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Weniger Organspender durch Skandale

Weniger Organspender durch Skandale

Professor Wirth, Sie kämpfen seit Jahren mit einem Mangel an Spenderorganen. Das müssen wir abwarten, doch ich erwarte nicht sehr viel. Zwar ist die neue Regelung besser als die Situation davor, doch sind wir ehrlich: Wie viele Briefe werden wie Werbepost weggeschmissen oder in die Ablage gelegt?! Die neue Lösung ist ein Vorteil, doch das Beste ist und bleibt die Widerspruchslösung.

Professor Wirth, Sie kämpfen seit Jahren mit einem Mangel an Spenderorganen. Erhoffen Sie sich durch die neue Entscheidungslösung eine größere Spendenbereitschaft?

Das müssen wir abwarten, doch ich erwarte nicht sehr viel. Zwar ist die neue Regelung besser als die Situation davor, doch sind wir ehrlich: Wie viele Briefe werden wie Werbepost weggeschmissen oder in die Ablage gelegt?! Die neue Lösung ist ein Vorteil, doch das Beste ist und bleibt die Widerspruchslösung. Das können wir deutlich in Ländern wie Spanien erkennen.

Hat Spanien mehr Organspender?

Die Spendenbereitschaft ist dort eindeutig höher, wie in allen anderen Ländern mit einer Widerspruchslösung. Mir wäre diese Lösung lieber, aber das sage ich ja schon seit 30 Jahren.

Sind die Menschen zu bequem, um sich für die Organspende zu entscheiden?

Nein, überhaupt nicht. Viele Menschen wollen nur einfach nicht mit dem Tod konfrontiert werden. Gibt es jedoch keine Erklärung zu Lebzeiten, müssen sich die Angehörigen entscheiden. Das ist nicht einfach für sie, da sie sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden und oft überfordert sind.

Die Organspenden sind durch die bevorzugte Behandlung von Patienten in Verruf geraten. Eine Gefahr für das Image der Organspende?

Im Moment sieht es leider so aus, dass sich die Skandale der Vergangenheit erheblich auf die Spendenbereitschaft auswirken. Wir verzeichnen einen starken Rückgang der Spender in Sachsen. In den letzten Monaten hat die Zahl der Organspender um deutlich mehr als 15 Prozent abgenommen.

Wie hoch ist das Risiko, dass mit Organen Missbrauch betrieben wird?

Es ist sehr bedauerlich, dass durch die Skandale das Vertrauen in die Organspende geschädigt wurde. Immerhin retten Transplantationen Leben. Bislang erhalten leider jährlich nur 20 bis 25 Prozent der Patienten auf der Warteliste zur Nierentransplantation neue Organe. Manipulationen sind hier kaum möglich. Die Wartezeit ist nicht an Laborwerte gekoppelt, sondern beginnt mit der ersten Dialyse.

Wie sieht es am Transplantationszentrum des Uniklinikums aus?

Manipulationen sind bei uns durch mehrfache Kontrollen aller Prozesse nahezu ausgeschlossen. Das Zentrum ist von Beginn an auf dem Prinzip der Kooperationen, insbesondere mit den Kollegen der Nephrologie*, aufgebaut. In jede Transplantation sind mindestens vier Ärzte involviert. Wir verfolgen hier ein strenges Acht-Augen-Prinzip.

Das Infotelefon Organspende beantwortet Fragen und versendet kostenlos Organspendeausweise. Die gebührenfreie Rufnummer 0800/90 40 400 ist wochentags von 9 bis 18 Uhr erreichbar.

* Nierenkunde, d. Red.

Die neue Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz, die ab heute gilt, platzt mitten in den größten Organspende-Skandal in Deutschland. Künftig müssen Krankenkassen ihre Versicherten über Organspenden aufklären und auffordern, eine Entscheidung schriftlich niederzulegen. Mediziner erhoffen sich eine erhöhte Spendenbereitschaft und mehr Sicherheit. In Sachsen warten über 900, in Dresden über 300 Menschen auf ein Spenderorganon. Katrin Tominski sprach mit Manfred Wirth vom Dresdner Uniklinikum.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.11.2012

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