Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Weiter rechts, aber nicht radikal – Dresdner Politologe Patzelt stellt neue Pegida-Studie vor

Weiter rechts, aber nicht radikal – Dresdner Politologe Patzelt stellt neue Pegida-Studie vor

„Niemand verfügt über mehr Fakten über Pegida als ich.“ Voller Selbstbewusstsein hat der Dresdner TU-Politikwissenschaftler Werner Patzelt am Donnerstag seine zweite Studie zu den Pegida-Teilnehmern vorgestellt.

Voriger Artikel
Afrika-Aktivisten gedenken auf dem Dresdner Neumarkt der Flüchtlingsopfer
Nächster Artikel
Nach Erdbeben: Dresdner wollen zerstörte Schule in Nepal aufbauen

Politikwissenschaftler Werner Patzelt präsentierte seine zweite Pegida-Studie.

Quelle: Tanja Tröger

Sie besagt, dass die montägliche Protestbewegung nach ihrer Spaltung deutlich nach rechts gerückt ist, sich jedoch nicht radikalisiert habe.

Übriggeblieben sei nach der Pegida-Spaltung im Januar der „harte Kern“ von knapp 3000 Teilnehmern. Die Bewegung sei am Ende und werde wahrscheinlich demnächst verlöschen, sagte Patzelt. Die Oberbürgermeister-Kandidatur von Tatjana Festerling verlängere die Bewegung nur künstlich bis zur wahrscheinlichen Sommerpause.

Dennoch sei mit nachhaltigen Folgen zu rechnen. Über die Konfrontation von Pegida und Nichtpegida seien viele soziale Beziehungen gestört und „das Klima in Dresden großenteils vergiftet worden“, sagte Patzelt.

php4e84b29b13201505211806.jpg

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt stellte seine zweite Studie zu den Pegida-Teilnehmern vor.

Zur Bildergalerie

50 Prozent „xenophobe Patrioten“, 17 Prozent Rechtsradikale

Anhand der Befragungen von Demo-Teilnehmern haben Patzelt und sein Team drei Gruppen von „Pegidianern“ herausgefiltert: Mehr als die Hälfte beschreiben sie als „xenophobe Patrioten“, also Menschen rechts der politischen Mitte, die sich selbst als deutsche Patrioten einschätzen und Fremdes ablehnen. Sie finden, dass Deutschland bereits zu viele Asylbewerber aufgenommen hat und dass auch friedliche Muslime nicht nach Deutschland passen. Rund 30 Prozent der Demo-Teilnehmer bezeichnet Patzelt als „bedingt Xenophile“. Sie lehnen das Fremde, in diesem Falle Zuwanderung und Islam, nicht grundsätzlich ab, solange nicht zu viele Asylbewerber kommen und sich die Muslime friedlich verhalten.

Eine dritte Gruppe entdeckte Patzelt neu: Die „rechtsradikalen Xenophoben“ machen rund 17 Prozent der verbliebenen Pegida-Teilnehmer aus. „Das ist jener hässliche Pegidianer, den die Gegner von Pegida immer schon auf dem Schirm hatten: jung, rechtsradikal, zur Gewalt neigend und ganz klar gegen Ausländer und Muslime eingestellt.“ Zwar seien von Anfang an Rechtsradikale bei Pegida mitgelaufen, er habe sie auch wahrgenommen, so Patzelt, aber unter 15.000 Teilnehmern fielen 600 bis 800 Rechtsradikale eben statistisch weniger ins Gewicht als bei 3000.

Laut Patzelt hat sich die Teilnehmerschaft von Pegida so umgeschichtet, dass der Anteil der „xenophoben Patrioten“ von rund einem Drittel im Januar auf über die Hälfte im April/Mai gestiegen ist. Dafür sank der Prozentsatz der „bedingt Xenophilen“ oder „Gutwilligen“ von etwa 70 auf 30 Prozent.

Wer marschiert bei Pegida mit?

phpUq8FOi20150521182514.jpg

Auf die Frage, welcher Partei sie am meisten vertrauen, antworteten 66 Prozent der Befragten "keiner" und 28 Prozent "AfD".

Quelle: Tanja Tröger

In der sozialen Zusammensetzung der Demonstrationen habe sich wenig geändert. „Pegida-Demonstranten sind im Durchschnitt berufstätige Leute mit traditioneller Biographie, guter praktischer Ausbildung und oft unterdurchschnittlichem Einkommen“, hat Patzelt mit seinem Team herausgefunden. In Zahlen: 77 Prozent der Demo-Teilnehmer am 4. Mai waren Männer, im Schnitt 49 Jahre alt, rund 50 Prozent kamen aus Dresden und weitere 24 Prozent aus dem Umland. Etwa 67 Prozent der Demostranten sind berufstätig, 23 Prozent im Ruhestand. Allerdings verdienen 52 Prozent der „Pegidisten“ weniger als die 2800 Euro brutto, die als sächsischer Durchschnitt gelten. Fast drei Viertel der Pegida-Spaziergänger war schon bei den Montagsdemos im Jahr 1989 dabei. Nur ein Viertel der Demonstranten haben einen Uni-Abschluss, die übrigens haben meist eine Berufsausbildung absolviert oder an einer Fachhochschule studiert.

In puncto Gehalt deckt sich Patzelts Studie nicht mit den Erkenntnissen seines TU-Kollegen Hans Vorländer. Der hatte im Dezember und Januar ebenfalls Pegida-Teilnehmer befragen lassen und war zu dem Ergebnis gekommen, dass sie überdurchschnittlich gut verdienen. Möglicherweise lag dies in der Stichprobe begründet: Beide Professoren befragten etwa 300 bis 400 Teilnehmer, Vorländer jedoch zu einem Zeitpunkt, als noch weit über zehntausend Menschen bei Pegida mitmarschierten.

Für Patzelts zweite Studie hatten seine Studenten bei der Regen-Demo am 27. April und bei der Schönwetter-Veranstaltung am 4. Mai rund 700 Teilnehmer anhand eines Fragebogens interviewt. Die Stichprobe war laut Patzelt repräsentativ, da die Interviewer Quoten bezüglich Alter und Geschlecht einhalten mussten und der Veranstaltungsplatz in „Sektoren“ eingeteilt war. Zudem seien die Ergebnisse von Patzelts erster Studie mit eingeflossen. Patzelt hatte im Februar eine erste Fallstudie zur Pegida vorgelegt. Kritiker hatten ihm daraufhin vorgeworfen, fremdenfeindliche Bestrebungen zu verharmlosen.

ttr/dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Anzeige
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.