Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Widerständler unter Religionsphilosophie-Studenten der TU Dresden machen mit AG weiter

Widerständler unter Religionsphilosophie-Studenten der TU Dresden machen mit AG weiter

Arhythmisch knallendes Schlagzeug, verzerrt krachende E-Gitarren, eine heiß bellende Männerstimme, die unverständliche Texte herausschreit. Ungewohnt harte akustische Kost für die meisten der mehr als 30 überwiegend jungen Zuhörer, die dicht gedrängt in Jörg Stübings kleiner Buchhandlung "Büchers Best" in der Dresdner Neustadt sitzen.

Voriger Artikel
Dresdner Wochenmärkte öffnen länger
Nächster Artikel
Führung für Technikaffine in Dresdner Semperoper

Sophie Arlet, Friedrich Hausen, Verleger Robert Heinen (Text & Dialog) und Martin Krebs (von li.), Mitstreiter der Arbeitsgemeinschaft Religionsphilosophie, in der Buchhandlung "Büchers Best" in der Dresdner Neustadt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Es sind Hörbeispiele von der Band "Meshuggah", extremer Metal-Rock aus Schweden.

Friedrich Hausen, am runden Tisch mit der grünen Leselampe sitzend, spielt sie von CDs an. Um darzulegen, dass Metal durchaus etwas mit Religion zu tun hat. Diese düstere Rock-Performance nämlich, meint er, sei in ihrer Beschwörung des Negativen die "ästhetisch-symbolische Transformation eines Opferrituals", ein Ritus, der negative Haltungen und Gefühle in kathartischer Weise intensiviert und so vorübergehend von ihnen befreit. Dargelegt hat der 38-jährige promovierte Philosoph dies in einem Essay im "Journal für Religionsphilosophie".

Dieses blaue, 154 Seiten dicke Heft ist die wichtigste Initiative der "Arbeitsgemeinschaft für Religionsphilosophie", entstanden aus dem Widerstand von Studenten der TU Dresden gegen die Schließung ihres Lehrstuhls. Diesen Lehrstuhl für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft hatte Religionsphilosophie-Professorin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz 1993 gegründet, am Institut für Philosophie der TU Dresden.

Tagungen hat sie dort organisiert, Vorlesungen über Themen wie Gottesbilder, Schuld und Vergebung oder Mystik in den Weltreligionen gehalten. Als Gerl-Falkovitz Ende März 2011 in den Ruhestand ging, wurde der Lehrstuhl einfach nicht neu besetzt. Eine offizielle Erklärung oder Begründung habe es dafür nie gegeben, sagt sie. Für das wissenschaftliche Leben in Dresden sieht sie schwerwiegende Folgen: "Das Gespräch zwischen Vernunft und Glauben verstummt." Auch Atheisten sei am Lehrstuhl die Bedeutung von Religion und Christentum für die Kultur deutlich geworden. Solche Einsichten seien nun nicht mehr möglich.

Doch ein Dutzend Studenten setzten sich zur Wehr. Zu ihnen gehört Sophie Arlet. Die 28-Jährige, heute freiberufliche Videoproduzentin, hat wie ihre Kommilitonen die Vorlesungen und Seminare von Professorin Gerl-Falkovitz als "lebendig, mitreißend und immer auf Dialog orientiert" erlebt. Vor allem aber das Handwerk des gründlichen Lesens philosophischer Texte gelernt.

Erste Aktion war ein Offener Protestbrief an den damals gerade scheidenden Rektor, Prof. Hermann Kokenge. "Doch damit konnten wir das Blatt nicht mehr wenden", erinnert sich Sophie Arlet. In dem Brief hatten sie die Religionsphilosophie mit einem Tschechowschen "Kirschgarten" verglichen, der zwar keinen unmittelbaren wirtschaftlichen Ertrag bringt, dennoch nicht nutzlos ist und daher nicht abgeholzt werden dürfe. Denn Religionsphilosophen seien Vermittler zwischen den Kulturen.

Auf die Unabhängigkeit von Konfessionen legten Sophie Arlet und ihre Verbündeten großen Wert, als sie im April 2011, am Tag nach der Schließung des Lehrstuhls, die "Arbeitsgemeinschaft Religionsphilosophie Dresden" gründeten, um so die Arbeit fortzusetzen, allein und außerhalb der Uni. Etwa 40 Mitglieder hat der Verein heute. Sophie Arlet selbst betrachtet sich als nicht konfessionell gebunden. "Ich hatte immer ein intellektuelles Interesse an Theologie und Glauben." Allein die Religionsphilosophie eröffne auch für jene, die nicht an Gott glauben, die Möglichkeit, Strukturen und Funktionsweisen von Religionen zu verstehen - "ohne konfessionelle Brille". So wurden die Bäume des Kirschgartens nicht abgeholzt, nur versetzt. Draußen sollen sie nun blühen und Früchte tragen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.03.2013

Tomas Gärtner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
28.07.2017 - 16:53 Uhr

Acht neue Spieler, zwei neue Trainer. Es hat sich viel getan im Erzgebirge und doch bleibt die Mission gleich: Klassenverbleib. Damit der nicht wieder zur Zitterpartie wird, strebt der FCE endlich einen guten Saisonstart an.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.