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"Wenn nötig, wird Geschosszahl reduziert" - Interview mit Hafencity-Projektkoordinator der USD

"Wenn nötig, wird Geschosszahl reduziert" - Interview mit Hafencity-Projektkoordinator der USD

Das ehrgeizige Objekt Hafencity zwischen Elbe und Leipziger Straße ist Teil des Masterplanes "Leipziger Vorstadt-Neustädter Hafen - Dresdens neue Adresse am Wasser".

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Visualisierung der geplanten Hafencity. Das Areal, das die USD Immobilien GmbH plant, umfasst die weiß dargestellten Gebäude im Vordergrund und das Hafenbecken. Rechts befindet sich (mit dem Schornstein) das Gelände des Pharmaunternehmens Menarini von Heyden. Die Grünfläche links im Vordergrund (jetzt Showboxx und Volleyballplätze) gehört nicht mehr zu USD.

Quelle: Visualisierung: woerner & partner

Dieser wurde 2010 vom Stadtrat beschlossen. Er gibt die grobe Richtung vor, was künftig aus dem etwa 50 Hektar umfassenden Areal in der Leipziger Vorstadt zwischen Elbe und Eisenbahntrasse - von der Marienbrücke bis zum Alexander-Puschkin-Platz, Erfurter Straße, Gehestraße und Moritzburger Platz - werden soll. Ziel ist, ganzheitlich einen Stadtraum zu entwickeln, in dem schon viele Investorenträume platzten und der vor allem durch verfallene Häuser, Brachen, eine von Bäumen überwachsene Investruine gekennzeichnet ist. Konkretere Formen nimmt jetzt die Hafencity an. Geplant wird sie von der USD Immobilien GmbH. Dem Dresdner Unternehmen gehört der größte Teil des Areals - zwischen der Investruine neben dem Eingang zu Showboxx, der Leipziger Straße, dem Betriebsgelände des Pharmaunternehmens Menarini von Heyden und der Elbe. Catrin Steinbach sprach mit USD-Projektkoordinator Dipl.-Ing. Gottfried Schaaf von der B.I.S. GmbH über das Mammutprojekt.

Frage: Die geplante Hafencity ist im Nachgang des erneuten immensen Hochwassers im Juni grundsätzlich in die Kritik geraten. Denn um den Neustädter Hafen sollen Wohnhäuser gebaut werden - im Überschwemmungsgebiet. Warum sehen Sie darin kein Problem?

Gottfried Schaaf: Dass die Hafencity im Überschwemmungsgebiet liegt, war allen Beteiligten von Anfang an klar, das war Planungsvoraussetzung. Deshalb haben wir von vornherein mit dem Hochwasser geplant. Wir errichten Tiefgaragen, die im Hochwasserfall freigeräumt werden und als Retentionsfläche dienen. Das heißt, sie werden über Düker mit Elbwasser geflutet. Hat sich der Fluss zurückgezogen, wird das Elbwasser aus den Tiefgaragen kontrolliert wieder in die Elbe abgelassen. Durch die Tiefgaragen können auf dem Areal 6000 Kubikmeter Elbewasser, das entspricht 6 000 000 Litern, mehr aufgenommen werden als jetzt. Die Wohnungen in den Häusern werden so gebaut, dass sie selbst bei einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen nur alle 200 Jahre vorkommt, nicht im Wasser stehen und trockenen Fußes erreicht werden können. Die festgesetzte Oberkante des Erdgeschossbodens von 112,70 liegt ca. 1,20 m bis 1,40 m über dem Bemessungshochwasser HQ100 und noch etwa 1 m über dem HQ200. Auch der Rettungsweg ist in diesem Falle befahrbar. Ebenso befinden sich alle technischen Anlagen außerhalb des Bereiches, den ein 200-jähriges Hochwasser erreicht. Zudem zeigt ein Gutachten der TU Dresden, dass durch die Hafencity mit den geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen und dem zu schaffenden Retentionsraum Abflussgeschwindigkeit sowie Hochwasserstände und Hochwasserrückhaltung nicht negativ beeinflusst werden und es zu keiner Gefährdung Dritter kommt.

Eine Tiefgarage braucht Licht. Steht da nicht im Hochwasserfall eine technische Anlage im Wasser? Wer bezahlt dann die Reinigung der verschlammten Tiefgarage? Wer sorgt dafür, dass die Düker gewartet werden? Wer zahlt, wenn doch ein Schaden entsteht?

Wir werden eine wassertaugliche Anlage installieren. Die Reinigung der verschlammten Anlage muss die Eigentümergemeinschaft übernehmen. Die Dükerwartung liegt ebenfalls in der Verantwortung der Eigentümergemeinschaft. Wir haben eine Expertise bei einer namhaften Versicherung eingeholt. Daraus geht hervor, dass bei Einhaltung bestimmter Bauvorgaben der Versicherungsschutz übernommen wird.

Schon bei einem Hochwasser wie jetzt im Juni würde Elbewasser auf die Leipziger Straße in Höhe der Hafencity fließen. Zwar nicht vom Gelände der Hafencity aus, aber aus Richtung Puschkinplatz. Wie ist dann im Falle eines 200-jähriges Hochwassers die Hafencity für die Bewohner und Rettungsfahrzeuge zu erreichen?

Die Bewohner und Rettungsfahrzeuge erreichen auch im Falle eines 200-jährigen Hochwassers das Gelände über die Leipziger Straße aus Richtung Marienbrücke. Im Bereich Menarini bleibt die Leipziger Straße trocken.

Die Hafencity soll ein CO2-neutraler Stadtteil werden. Das hat der Stadtrat vor zwei Jahren beschlossen. Was bedeutet das für die Planung?

