholischen Friedhof kann man dies unter anderem auf geführten Rundgängen tun.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.04.2012

Jane Jannke

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