Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Werft in Dresden-Laubegast schließt

Werft in Dresden-Laubegast schließt

"Und tschüss!" Mit diesen Worten verließ ein Mitarbeiter der Werft gestern Morgen kurz vor 8 Uhr das Verwaltungsgebäude der Firma in Laubegast.

Da hatten er und seine etwa 20 Kollegen gerade erfahren, dass keine Rettung in Sicht ist, dass das Traditionsunternehmen Ende nächster Woche geschlossen wird. Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko hat keinen neuen Eigentümer für die Werft gefunden. "Für die Mitarbeiter und für alle, die in den letzten zwei Jahren für die Fortführung und den Erhalt der Werft gekämpft haben, ist das eine bittere Pille", kommentierte er gestern dieses Ergebnis. "Wir haben zwei Jahre lang das Beste aus der Situation gemacht, wir haben den Betrieb fortgeführt, ohne investieren zu können und darauf sind wir stolz", ist er sich mit Interimsgeschäftsführer Michael Lohnherr und Betriebsratschef Wolfgang Reichelt einig. "Das war ein tolles Erlebnis, darauf sind wir stolz", sagte Danko. Den Misserfolg bei der Investorensuche nannte er "enttäuschend". Und weiter: "Wo kein Wille ist, da ist auch kein Weg."

Wolfgang Reichelt glaubt auch jetzt noch nicht, dass es das gewesen sein soll für das Schiffsbauunternehmen in Laubegast. "Es ist schwer vorstellbar, dass die alle ohne uns auskommen können", sagt der 61-Jährige und denkt dabei unter anderem an die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) mit ihren fünf Fähren, die 13 Schiffe der "Dampfschifffahrt" und die zehn Fähren der Oberelbischen Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz. Aber er weiß: "Es ist schon an allen Türen gerüttelt worden." "Der Doktor", wie er Insolvenzverwalter Dr. Franz-Ludwig Danko nennt", sei bis ins Wirtschaftsministerium gegangen, um für die Zukunft der Werft zu werben. Ohne Erfolg, wie die Mitarbeiter der Firma gestern von Geschäftsführer Michael Lohnherr, ihm selbst und eben "dem Doktor" erfahren mussten. "Die Kollegen haben das gefasst aufgenommen", beschrieb Reichelt die Stimmung im Speiseraum während der kurzen Rede von Danko.

"Wo kein Wille ist, ist kein Weg", bedauerte der Insolvenzverwalter vor allem mit Blick auf die Position der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDG), die aus seiner Sicht und nach Ansicht von Ex-SDG-Chef Lohnherr der optimale Werftinvestor gewesen wäre. Doch deren Geschäftsführer Sebastian Meyer-Stork hat abgewinkt. Wie etwa die Verkehrsbetriebe sicherte er der Werft zwar auch in Zukunft Aufträge zu, eine Übernahme des Unternehmens kommt für ihn aber nicht infrage. "Für mich ist das Vorgehen logisch", kommentierte er die gestrige Nachricht aus Laubegast. "Ich sehe die Dramatik für die Mitarbeiter", sagte Meyer-Stork, macht sich um die künftigen Reparaturplatz für die Schiffe "seines" Unternehmens aber nicht mehr Sorgen, als in der vergangenen Woche oder im vergangenen Monat. "Ich habe das bisher so verstanden, dass ein Eintritt eines Investors in die bestehende GmbH nicht vorgesehen war."

Auch Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) glaubt trotz der Stilllegungsankündigung von Danko immer noch an eine Zukunft der Werft. "Wir leben in einer Marktwirtschaft und offensichtlich passen die Preisvorstellungen noch nicht zueinander", stellte Hilbert zum Scheitern der Gespräche zwischen dem Insolvenzverwalter und potenziellen Investoren fest. "Aber wie sagt man beim Fußball: Das Spiel geht 90 Minuten und wir sind gerade erst einmal in der Halbzeit". Die Stadt werde weiterhin alles tun, um den Werftbetrieb in Laubegast aufrecht zu erhalten.

Der Hoffnung, das Grundstück an der Elbe könnte jetzt zu einem schicken Villenstandort werden, erteilte Hilbert indes zum zweiten Mal eine Absage. Es habe sich an der Einschätzung der Stadt zur Nutzung der Fläche nichts verändert", sagte Hilbert. "Es ist und bleibt eine Gewerbefläche."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.03.2013

Springer, Christoph

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.