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Wider den Lungenkrebs: Über 500 Wissenschaftler aus aller Welt treffen sich in Dresden

Wider den Lungenkrebs: Über 500 Wissenschaftler aus aller Welt treffen sich in Dresden

bis zum 15. September treffen sich Spezialisten aus aller Welt in Dresden, um über Lungenkrebs zu beraten. Zum 3. Internationalen Thorax-onkologischen Kongress werden über 500 Teilnehmer erwartet.

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Professor Christian Manegold hat Elbflorenz vor 40 Jahren verlassen. Dresden ist immer seine Heimat geblieben. Am Donnerstag begrüßt er hier internationale Spezialisten zum Lungenkrebs-Kongress.

Quelle: Carola Fritzsche

Vom 13. Die Mediziner wollen im Westin-Bellevue-Hotel nicht nur über neue Forschungserkenntnisse berichten, sondern auch Perspektiven für Forschung und Patientenbetreuung aufzeigen. Katrin Tominski sprach mit dem Organisator der Konferenz, Professor Christian Manegold von der Medizinischen Fakultät Mannheim der Uni Heidelberg.

Professor Manegold, Sie leben und forschen in Heidelberg. Warum laden Sie zur Konferenz nach Dresden?

Ursprünglich komme ich aus Dresden. Vor über 40 Jahren bin ich nach Heidelberg gegangen. Doch Elbflorenz ist noch immer meine Heimat. Deswegen habe ich vor einigen Jahren einen engen Kreis von Wissenschaftlern nach Dresden eingeladen. Sie fanden die Stadt so gut, dass sie am liebsten gleich die Lungenkrebs-Weltkonferenz nach Dresden geholt hätten. Für die Organisation einer Konferenz dieser Größenordnung fehlten mir allerdings die Netzwerke. Deswegen habe ich mich für eine kleinere Tagung entschieden. Der erste Lungenkrebskongress 2008 war dann ein voller Erfolg. Alle Forscher wollten wiederkommen. Das kann ich auch verstehen. Es gibt auf der Welt wenig Plätze - und glauben Sie mir, ich kann das beurteilen -, wo es so viele interessante Dinge nebenbei zu entdecken gibt.

War die Universität Heidelberg nicht skeptisch, dass Sie die Gäste nicht an den Neckar holten?

Es war nicht immer einfach, das steht fest. Das Geld fließt ja dann nicht nach Heidelberg, sondern nach Dresden. Doch bis jetzt bin ich nicht rausgeflogen. Insofern, glaube ich, hat man sich daran gewöhnt.

Ein Schwerpunkt des Kongresses ist der Lungenkrebs bei Nichtrauchern. Warum?

Ein großer Teil der Lungenkrebs-Neuerkrankungen liegt im Nichtraucherbereich. Vor allem junge Frauen, die noch nie geraucht haben, sind betroffen. Wir haben herausgefunden, dass diese Krebsform molekularbiologisch anders aufgebaut ist. Man kann sogar sagen, es handelt sich um einen anderen Krebs.

Ist das eine neue Legitimation für das Rauchen? Wenn selbst das "Nichtrauchen" nicht vor Lungenkrebs schützt, was hilft dann?

Lungenkrebs bei Nichtrauchern ist kein Grund zu rauchen. Wahr ist: Weniger als 20 Prozent aller Raucher bekommen Lungenkrebs. Aber: 90 Prozent aller Menschen mit Lungenkrebs haben geraucht. Rauchen ist und bleibt ein Risikofaktor. Deswegen ist die Vorsorge so wichtig. Wir müssen unsere Kinder vor der Nikotinsucht schützen.

Wie hoch ist das Risiko bei drei Schachteln am Tag, an Lungenkrebs zu erkranken?

Hoch, sehr hoch. Bei dieser Menge könnte es schon fast zu einer Nikotinvergiftung kommen. Doch abseits vom Lungenkrebs: Sie dürfen nicht vergessen, dass Rauchen auch viele andere Krankheiten nach sich ziehen kann.

Raucher wurden durch das Nichtraucherschutzgesetz immer mehr aus dem öffentlichen Raum verbannt.

Ja. Trotzdem haben wir allein in Deutschland in jedem Jahr etwa 60 000 neue Fälle von Lungenkrebs.

Ist die Zahl der Erkrankungen gestiegen?

Das lässt sich schwer beurteilen. Bei den Männern ist die Entwicklung auf einem Plateau angelangt. Hingegen haben viele Frauen angefangen zu rauchen, vielleicht auch im Rahmen der Emanzipation. Gerade junge Mädchen haben die jungen Männer teilweise überholt. Ich sage immer: "Wer wie ein Mann lebt, stirbt wie ein Mann."

Sind die Raucher selbst Schuld, wenn sie Lungenkrebs bekommen?

In der öffentlichen Meinung dominiert das Bild, dass Lungenkrebs eine selbst verschuldete Krankheit ist. Viele denken, 'da sind sie selbst schuld, die Unverbesserlichen'. Deswegen hat Lungenkrebs in der Gesellschaft eine ganz andere Stellung als der Brustkrebs. Die Lungenkrebspatienten sind immer die Trottel. Doch Nikotinsucht ist eine ernstzunehmende Sucht, die - will man sie langfristig überwinden - therapeutisch begleitet werden muss.

Was erwarten Sie von dem Kongress?

Ich erwarte, dass wir die Behandlungsstandards mit den aktuellen Forschungsergebnissen neu definieren und diese in die tägliche Praxis einbetten. Die Frage ist: Wo setzen wir die neuen Methoden ein, wo sind die positiven und wo sind die negativen Seiten? Wo liegen die Enttäuschungen? Denn Sie dürfen nicht vergessen: Jährlich werden viele Medikamente hergestellt, die nicht die erhoffte Wirkung zeigen. Damit stirbt jedes Mal ein Stück Hoffnung. Also kurzum, es dreht sich alles um die Frage: Wie können wir die neuen Methoden zügig auf die Patienten anwenden?

Wird das die Situation der Lungenkrebs-Patienten verbessern?

Das hoffen wir. Doch wir können machen, was wir wollen, wir brauchen die Prävention. Diese Seite darf nicht vergessen werden.

Ist das auch die Meinung der 70 Chinesen, die ebenfalls zur Konferenz in das Westin-Bellevue-Hotel geladen sind?

Die Kontakte zu unseren chinesischen Kollegen sind ausgesprochen interessant. Sie besitzen eine Ausbildung auf höchstem Niveau und betreiben westliche Medizin. Mit dem Unterschied, dass sie ihre alte chinesische Medizin einfach dazunehmen.

Die Konferenz wird durch eine Ausstellung begleitet.

Ja, viele Dresdner Künstler stellen aus. Zehn Prozent des Erlöses aus dem Verkauf ihrer Werke gehen an junge Forscher der Lungenkrebsstiftung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.09.2012

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