Wir haben mit dem Auftrag des Dresdner Stadtrates bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) die Zertifizierung als CO2-armes Stadtquartier beantragt und setzen damit den Stadtratsbeschluss um. Um dieses Zertifikat mit Abschluss des Gesamtprojektes zu erhalten, müssen wir schon im gesamten Prozess der Planung sowie auch des Bauens eine Vielzahl von Forderungen erfüllen, deren Einhaltung ständig von einem unabhängigen, von der DGNB eingesetzten Auditor überwacht wird. Nachhaltig bauen heißt, dass wir Energieeffizienz, spezielle städtebauliche Vorgaben, Umwelt-Aspekte und soziale Ausgewogenheit umsetzen.

Bitte nennen Sie konkrete Beispiele.

Wir müssen die auf dem Gelände befindliche Tiefgarage - eine Investruine - abreißen. Der Beton wird jedoch nicht weggefahren, sondern auf dem Gelände geschreddert und wieder verbaut - zum Beispiel im Elbradweg. Vor Ort vorhandene Materialien zu verwenden ist ein wichtiger Aspekt in der Ökobilanz. Mit einer sehr dichten Bauhülle bzw. einer guten Dämmung, kontrollierter Wohnraumlüftung, der Nutzung von Fernwärme, Photovoltaik und Sonnenkollektoren, einem ausgeklügelten Verhältnis zwischen Grundfläche und Fassadenfläche der Gebäude, Holzfenstern mit Dreifachverglasung versuchen wir, den Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten und die gesamte Ökobilanz positiv zu gestalten. Gegenwärtig sind wir in der Planung 50 Prozent unter den gesetzlichen Vorgaben der EnEV (Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden, die Red.) Wenn Sie sich den Masterplan ansehen, haben wir die Gebäude im Gelände der Hafencity kleinteiliger entworfen. An der Leipziger Straße geht das aus Lärmschutzgründen nicht. Zudem müssen wir für die Zertifizierung Frischluftschneisen im Quartier beachten, das Grundwasser untersuchen lassen und vieles, vieles andere mehr.

Wie man der Begründung zum Vorentwurf des Bebauungsplanes entnehmen kann, steigt durch den Bau der Hafencity der Prozentsatz der versiegelten Fläche um 4,9 Prozent auf 79,6 Prozent. Schlägt das bei der angestrebten Zertifizierung nicht ins Kontor?

Ja. Aber wenn man die Hafencity bauen möchte, geht nicht beides: Hochwasserschutz und nicht versiegeln. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wir arbeiten an Ausgleichsmaßnahmen, werden alle Dächer begrünen, zwischen den Häusern 1,20 Meter Erde aufschütten und bepflanzen. Die Promenade wird großflächig gepflastert, so dass Wasser teilweise versickern kann. Zwischen Menarini und den ersten Häusern wird sich ein Grüngürtel bis zur Elbe ziehen. An der Elbe und auf der Hafenmole gibt es Biotope, die wir erhalten. Mit all den Maßnahmen werden wir für das gesamte Gebiet trotzdem nicht die Goldmedaille schaffen. Aber Silber ist unser Ziel.

USD hat angekündigt, in der Hafencity nicht nur teure Eigentumswohnungen bauen, sondern auch bezahlbaren Wohnraum schaffen zu wollen. Stehen Sie dazu?

Ja. Wir überlegen, die Randbebauung direkt an der Leipziger Straße für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen und das unter Denkmalschutz stehende ehemalige Melkus-Gebäude eventuell als Studentenwohnheim zu nutzen. Die soziale Ausgewogenheit ist in einem solchen neu entstehenden Stadtgebiet ein wichtiges Thema. Wir wollen kein Stadtviertel bauen, wo nur Leute wohnen, die im Jahr über 100 000 Euro verdienen. Das schafft nur Konflikte, eine Durchmischung und eine Verknüpfung mit Pieschen und der Neustadt liegt uns sehr am Herzen. Allerdings brauchen wir da die Unterstützung der Stadt. Allein können wir das nicht stemmen. In anderen großen Städten wie München gibt es städtische Programme für sozialen Wohnungsbau. In Dresden ist so etwas bisher leider kein Thema.

Noch mal zur Zertifizierung. Was verursacht die Errichtung eines CO2-armen Stadtteils für Mehrkosten und wer trägt die?

USD. 80 000 Euro kostet allein die Zertifizierung. Die Baukosten erhöhen sich durch die ganzen Maßnahmen um etwa zehn Prozent. Übrigens trägt USD auch die Kosten für den neuen Radweg und die öffentlichen Flächen in dem Gebiet. Und wir werden das Hafenbecken sanieren und die Zahl der Liegeplätze für Privatboote erweitern. Die Hoffnung ist, dass Dresden damit auch international für Bootstouristen interessanter wird.

Dass USD an der Elbe zwei Acht- und einen Zehngeschosser errichten will, hat in der Stadt für einen Aufschrei gesorgt. Es gibt Befürchtungen, dass solch hohe Gebäude die Silhouette der Stadt zerstören. Wie gehen Sie mit diesen Bedenken um?

Es war der Wunsch der Stadtplanung, eine Hafenpromenade als öffentlichen Raum zu entwickeln und architektonisch einen Rahmen zu geben. Es sollte eine Silhouette mit einem Spannungsgehalt entstehen, der durch unterschiedliche Gebäudehöhen erreicht wird. Wir haben jetzt aufgrund der Bedenken ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Blickwinkelbeziehungen untersucht. Sollte diese Untersuchung ergeben, dass es in der Blickbeziehung zur Altstadt ein Problem gibt, werden wir die Geschosshöhe reduzieren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.07.2013

Catrin Steinbach

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