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Wie aus Fremden Nachbarn werden können

Integration in Dresden: Wie aus Fremden Nachbarn werden können

"Die Sachsen heißen Ausländer bisher wenig willkommen. Sie müssen sich entscheiden, ob sie Migranten und ihr Know-how im Land haben wollen oder nicht." Der Direktor des Max-Planck-Instituts, Anthony Hyman, findet deutliche Worte, um das gesellschaftliche Klima in der Landeshauptstadt zu beschreiben.

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Quelle: Archiv

Dresden. "Die Sachsen heißen Ausländer bisher wenig willkommen. Sie müssen sich entscheiden, ob sie Migranten und ihr Know-how im Land haben wollen oder nicht." Der Direktor des Max-Planck-Instituts, Anthony Hyman, findet deutliche Worte, um das gesellschaftliche Klima in der Landeshauptstadt zu beschreiben. Gemeinsam mit Kristina Winkler, der Dresdner Ausländer- und Integrationsbeauftragten, hat Hyman am Mittwoch in der Johannstadthalle das Integrationskonzept der Landeshauptstadt diskutiert. Die Zuhörerschaft belegte dabei fast jeden der 80 Sitze im Kinosaal der Einrichtung an der Holbeinstraße. Die Johannstädter wollten erfahren, was sie zur Eingliederung von Asylbewerbern in ihrem Stadtviertel beitragen können.

Entschieden sich die Dresdner gegen Migranten, kippe die sächsische Wirtschaft und Arbeitsplätze gingen verloren, warnte Hyman, dessen Institut sich ebenfalls im Viertel befindet. Bereits jetzt sinke das Interesse internationaler Forscher an Dresden. Das Max-Planck-Institut braucht Jahr für Jahr bis zu 60 neue Wissenschaftler.

Laut Kristina Winkler kann Dresden mit dem Ende Mai beschlossenen Integrationskonzept zwar nicht Fehler des Bundes und der Europäischen Union reparieren, wohl aber die Situation der Migranten vor Ort verbessern. Mit den neuen Handlungsvorgaben hat sich die Stadt eine bis 2020 geltende Richtschnur gegeben. Demnach ist eine dringende Aufgabe, Flüchtlingen einen besseren Zugang zu den kommunalen Dienstleistungen zu ermöglichen. Dabei kann und muss die Stadt viel in ihren Ämtern leisten, beispielsweise durch mehrsprachige Broschüren oder mit Hilfe von Dolmetschern.

Trotz solcher Bemühungen gilt Dresden in jüngster Zeit als nicht mehr gastfreundlich - ungünstige Voraussetzungen für einen Wissenschaftsstandort der mit Oslo, Tel Aviv, San Francisco oder anderen internationalen Metropolen um hochqualifizierte wissenschaftliche Arbeitskräfte konkurrieren muss, ließ der Max-Planck-Direktor wissen.

Seiner Meinung nach hat die Politik lange Zeit beim Integrationsthema versagt und die Bedeutung von Ausländern verkannt. Deswegen habe niemand den Dresdnern vermittelt, wie wichtig Migranten für die Wissenschaft, Forschung und die Wirtschaft sind.

Anthony Hyman sah die Arbeit des Dresdner Ausländerbeirats, dessen Chef er war, als Alibi für die Politik an. Zu selten sei auf Vorschläge eingegangen worden. Aus diesem Grund habe er auch seinen Posten als Vorsitzender des Beirats aufgegeben.

Winkler kritisierte, in der Vergangenheit sei vor allem auf bundespolitischer Ebene wenig passiert und die Integrationspolitik von allen Seiten vernachlässigt worden. "Das muss sich dringend ändern! Fünf Jahre lang Krisenmanagement und Feuerwehr spielen, reichen mittelfristig für die Integration in Dresden nicht aus," warnte Winkler. Seit der Flüchtlingskrise gebe es aber mehr Offenheit - ihr und ihrer Arbeit gegenüber.

Nur eine Besucherin kritisierte die Aufnahme von Flüchtlingen. Alle anderen Gäste des Abends wollten unter anderem wissen, wie sie Flüchtlingen helfen können und welche Unterstützung sie dabei von der Stadt bekommen.

Das Integrationskonzept kann im Internet unter dem Kurzlink http://bit.ly/1LSjy0O abgerufen werden. Die "Ziele der Integrationspolitik in Dresden" stehen auf Seite 85.

Paul Felix Michaelis

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