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Weiter Streit um Hafencity-Hochhäuser - Feste Regelung fehlt für Dresden

Weiter Streit um Hafencity-Hochhäuser - Feste Regelung fehlt für Dresden

Spätestens seitdem die Baupläne für die Hafencity in Pieschen bekannt geworden sind, ist das Thema Hochhäuser in Dresden in aller Munde. Am Dienstagmittag will Investor USD mit Hilfe eines 40 Meter hohen Krans zeigen, wie hoch die geplanten Häuser wirklich werden.

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Dresdens Fernsehturm (li.) und der Rathausturm.

Quelle: Archiv

Ein Streitfall werden die Bauten in jedem Fall bleiben. Viele Dresdner fragen sich, wie es sein kann, dass im Bereich der Hafencity zehngeschossige Hochhäuser entstehen sollen, während zum Beispiel auf Altstädter Seite das Hotel am Terrassenufer wohl in absehbarer Zeit weichen soll.

„Für den Dresdner Stadtraum besteht keine grundsätzliche Vorschrift, ob und wo Hochhäuser errichtet werden können. Grundsätzlich ist jeweils die konkrete Situation des Standortes das Kriterium der Bewertung“, erklärt Sprecher Kai Schulz. Für Dresden sei jedoch als erstes die besondere topografische Situation der Stadt mit seiner Lage in einem großen Flusstal zu sehen. Nicht zuletzt soll auch die Dresdner Altstadt mit der Kuppel der Frauenkirche und den weiteren Türmen der historischen Altstadt deutlich wahrnehmbar bleiben, so Schulz. Aus Sicht der Verwaltung stört deshalb das Hotel am Terrassenufer deutlich im Stadtgefüge.  

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World Trade Center: 55 Meter

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Auch Stadtrat Axel Bergmann von der SPD vertritt diese Auffassung: „Der Investor hat gewusst, dass die Genehmigung nur befristet ist. Der Abriss ist richtig, weil unter anderem der Blick auf die Elbschlösser verstellt wird“, sagt er. Darüber hinaus fordert er grundsätzlich einen vorsichtigen Umgang mit Bauvorhaben in der Nähe der Elbe. „Wir haben in Dresden den Vorteil, dass der Elbraum im Großen und Ganzen freigehalten wurde. Das sollte so bleiben“, betont Bergmann.

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So könnte die Hafencity einmal aussehen.

Quelle: Archiv

Aus diesem Grund sieht er die Pläne der Hafencity kritisch. „Ein zehn Stockwerke hohes Gebäude passt dort nicht ins Bild. Wenn man bedenkt, dass beispielsweise viele Gebäude der Umgebung nur fünf Geschosse haben, dann halte ich sechs Stockwerke inklusive Dachgeschoss für das Maximum“, so Bergmann. Zudem plädiere er für eine kleinteilige Bebauung mit einer geringeren Dichte, als bisher vorgesehen.  

Vollkommen anders sieht die Situation Hans-Joachim Brauns von der CDU. „Ich verstehe die Diskussion nicht. Hier wird eine Brache erschlossen und ein neues städtebauliches Highlight entsteht. Anders als das Hotel am Terrassenufer, das die Sicht auf die historische Altstadt verstellt, darf und sollen die Gebäude der Hafencity durchaus ein Hingucker sein“, so Brauns. Man dürfe auch nicht so tun, als ob es hier um etwas absolut Neues ginge.

„Schließlich gibt es ja auch die Hochhäuser am Käthe-Kollwitz-Ufer oder in der Prager Straße“, sagt der Stadtrat. Derartige gewaltige Riegel sind aber in der Hafencity gar nicht vorgesehen, so Brauns. Auch Ängste, dass öffentliche Flächen verloren gehen, kann er nicht nachvollziehen. „Das wird ja kein Luxusgebiet. Auch weiterhin ist nach meiner Kenntnis der Bereich an der Elbe öffentlich zugänglich und es sind gastronomische Einrichtungen und Läden im Erdgeschoss geplant.“  

Lange Geschichte umstrittener Bauvorhaben  

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Der Kran demonstriert, wie hoch die geplanten Bauten der Hafencity werden sollen.

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Die Diskussion um hohe Gebäude in der Innenstadt ist indes nicht neu. Andere umstrittene Vorhaben waren in der Vergangenheit unter anderem die Pläne des Telefonherstellers Tadicom, der in den 1990er Jahren am Elbufer eine 28 Meter hohe Fabrik bauen wollte. Anfangs wurde er dabei noch vehement von der Landesregierung unterstützt, bis auch diese verstanden hatte, dass man in Dresden nicht ungestraft am „Heiligsten“ der Stadt, dem Canalettoblick rühren darf.  

Allerdings war Tadicom nicht die erste und nicht die letzte, die ihr Firmenlogo gern in der Riege Brühlsche Terrasse, Frauenkirche, Hofkirche gesehen hätte.   Unglücklich waren manche Denkmalschützer auch über den Bau des World Trade Centers. Obwohl der Turm um sechs Meter gekappt werden musste, sahen sie den Bau kritisch, weil er ihrer Meinung nach in bestimmten Blickachsen direkt als Pendant zur Frauenkirche erschien.

Mangelwirtschaft verhinderte zu DDR-Zeiten riesiges Hochhaus neben dem Kulturpalast  

Das Gerangel um hohe Gebäude in der Innenstadt ist auch historisch keine neue Erscheinung. So gaben schon die Wettiner die Maxime aus: Kein Bau hat in der Stadt höher zu sein als ihr Schlossturm. Aber die Bürger schlugen dem König ein Schnippchen. Ohne Rathausmann ist das Rathaus zwar mit 94 Metern drei Meter niedriger als der Hausmannsturm, mit dem sechs Meter hohen Goldstück obendrauf aber drei Meter höher.

Nicht zu verhindern waren hingegen Bausünden zu DDR-Zeiten. Während die Bürger noch Ende des 19. Jahrhunderts erfolgreich Sturm gegen Industrieansiedlungen am Johannstädter Elbufer liefen, prallte der Protest im real existierenden Sozialismus  am Beton der Hochhäuser am Terrassenufer und am Käthe-Kollwitz-Ufer ab.  

Noch eins drauf setzten die DDR-Oberen, als sie auf einen Zehngeschosser die rote Leuchtschrift „Der Sozialismus siegt“ installieren ließen. Noch vor der Wende ließ man die Schrift demontieren. Offizielle Begründung: Sie wäre defekt und nicht mehr zu reparieren. Noch schwerer zu reparieren wäre die Stadtsilhouette, hätte man zu DDR-Zeiten tatsächlich den Plan umgesetzt, neben den Kulturpalast ein Hochhaus nach dem Vorbild Moskauer Baukunst zu setzen. Höhe: 124 Meter. 32 Meter höher als die Kreuzkirche.

Noch höher werden sollte ein Haus des Lehrers, das auf der Prager Straße geplant war. Beides scheiterte letztlich an der Mangelgesellschaft.

Stephan Hönigschmid / H.Hannusch

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